Nr. 20/2016, Seite 6: Für menschenwürdige Arbeit
Der Welttag für menschenwürdige Arbeit findet seit 2006 jährlich am 7. Oktober statt. Aus diesem Grund lud die Fraktion DIE LINKE Gewerkschafter, Betriebsräte, soziale Initiativen und interessierte Menschen mit und ohne Arbeit in den Thüringer Landtag ein, um die Situation prekärer Beschäftigung zu analysieren und gemeinsam öffentlich für gute Arbeit in allen Bereichen einzutreten.
Ina Leukefeld, Arbeitsmarktpolitikerin der Linksfraktion im Thüringer Landtag, sagte während eines Pressegesprächs zum Tag der menschenwürdigen Arbeit: „Die stetige Zunahme von Arbeitsplätzen, mit denen Betroffene weder ihr Leben bestreiten noch ihre Familie versorgen können, muss ernsthaft bekämpft werden.“
Zur anschließenden Tagung wurden konkrete Beispiele menschenunwürdiger Arbeitsbedingungen besprochen, diskutiert und die Frage beleuchtet, wie es besser gelingen kann, gerade hier in Thüringen mit einer rot-rot-grünen Landesregierung, Beschäftigte zu bestärken, sich für die Durchsetzung ihrer Rechte einzusetzen. Nach der Eröffnung der Veranstaltung durch Susanne Hennig-Wellsow, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, folgte der Einstiegsbeitrag „Deutschland auf dem Weg in die prekäre Vollerwerbsgesellschaft?“ von Dr. Thomas Eilt Goes vom Soziologischen Forschungsinstitut Göttingen (SOFI) e. V. an der Georg-August-Universität.
Dr. Goes veranschaulichte die Veränderungsdynamiken in der Erwerbsarbeit, bei der es zu Beginn vor allem um die Wirkungen des technisch-organisatorischen Wandels auf Arbeitsteilung, Qualifikationsentwicklung und Arbeitsbewusstsein in der industriellen Produktion ging. Anhand von Grafiken und empirischen Daten wurden Entwicklungslinien, bei einer möglichen Prekarisierung der Arbeitslandschaft, dargestellt. Auch Sandro Witt, stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bezirks Hessen-Thüringen machte aus gewerkschaftspolitischer Sicht auf die Notwendigkeit eines solchen Tages aufmerksam und mahnte gleichzeitig die Risiken der Entwicklung der prekären Arbeitsverhältnisse für die aktuellen und zukünftigen Lebensverhältnisse der Menschen an.
Ebenfalls Gast und Gesprächspartnerin war die freie Journalistin und Autorin Caro Lobig, die mit dem Team Walraff deutschlandweit verdeckt ermittelt und prekärer Beschäftigung auf der Spur ist. So gab sie einen intensiven Einblick in ihre Arbeit als Journalistin, bei der sie u.a. selbst drei Monate lang als Lagerarbeiterin beim Onlineunternehmen Zalando im Logistikzentrum Erfurt arbeitete. In ihrem Rede- und Filmbetrag schilderte sie intensiv ihre Erfahrungen als Angestellte, sprach über Leistungsdruck von Vorgesetzten, tägliche Arbeit an der Schmerzgrenze bis hin zur Überwachung der Mitarbeiter. Caro Lobig verwies außerdem auf ähnliche Untersuchungen von betroffenen Beschäftigten in medizinischen Bereichen und Pflegeeinrichtungen. Es wurde deutlich, dass prekäre Beschäftigung viele Seiten hat, die angefangen von Hungerlöhnen und unsicheren Arbeitsverhältnissen bis hin zu unwürdigen Arbeitsbedingungen reichen. Umso wichtiger ist ein solcher Tag, um auf das Recht auf „Gute Arbeit“ aufmerksam zu machen.
Da unbefristete, tariflich abgesicherte und mitbestimmte Arbeitsverhältnisse in den letzten Jahren immer mehr zurückgedrängt wurden, gab es in der abschließenden Diskussion eine rege Unterhaltung über aktuelle Tendenzen, Perspektiven und mögliche Verbesserungsvorschläge.
Steffi Schmidt
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