Nr. 18/2014, Seite 7: Energiewende mit den Bürgern gestalten
Fachtagung der Linksfraktion: Für eine stärkere Vernetzung der Akteure im Land
Die Linksfraktion sieht in der Energieproblematik eine essenzielle ökologische, wirtschaftliche, soziale und demokratische Frage. Langfristiges Ziel ist die dezentrale Energieerzeugung und -versorgung Thüringens durch einen Mix aus 100 Prozent regenerativen Energien.
Thüringen besitzt ideale Voraussetzungen, sich mit Wind- und Wasserkraft, Biomasse, Solartechnik, Holzreichtum und Geothermie zu einer Energieregion zu entwickeln und damit unabhängig von Energieimporten zu machen. Damit könnte das Land Vorreiter werden, ein Zentrum für Forschung, Entwicklung und Fertigung diesbezüglicher Produkte.
Hier schlummert ein erhebliches Arbeitsplatzpotenzial, das wir wecken wollen. Wir setzen dabei auf bereits vorhandene regionale und lokale Konzeptionen und wollen diese sinnvoll einbinden. Um die Energieoffensive zu befördern, plädieren wir für ein öffentliches Landesprogramm, das Energie-Projekte von Städten, Gemeinden, Unternehmen und regionalen Initiativen fördert. Wir wollen alle Energieverbraucher einbeziehen, ärmere private Haushalte entlasten, Strom- und Gassperren verbieten.
Energieversorgung gehört in „Bürgerhand“. Das haben bereits zahlreiche Kommunen in Thüringen erkannt und nehmen die Energieversorgung in ihrer Gemeinde selbst in die Hand. Es gibt mittlerweile über 35 Bürger-Energiegenossenschaften, Tendenz steigend. Noch schrecken der hohe Aufwand zur Gründung einer (Bürger-Energie-) Genossenschaft, der große Verwaltungsaufwand und nicht selten auch mangelnde Informationen über Chancen und Risiken davon ab, diesen entscheidenden Schritt hin zu einer echten Energiewende zu wagen.
Um Engagierte an „einen Tisch“ zu bringen, organisierte die Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag ein Fachgespräch, das am 28. August stattfand, Thema: „Mit Thüringer Bürgerinnen und Bürgern die Energiewende aktiv gestalten“. Die Fraktion hatte Vertreter von Bürger-Energiegenossenschaften sowie weitere energiepolitische Akteure Thüringens eingeladen, um in den Erfahrungsaustausch zu treten und eventuelle Hemmnisse, verschiedene Sichtweisen und vor allem Anforderungen an die Politik herauszuarbeiten. In der sehr sachbezogenen Diskussion wurde die Notwendigkeit bestätigt, dass die Energiewende „vor Ort“ nur durch gemeinschaftliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern mit den Kommunen, Städten und Gemeinden vorangetrieben werden kann. Um die umfangreichen Potenziale zur Erreichung dezentraler Erzeugungskapazitäten auf der Basis erneuerbarer Energien in Thüringen bestmöglich zu nutzen, bedarf es einer stärkeren Vernetzung, einer guten Zusammenarbeit und des ständigen Erfahrungsaustauschs aller energiepolitischen und energiewirtschaftlichen Akteure. Darüber waren sich alle Teilnehmer unseres Fachgesprächs einig. Sie betonten, dass wir auch weiterhin im engen Kontakt miteinander stehen sollten.
Dolores Hof
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