Nr. 18/2012, Seite 5: Neues Schuljahr, alte Probleme

Parlamentsreport

In Thüringen hat am 3. September für 235.061 Kinder und Jugendliche das neue Schuljahr begonnen. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Schüler konstant geblieben. Die Zeit der großen Rückgänge sei vorbei, sagte Bildungsminister Christoph Matschie. Auch für die kommenden Jahre rechnet er mit gleich bleibenden Zahlen bei den Schulanfängern.

Der Schulpolitiker der Linksfraktion, Dirk Möller, fasste die Ankündigungen des Ministers zusammen: „Neues Schuljahr, alte Probleme.“ Der Abgeordnete verwies auf den immer noch viel zu hohen Altersdurchschnitt der  Lehrer in Thüringen und die wiederum zu erwartenden Krankheitsausfälle, die offenbar nicht abgefedert werden könnten. Der Neueinstellung von 350 Lehrern stehe der Abgang von 320 Lehrern in den Ruhestand gegenüber. Es sei äußerst  fragwürdig, „ob die Schulen von diesem Plus, das sowieso nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein ist, spürbar etwas haben werden“. Zudem würden die Einstellungen in den Schuldienst meist viel zu spät vorgenommen, was die Planungssicherheit an den Schulen gefährde.  

Man könne „nur hoffen, dass die Eigenverantwortung der Schulen in Thüringen – ein bisher schon schleppender Prozess – durch das angekündigte Pilotvorhaben für eigenverantwortliche Personalentscheidungen wirklich vorangetrieben wird“, sagte Dirk Möller. Die Entwicklung der Gemeinschaftsschule im Freistaat vollziehe sich auch „eher bedächtig“, wenn der Minister jetzt zehn neue Gemeinschaftsschulen ankündige. „Ein Skandal ist es, dass die CDU das so notwendige Landesprogramm Schulsozialarbeit blockiert.“ Hier müsse der Minister noch mehr Druck entfalten.

Mit Blick auf die Berufsbildenden Schulen und den Rückgang ihrer Schülerzahlen, forderte die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, Susanne Hennig, die Einhaltung des Versprechens, dass Auszubildende bei weiteren Fahrtwegen finanziell unterstützt werden. Der Minister müsse eine Richtlinie zur Fahrtkostenerstattung vorlegen und sollte sich an Bayern ein Beispiel nehmen, wo die Kosten vom Land komplett übernommen werden.

Kochen statt Catering

„Kinder sollten wieder einen eigenen Bezug zu Lebensmitteln und zur Essenzubereitung bekommen, indem sie in ihrer Kita oder Schule kochen lernen und dort zubereitetes Essen genießen können“, schlug Margit Jung, familienpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, zu Beginn des neuen Kita- und Schuljahres vor. „Essen, das über den Catering-Service angeliefert wird, Fertigmenüs für die Mikrowelle und McDonalds erschweren einen positiven Bezug zu Nahrungsmitteln.“ Dies mache sich insbesondere an den Ernährungsgewohnheiten der Kinder und Jugendlichen fest. Schon im Jahr 2006 sei in der Studie EsKiMo des Robert-Koch-Instituts festgestellt worden, dass Kinder und Jugendliche zu wenige pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Obst, Brot und Kartoffeln essen und ihre Vorlieben eher bei Fast Food und Limonade liegen. „Derlei Präferenzen lassen sich nicht durch Belehrungen ändern, sondern nur durch Erfahrung“, stellt die Familienpolitikerin fest. „Wer selbst Tomaten geschnitten und Kräuter zerkleinert hat, lässt das Ketchup schon mal für eine eigene Tomatensoße stehen.“

 Ähnlich sei es mit dem Essen, das nicht angeliefert, sondern in Kita und Schule gekocht werde. Hier könnten die Kinder die Lebensmittel im Originalzustand sehen, riechen, wie Mittagessen zubereitet werde und dieses frisch anstatt aufgewärmt genießen. In Thüringen gebe es durchaus ein Bewusstsein für die Bedeutung gesunder Ernährung für Kinder und Jugendliche, was der Beitritt zur Plattform Ernährung und Bewegung zeige. „Jetzt gilt es, diesem Schritt einen weiteren folgen zu lassen und das Kochen wieder an Kitas und Schulen zurückzuholen.“

Die LINKE schlägt vor, mit den Einrichtungen zu beginnen, die noch über eigene Küchen verfügen. Hier muss zunächst die Finanzierung der Köchinnen und Köche geregelt werden. Danach müsse der Einbau neuer Küchen geplant werden. Auf Dauer werde es nicht teurer, vor Ort mit regionalen Lebensmitteln zu kochen, als das Geld in Cateringfirmen fließen zu lassen. „Und wenn dies zu gesünderer Ernährung und einem besseren Bezug zu Lebensmitteln führt, können wir gar nicht früh genug damit beginnen“, so die LINKE Familienpolitikerin abschließend.      

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