Nr. 18/2016, Seite 6: „Viel über die Herstellung von Lebensmitteln gelernt“
Susanne Hennig-Wellsow hat im Praktikum in Bad Langensalza Bratwürste verpackt
Im August hat Susanne Hennig-Wellsow, Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, in einer Erfurter Kita eine Reihe von Praktika begonnen (der Parlamentsreport berichtete). Am 15. September war sie wieder als Praktikantin unterwegs – diesmal in einem Unternehmen der Ernährungswirtschaft, der FM Fleischmarkt GmbH Aschara in Bad Langensalza.
Den Auftakt bildet ein Gespräch mit Geschäftsführer Ronald Fernschild. Er freue sich sehr darüber, die Fraktionsvorsitzende hier begrüßen zu können, betont er. Einführend macht er darauf aufmerksam, dass es sich bei der Lebensmittelbranche um den zweitstärksten Wirtschaftsbereich in Thüringen handelt. Das Unternehmen hat derzeit 200 Beschäftigte, davon 65 am Standort Bad Langensalza. Es hält etwa 25.000 Schweine, pro Tag werden in Bad Langensalza 300 Schweinehälften zerlegt. Die Produkte verkauft das Unternehmen zu 20 Prozent in der Region, 80 Prozent bundesweit. Die Bratwurst macht immerhin 40 Prozent der Produkte aus. Bei der Leserumfrage der auflagenstärksten Regionalzeitung wurde sie zur „besten Bratwurst Thüringens“ gewählt, nicht zuletzt wegen der geheimen Gewürzmischung aus 26 Gewürzen. Man setze generell auf hohe Qualität, erläutert der Geschäftsführer.
Bevor der anschließende Firmenrundgang beginnen kann, muss Schutzkleidung angelegt werden, blauer Overall, Haarnetz, weiße Gummistiefel. Es gelten strenge Hygienevorschriften. Zuerst Hände waschen und desinfizieren, danach über eine Desinfektionsbrücke. Ronald Fernschild führt durch die kühlen Räume, erläutert die dort aufgestellten Maschinen und Verarbeitungsschritte, zeigt die verschiedenen Produkte.
Dann startet das eigentliche Praktikum. Zuerst zerlegt Susanne Hennig-Wellsow Schweinefleisch. Ein Knochenjob, der zudem sehr genaues Arbeiten erfordert. Das gelinge ihr gar nicht schlecht, schätzt ein erfahrener Mitarbeiter ein. Mit Kettenschürze und -handschuh, die an Teile einer Ritterrüstung erinnern, ist sie dabei vor dem scharfen Messer geschützt. Danach gilt es, eine Stunde lang rohe Bratwürste zu verpacken. Hier muss von den Beschäftigten ein zusätzlicher Mundschutz getragen werden. Beim Verpacken steht Susanne Hennig-Wellsow mit Florian an der Maschine. Er erklärt ihr den Ablauf. Jetzt geht es los: beide legen in schnellem Takt jeweils fünf Bratwürste in parallele Kunststoffschalen, die anschließend mit einer Folie verklebt werden. Isst man überhaupt selber noch Bratwürste, wenn man sie auf Arbeit verpackt? Florian denkt kurz nach: „Ja“, sagt er. Und schmunzelt: „Erst hatte ich hier immer Appetit auf Kuchen. Inzwischen esse ich aber wieder Bratwurst.“ Nun werden andere Würste verpackt, sie sind länger und dünner als die vorigen. Florian erklärt: sie sind komplett aus Kalbsfleisch.
Natürlich findet Susanne Hennig-Wellsow auch Gelegenheit für Gespräche mit Beschäftigten. Die kritisieren, dass „Lebensmittel als Wegwerfprodukte“ angesehen werden. Von der Politik fordern sie „mehr Ehrlichkeit“. Es geht bei den Gesprächen um den Mindestlohn, um den Betriebsrat, den die Firma nicht hat, um die Kosten der Krankenversicherung, um die körperlich harte Arbeit. Die geheime Würzmischung der prämierten Bratwürste bleibt aber geheim.
Sie habe heute viel über die Lebensmittelherstellung gelernt, schätzt Susanne Hennig-Wellsow ein. „Die Beschäftigten haben beim Lohn mehr verdient“, sagt sie – doch die Branche steht wirtschaftlich unter massivem Druck. „Die Jagd nach Billigfleisch in den Supermärkten hat negative Auswirkungen auch auf die Unternehmen, die auf hohe Qualität setzen“, so die Abgeordnete weiter. Das Unternehmen unterstütze seine Mitarbeiter über das Normale hinaus, beispielsweise in Gesundheitsfragen oder mit praktischer Hilfe bei persönlichen Schwierigkeiten. Das sei sicher nicht alltäglich und verdiene Anerkennung. Ihr Fazit: „Das war ein gelungenes Praktikum. Es hat mich darin bestärkt, dass unsere Gesellschaft das Gleichgewicht, das den Respekt vor den Lebewesen, die Interessen der Beschäftigten und unser Verbraucherverhalten beinhaltet, besser austarieren muss als bisher.“
Text und Fotos: Stefan Wogawa
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