Nr. 19/2015, Seite 6: Bessere Vermittlung und Ausbildungsqualität - Aktuelle Stunde im Landtag auf Antrag der Linksfraktion zur Ausbildungssituation

Parlamentsreport

Auf Antrag der Fraktion DIE LINKE hatte sich der Landtag in einer Aktuellen Stunde am 9. September mit der aktuellen Ausbildungssituation in Thüringen befasst. Dazu ergriff in der Debatte Kati Engel, Abgeordnete der Linksfraktion, das Wort:

Dem jüngst veröffentlichten 10. Ausbildungsreport der DGB-Jugend liegen die persönlichen Erfahrungen von Auszubildenden zugrunde, die sonst in dieser Weise nicht zu Wort kommen. Befragt wurden bundesweit 18.627 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen. Der Report zeigt, dass bei allem Lob der dualen Berufsausbildung in einigen Berufen noch erhebliche Mängel bestehen. Seit einem Jahrzehnt macht die DGB-Jugend mit ihrem Ausbildungsreport auf diese Mängel aufmerksam und leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Ausbildungsqualität in Deutschland.

Manche haben immer noch keinen Ausbildungsplatz

Erfreulicherweise sind die meisten Auszubildenden mit der Qualität ihrer Ausbildung zufrieden, deutschlandweit 71,5 Prozent der Befragten. Allerdings zeichnen sich erhebliche Unterschiede in den verschiedenen Branchen ab: Die schlechtesten Bewertungen kamen erneut von den angehenden FachverkäuferInnen, aus dem Lebensmittelhandwerk und aus dem Hotel- und Gaststättengewerbe. Im Gegensatz zum deutschlandweiten Trend ist der Ausbildungsmarkt in Thüringen in einer sehr komfortablen Lage. Dennoch waren Ende August immer noch 1.944 junge Menschen ohne einen Ausbildungsvertrag und 3.860 Ausbildungsstellen in Thüringen unbesetzt. Wie kann es sein, dass bei solchen Bedingungen immer noch junge Menschen ohne Ausbildungsplatz bleiben?

Die Liste der unbesetzten Ausbildungsstellen hat große Ähnlichkeit mit der Liste der Ausbildungsberufe, die seit Jahren im Ausbildungsreport der DGB-Jugend schlecht abschneiden. Dazu zählt der Hotel- und Gaststättenbereich, der gerade für Thüringen einen unverzichtbaren Wirtschaftssektor darstellt. Unverändert sehen sich hier viele Auszubildende mit großen Belastungen konfrontiert. Überstunden, fachlich ungenügende Anleitung, unterdurchschnittliche Ausbildungsvergütung und das Gefühl, als billige Arbeitskraft ausgenutzt zu werden, bestimmen hier nach wie vor den Arbeitsalltag vieler Auszubildender.
Die Ausbildungszufriedenheit ist stark von der fachlichen Qualität geprägt, die bestimmt wird durch das Einhalten von Ausbildungsplänen sowie das Ausmaß, in dem ausbildungsfremde Tätigkeiten absolviert werden müssen. So verwundert es nicht, dass Ende August in Thüringen auf 171 unbesetzte Stellen in der Gastronomiebranche lediglich 20 BewerberInnen kamen. Denn junge Menschen meiden bewusst diese Ausbildungsberufe, bei denen sich die eklatant schlechten Bedingungen längst herumgesprochen haben. Der sogenannte Fachkräftemangel ist folglich in vielen Bereichen ein selbstverschuldetes Problem. Wollen sich Unternehmen aber im Wettbewerb behaupten, sind sie in allen Bereichen auf gut ausgebildete Fachkräfte angewiesen und diese benötigen auch eine qualitativ hochwertige Ausbildung. Häufig reicht schon das schlichte Einhalten bestehender Gesetze, um die Ausbildungszufriedenheit junger Menschen zu steigern. Ebenso ist die Verbesserung der Qualität auf betrieblicher Ebene entscheidend, doch dies gelingt nur durch ein Umdenken in den Unternehmen selbst. Letztendlich muss es auch wirksamere Kontrollen zur Überwachung der Ausbildungsqualität geben. Verstöße und die Nichteinhaltung gesetzlicher Regelungen und Verordnungen sind keine Kavaliersdelikte. Die Kammern müssen mit dafür Sorge tragen, dass die festgelegten Standards auch eingehalten werden.

Unabhängige Kontrollinstanzen könnten ein Ausweg sein

Doch gerade hier besteht ein zentrales Problem: Auf der einen Seite sind sie für die Kontrolle der Ausbildung zuständig – auf der anderen Seite sind sie ein arbeitgeberfinanzierter Interessenverband. Diese Doppelstruktur führt häufig dazu, dass sie der Kontrolle der Ausbildung nur unzureichend nachkommen. Unabhängige Kontrollinstanzen könnten da ein Ausweg sein. Denn Auszubildende brauchen eine Beschwerdestelle, der sie auch vertrauen. Es bedarf eines Beschwerdemanagements, das die Auszubildenden tatsächlich in ihren Problemen ernst nimmt, ihnen Schutz gewährt und leicht zugänglich ist. Hier sind die Politik und die Gewerkschaften gleichermaßen gefragt. Sowohl die Vermittlung als auch die Qualität der beruflichen Ausbildung müssen dringend verbessert werden, sonst verlassen noch mehr junge Menschen Thüringen ganz.

Die Landesregierung hat hier schon erste Zeichen gesetzt, indem sie z. B. durch eine neue Berufsschulnetzplanung die Qualität der Berufsschulen in Thüringen anhebt oder die Richtlinie für die Fahrtkostenrückerstattung für BerufsschülerInnen fairer gestaltet.

Die LINKE wird weiterhin alles tun, damit die Qualität der beruflichen Ausbildung in Thüringen flächendeckend auf ein hohes Niveau gebracht werden kann. Für diese Arbeit ist der jährliche Ausbildungsreport unerlässlich. Daher möchte ich mich an dieser Stelle bei den unzähligen TeamerInnen der DGB-Jugend für ihr Engagement bedanken, ebenso bei den vielen jungen Menschen, die sich in den Jugend- und Auszubildendenvertretungen, als BetriebsrätInnen, in den Vertrauenskörperschaften oder den gewerkschaftlichen Gremien engagieren. Denn sie sind es, die am Ende für eine gute Ausbildung stehen und sich einsetzen.                 

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