Nr. 19/2012, Seite 7: Das letzte Thüringer Fünf-Sparten-Theater

Parlamentsreport

Ostthüringer Theater-Protest vor dem Landtag in Erfurt: Kreativ, bunt und laut

Aus Gera, Altenburg und der gesamten Region Ostthüringen kamen sie am Nachmittag des 13. September zahlreich nach Erfurt, um fast 31. 000 Unterschriften für die Rettung ihres Fünf-Sparten-Theaters mit Schauspiel, Oper, Orchester, Puppentheater und Ballett den Abgeordneten des Thüringer Landtags zu übergeben.

Sie taten das kreativ, bunt und laut. „Kultur für alle!“, „Jede Sparte zählt!“, „Kultur schafft Werte“ skandierten die Mitglieder der Fördervereine des Theaters und des Philharmonischen Orchesters, des JugendTheARTerWelt e.V. und die Mitarbeiter von Theater & Philharmonie Thüringen sowie viele Theaterfreunde.

Dr. Birgit Klaubert, Vizepräsidentin des Landtags, betonte bei der Unterschriftenübergabe, dass der Erhalt des einzigen im Freistaat noch verbliebenen Fünf-Sparten-Theaters gelingen müsse, sonst würde die Kultur in Ostthüringen völlig verarmen. „dafür brauchen wir allerdings die politischen Mehrheiten“, so die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion an die Adresse der regierenden CDU-SPD-Koalition. Zahlreiche Abgeordnete der LINKEN, darunter der Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow, zeigten mit ihrer Teilnahme an der Protestaktion Unterstützung und Solidarität mit dem Kampf der Theater-Leute.

Frank Raspel vom Spartenrat des Theaters hatte darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter schon bisher jedes Jahr auf Lohnerhöhungen verzichteten, damit der Theaterbetrieb weitergehen konnte. Für das kommende Jahr fehlen etwa 2,6 Millionen Euro im Theater-Etat, die nicht durch die bestehende Finanzierungsvereinbarung zwischen Land und Theatergesellschaftern abgesichert sind.

Jetzt (nach Redaktionsschluss dieses Parlamentsreports) wird weiter über einen neuen Haustarif für die rund 300 Beschäftigten des Theaters verhandelt. Wenn es zu keinem Ergebnis kommt, „schwebt das Damoklesschwert der Entlassung“ über vielen, wie es auf der Demonstration betont wurde. Dann drohen die Schließung ganzer Sparten und massive Kürzungen beim Orchester. Die Gesellschafter – die Städte Gera und Altenburg sowie der Kreis Altenburger Land – tragen eine große Verantwortung.

Die 31.000 Unterschriften von (Kultur)-Bürgern für den Erhalt des Theaters, die sie auf 72 Seiten mit Kommentaren untermauert haben, machen das eindrucksvoll deutlich. Und auch, was einer der Theater-Leute vor dem Erfurter Landtag den Abgeordneten zurief: „Bedenken Sie auch, wir bringen mehr Vorstellungen als jedes andere Theater in Deutschland!“

A. Rudolph                            

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