Nr. 19/2013, Seite 9: Gefahr für Lehre und Forschung - NACHGEFRAGT bei Susanne Hennig, Bildungspolitikerin

Parlamentsreport

Der Landtagsausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur hat sich jetzt mit den Beschäftigungsverhältnissen an den Thüringer Hochschulen im Jahr 2011 befasst. Die gleichnamige Große Anfrage der Fraktion DIE LINKE vom 25. Mai 2012 hatte die Landesregierung am 14. Dezember beantwortet. Nachdem der Landtag darüber in der Juli-Plenarsitzung beraten hatte, wurde die Anfrage in den Ausschuss für Bildung, Wissenschaft und Kultur überwiesen. Am 12. September fand in öffentlicher Sitzung eine Anhörung statt, zu der über 30 Institutionen und Verbände, darunter die Rektoren und Präsidenten, die Studierendenräte und Personalräte aller Thüringer Hochschulen eingeladen waren.

Gefahr für Lehre und Forschung - NACHGEFRAGT bei Susanne Hennig, Bildungspolitikerin

Die Antwort der Landesregierung auf unsere Große Anfrage hat den enormen Handlungsdruck an den Hochschulen deutlich gemacht. Die Landesregierung muss endlich wahrnehmen, dass sich der überwiegende Teil der Lehrenden an den Hochschulen in ungesicherten und sogar prekären Arbeitsverhältnissen befindet, dass wir es mit einer ausufernden Befristung und schlechten Bezahlung von wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräften zu tun haben, dass es höchste Zeit ist, hier eine Gegenstrategie zu entwickeln. Für uns als Linksfraktion ist der Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen an den Thüringer Hochschulen einer der Schwerpunkte in der Bildungspolitik.

Inwiefern wurde die Fraktion durch die Anhörung bestätigt?

Die Anzuhörenden haben deutlich gemacht, dass sich die ungesicherte Beschäftigungssituation, die 90 Prozent (!) der Hochschulbeschäftigten betrifft,  negativ auf die Qualität der Lehre auswirkt und dass sich die Zukunftsaussichten des akademischen Nachwuchses unter diesen Voraussetzungen immer weiter verschlechtern.

Welche Konsequenzen müssen hier gezogen werden, worauf dringt die LINKE?

Um dieser Misere endlich wirksam zu begegnen, muss die Landesregierung dafür sorgen – und das haben auch die Vertreter der Hochschulen deutlich angemahnt –, dass die Grundfinanzierung an den Hochschulen deutlich erhöht wird. Der Abschluss eines Tarifvertrages für die wissenschaftlichen und studentischen Hilfskräfte muss vorangetrieben werden, die Abhängigkeit der Beschäftigten bzw. der Hochschulen von zeitlich befristeten Drittmittelprojekten und Überbrückungsbeschäftigung muss beendet werden.

Dabei ist ja in letzter Zeit viel von der Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit der Hochschulen die Rede….

Aber die wird durch mehr Befristungen und prekäre Arbeitsverhältnisse nicht befördert, im Gegenteil: Dies gefährdet Lehre und Forschung. Schließlich ist die Attraktivität der Hochschulen auch von den Karrierechancen abhängig, die sie ihren Beschäftigten bietet. Sind solche Chancen nicht gegeben, wandern hochqualifizierte junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ab oder entscheiden sich erst gar nicht für den Hochschulstandort. Daraus ergeben sich gravierende Nachwuchsprobleme. Die Landesregierung muss hier endlich handeln.

Dabei sind auch wieder vor allem Frauen betroffen!?

Das ist so. Besonders sticht die schwierige Situation der Frauen heraus, in höhere akademische Positionen zu gelangen. Während unter Studierenden noch ein mehrheitlich ausgeglichenes Verhältnis zwischen Frauen und Männern existiert, dünnt es sich aus, je höher der akademische Grad ist und wird. Das wird spätestens deutlich am Anteil der Frauen in der Professorenschaft, der bei 16 Prozent liegt.

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