Nr. 20/2017, Seite 10: „Emilia, jetzt werde ich öfter Bus fahren“
Versprochen ist versprochen: Graffiti-Workshop mit dem Sprayer Max Kosta
Um die Problematik der Kinder- und Jugendarmut und deren konkrete Erscheinungsformen und Auswirkungen in Thüringen in den Fokus zu rücken, hatte die Linksfraktion im vergangenen Sommer zu einer zweiteiligen Veranstaltung eingeladen. Unter dem Titel „Einmal Teilhabe bitte!“ kamen einerseits durch den zuvor ausgeschriebenen Kreativwettbewerb Kinder und Jugendliche selbst zu Wort.
Auf der anderen Seite waren in einer öffentlichen Anhörung Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen aus der Kinder- und Jugendhilfe eingeladen, über ihre täglichen Erfahrungen zu berichten.
Wir hatten als Linksfraktion Kinder und Jugendliche in Thüringen aufgerufen, unter dem Motto „Wenn ich einen Wunsch frei hätte, dann würde ich ...“ ihre Wünsche mittels Malen, Basteln, Dichten usw. darzustellen.
„Durch diesen Wettbewerb haben wir die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen - ihre Hoffnungen, Sehnsüchte und Träume - in den Thüringer Landtag geholt und auf unserer Fraktionsetage ausgestellt. Denn die eingereichten Werke waren nicht nur für die Abgeordneten, sondern auch für alle Besucherinnen und Besucher des Landtages sichtbar, wie z. B. am Tag der offenen Tür im Juni“, erläuterte Kati Engel, Sprecherin für Kinder- und Jugendpolitik.
Dabei betonte sie noch einmal ihr Credo: „Anstatt immer nur über junge Menschen zu reden, ist es endlich an der Zeit, sie selbst zu Wort kommen zu lassen.“ Und diese Gelegenheit wurde auch von vielen Kindern und Jugendlichen genutzt. Sie haben gemalt, gebastelt, gedichtet, gesungen – selbst ein richtiger kleiner Film wurde von einer Gruppe produziert. Die beeindruckendsten Werke wurden selbstverständlich ausgezeichnet.
Eine der PreisträgerInnen war Emilia, da ihre Arbeit herausstach. Emilia ist zehn Jahre alt und hatte ein Gedicht eingereicht, welches sie für ihre große Schwester, die an Epilepsie leidet und eine mittelgradige Intelligenzminderung hat, als Geschenk zur Jugendweihe verfasst hatte:
Meine Schwester
Manchmal ist es leicht
Manchmal ist es schwer
Manchmal denke ich,
es geht nicht mehr.
Dir ist es nicht bewusst
Du lebst in deiner Welt
Du lebst dein Leben so
wie es dir gefällt.
Ich weiß nicht, warum du
diese Krankheit hast
Ich bin trotzdem froh,
dich als Schwester zu haben
Sonst hätt‘ ich was verpasst.
Ich wünsch mir für dich,
dass du gesund bist
Dass dies nicht so ist,
ist richtiger Mist!
Wir bleiben Schwestern,
ein Leben lang
Ich bin für dich da, sei nicht bang.
Ich habe dich lieb,
meine große Schwester
Deshalb drück ich
dich jetzt noch ein
bisschen fester.
Gewonnen hatte Emilia einen Graffiti-Workshop mit Max Kosta, einen der bekanntesten Sprayer in Thüringen, für sich und ihre Freundinnen und Freunde. Dieses Versprechen lösten nun Kati Engel und Max Kosta ein. Emilias Mutter, Anja Krasulsky, hatte die Idee, den Workshop nachhaltig zu nutzen und damit die Bushaltestelle ihres Dorfes (Schmölln, Ortsteil der Gemeinde Hummelshain im Saale-Holzland-Kreis) zu verschönern. Gesagt, getan. Innerhalb von zwei Tagen gestalteten die Kinder mit Max Kosta das weiße, langweilige Bushäuschen bunt und einladend.
Das Fazit einer Teilnehmerin: „Emilia, jetzt werde ich öfter Bus fahren!“ bestätigt, dass es nicht nur allen Kindern riesigen Spaß gemacht hat, sondern das Ergebnis auch super gut gefällt.
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