Nr. 19/2017, Seite 10: Die mündige Patientin

Parlamentsreport

Netzwerk Frauengesundheit zu „Selbstbestimmung und Patientinnenrechten“ 

Im Augustinerkloster Erfurt fand am 13. September der dritte Frauengesundheitstag statt, eine Veranstaltung des Netzwerkes Frauengesundheit unterstützt auch durch die Thüringer Linksfraktion. Das diesjährige Thema der Fachtagung war „Selbstbestimmung und Patientinnenrechte“.

Zu Beginn wurden interessante Impulsreferate gehalten mit den Themen: „Ist unser Gesundheitssystem bereit für die mündige Patientin?“, „Wege zur Selbstbestimmung im Umgang mit Brustkrebs“ und „Integrative Medizin trifft auf selbstbestimmte Patientin“. Dann folgten Workshops zu diesen oder anderen Themen, beispielsweise „Hebammenversorgung in Thüringen - haben Frauen noch die Wahlfreiheit?“. Durch Diskussionen und Brainstorming sollten sich die Teilnehmerinnen eine fundierte Meinung bilden können. Denn für die Veranstalterinnen ist es wichtig, dass man die eigene Haltung eloquent vertreten kann, um sie in die Gesellschaft einzubringen, da gerade Frauengesundheit lange keine Rolle gespielt hat und immer noch nicht ausreichend aufgearbeitet wurde.

Die Arbeit des Netzwerkes besteht darin, neben der Organisation solcher Veranstaltungen Kontakt zwischen Frauen herzustellen, die sich mit dem Thema Frauengesundheit gut auskennen und bzw. oder sich dafür einsetzen wollen, also die klassische Arbeit eines Netzwerkes. Zusätzlich befindet sich jedoch eine Anlaufstelle für Frauen in Planung, die Beratung brauchen. Die aktiven Netzwerkerinnen kommen aus den verschiedensten Berufsfeldern. Auch rot-rot-grüne Politikerinnen sind Unterstützerinnen, weshalb Vertreterinnen der Koalitionsparteien an der Fachtagung teilgenommen haben.

Für die Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag sprach Karola Stange ein Dankeschön an alle engagierten Organisatorinnen der Veranstaltung aus, denn PolitikerInnen benötigen Input, um Probleme angehen zu können, Fachkennnisse werden gebraucht, um geeignete Lösungen zu finden. Der Frauengesundheitstag ist genau deswegen wichtig, denn bis vor ein paar Jahren wurde sich mit der Frauengesundheit noch gar nicht oder nur mangelhaft auseinandergesetzt  - in der Politik, wie auch in der Gesellschaft. Birgit Pelke von der SPD-Fraktion schloss sich dem an.

Nach den Referaten sprach auch die Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, Heike Werner. Sie meinte, es gibt viele unterschiedliche Milieus von Familien. Gerade bei der Selbstbestimmung ist es jedoch wichtig, dass jede erreicht wird und auf seine individuellen Ansprüche und Wünsche eingegangen werden muss, aber dazu brauchen die Patientinnen Wahlmöglichkeiten, die unser Gesundheitssystem noch nicht im notwendigen Umfang zur Verfügung stellt.

Mit Veranstaltungen wie den Frauengesundheitstag wird nicht nur ein wichtiger Schritt hin zu einer besseren Gesundheitsversorgung gegangen, sondern auch in Richtung Gleichstellung, wie es sich Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vorgenommen hat: „Der Landesfrauenrat braucht eine verlässliche Strukturfinanzierung und die Frauenverbände politische Unterstützung und Empowerment. Wir werden gendersensible Politikfeldstrategien für die Bereiche Bildung und Gesundheitswesen (Frauengesundheitsnetzwerk) entwickeln und nach dem Vorbild anderer Bundesländer im Landeshaushalt ein Genderbudgeting einführen.“

 

Isabella-Marie Sander                                              

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