Nr. 20/2014, Seite 7: „Ich gehe mit ziemlicher Freude in diese Arbeit“

Parlamentsreport

NACHGEFRAGT bei Christian Schaft, jüngster Abgeordneter im Thüringer Landtag

Wenige Tage bevor jetzt Christian Schaft – mit 23 Jahren der jüngste Abgeordnete im neuen Thüringer Landtag – seine Mandatserklärung unterzeichnete, hat er seine Masterarbeit abgeschlossen und abgegeben. Es war für ihn in diesen Sommerwochen eine anstrengende Gratwanderung zwischen der Arbeit am Schreibtisch und dem Wahlkampf  in Thüringen. Wir haben uns für den Parlamentsreport vor der Konstituierung der Fraktion DIE LINKE am 26. September erkundigt, wie es ihm nun geht.

 

Vieles ist nun neu für mich, erstmal muss ich mich orientieren und auch noch ein bisschen realisieren, dass ich jetzt dem Thüringer Landtag angehöre. Ich gehe mit ziemlicher Freude in diese Arbeit, kann ich doch sozusagen mein Hobby zu meinem Beruf machen.

 

Deine Studienrichtung und das Thema Deiner Masterarbeit passen ja bestens dazu…

 

Ja, das stimmt, ich habe an der Universität Erfurt Kommunikationsforschung mit dem Schwerpunkt Politik studiert. Thema meiner Masterarbeit war „Die politische Ohnmacht von sozialen Protestbewegungen im Neoliberalismus“.

 

Du hast Dich ja bereits vielfältig politisch engagiert, warst vier Jahre im Gemeinderat Deines Heimatortes Barchfeld-Immelborn, bist Mitglied im Kreisvorstand der LINKEN im Wartburgkreis, und mancher hier in Erfurt erinnert sich noch, wie Du bei den Studierenden-Protesten im Dezember vorm Finanzministerium vor 4.000 Leuten gesprochen hast. Also, von wegen Ohnmacht!?

 

Der Titel meiner Masterarbeit war natürlich bewusst etwas provozierend. Sicherlich haben Protestbewegung und außerparlamentarische Gruppierungen verschiedene Möglichkeiten, um auf politische und auch vor allem parlamentarische Prozesse Einfluss nehmen zu können. Das konnte ich ja selber auch erfahren. Ich war fast zwei Jahre Sprecher der KTS, der Konferenz Thüringer Studierendenschaften, dem  Zusammenschluss aller neun Thüringer Studierendenvertretungen. Dass sich jetzt Rot-Rot-Grün bei den Sondierungsverhandlungen u.a. auf einen Tarifvertrag für studentische Hilfskräfte an den Hochschulen verständigt hat, finde ich schon sehr begrüßenswert, dies war beispielsweise auch eine Forderung der KTS. Aber es muss an den Thüringer Hochschulen weitere Veränderungen geben. Die in diesem Jahr vom Landtag beschlossene Novelle des Thüringer Hochschulgesetzes reicht bei weitem nicht aus – denn es muss um mehr gehen als nur die Verwaltung des Status quo, auch was die Hochschulentwicklungsplanung betrifft.

 

Welche weiteren Themen sind Dir wichtig?

 

Ich bin ja auch seit längerem als Beisitzer im Vorstand des Thüringer Flüchtlingsrates aktiv – ein Themenbereich, der mir ebenfalls besonders wichtig ist. Mit einer Rot-Rot-Grünen Landesregierung in Thüringen könnten wir sicherlich auch endlich eine wirkliche „Willkommenskultur“ entwickeln -  mit dem dringend notwendigen Wandel hin zu einer humanitären Flüchtlingspolitik. Als VertreterInnen des Jugendverbandes der LINKEN, für den ich ebenso wie Kati Grund auf die Landesliste der LINKEN und in den Landtag gewählt wurde, wollen wir uns auch besonders um den Bereich der Jugend- und Ausbildungspolitik kümmern. Ein landesweites Auszubildendenticket wäre zum Beispiel mit Rot-Rot-Grün sicherlich durchsetzbar und auch so ein wichtiges Signal für eine Thüringer Fair-Änderung.

 

Wir wünschen Dir einen guten Start und viel Erfolg für Deine politische Arbeit. Für die Beantwortung der Fragen dankt Annette Rudolph.            

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