Nr. 18/2015, Seite 6: Fotos vom Wohnwagen waren später gelöscht

Parlamentsreport

Zeugenbefragung im zweiten NSU-Untersuchungsausschuss im Thüringer Landtag

Am 27. August fand die zweite öffentliche Zeugenbefragung des zweiten NSU-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag statt. Themen war das brennende Wohnmobil und die aufgefunden Leichen der NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos am 4. November 2011 in Eisenach sowie der Einsatz von Polizei und Feuerwehr.  Auf der Homepage des Jugend- und Wahlkreisbüros Haskala der Landtagsabgeordneten Katharina König, Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss, werden regelmäßig die ausführlichen Protokolle der öffentlichen Sitzungen eingestellt: www.haskala.de. Daher auch die folgende Zusammenfassung der zweiten Zeugenbefragung.

Eine Blaulicht-Reporterin führte Fotoaufnahmen vor, die sie am Tatort kurz nach Eintreffen der ersten Feuerwehrleute angefertigt hatte. Die Zeugin erklärte, dass zwar mehrere Einsatzkräfte einen Blick in den Wohnwagen geworfen hatten, aber keiner einen Spurenschutzanzug trug und eine Tatortgruppe zunächst gar nicht am Wohnwagen war.

Der oberste Feuerwehrmann aus Eisenach forderte seine Feuerwehrleute zur Verschwiegenheit auf, um diese nach eigenen Angaben vor der Presse zu schützen. Kritik der Freiwilligen Feuerwehr, wonach diese einer Gefahr ausgesetzt war, weil die Polizei nicht über gefallene Schüsse informierte, hatte er nicht ernst genommen und vertraute dem Eisenacher Polizeichef, der halbherzig versicherte, dass man die Feuerwehr doch „nicht ans Messer liefern würde“, obwohl kurz vor dem Löschen noch geschossen wurde. Auch unternahm er keine Versuche, das von der Polizei beschlagnahmte Feuerwehreigentum, eine SD-Karte mit Fotos vom Wohnwagen, wiederzubekommen, später waren die Fotos gelöscht.

Ein Mitarbeiter einer Abschleppfirma berichtete, dass aus dem Wohnmobil am Tatort Sachen ausgeräumt wurden, der Chef des Abschleppunternehmens erklärte, dass er den NSU-Wohnwagen samt Leichen und Waffen im Inneren im 40-Grad-Winkel hochgezogen und drei bis fünf Kilometer durch Eisenach gefahren habe, ihn dann in seiner Halle parkte, wo er einen Monat rumstand, davon die meiste Zeit völlig unbewacht. Außerdem berichtete der Chef des Abschleppunternehmens, dass der sächsische Innenminister (oder ein Vertreter des sächsischen Innenministers) in seine Halle nach Eisenach gekommen sei, um sich den Wohnwagen anzuschauen.

Eine Gerichtsmedizinerin, die zufällig vor Ort war, konnte nur einen ganz kurzen Blick in den Wohnwagen werfen, aber nicht feststellen ob die beiden (Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos) tot waren. Ohne Leichenschau reiste sie zunächst wieder ab. Wann und ob überhaupt jemand korrekt den Tod von Mundlos und Böhnhardt im Wohnwagen am 4. November feststellte, konnte bisher noch nicht geklärt werden.

Zur nächsten Sitzung des NSU-Untersuchungsausschusses im Thüringer Landtag am 17. September sollen Rettungssanitäter und Kriminaltechniker befragt werden.

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