Nr. 17/2017, Seite 7: Ausstellung über das Kulturwunder der DDR
Margit Jung: Ende der 80er Jahre weltweit einmalige Dichte an Kulturhäusern
Landtagsvizepräsidentin Margit Jung (LINKE) hat am 23. August die Ausstellung „Das Kulturwunder im Osten Deutschlands“ im Zwischengang des Funktionsgebäudes im Landtag eröffnet. Die Ausstellung beleuchtet die auffallende Dichte an Kulturhäusern in der ehemaligen DDR.
Mit der Ausstellung über die Kulturhäuser in der DDR, die noch bis zum 17. September zu sehen ist, begleitet der Thüringer Landtag den Tag des offenen Denkmals am 10. September. Bereits in den Tagen zuvor können sich die Besucher ein Bild vom Phänomen „Kulturhäuser“ machen, das Ende der 80er Jahre mit 1.200 Klub- und Kulturhäusern für ein nahezu flächendeckendes kulturelles Angebot in der DDR sorgte.
Margit Jung betonte „die weltweit einmalige Dichte an Kulturhäusern in der DDR“. Zwar sei Verklärung fehl am Platz. „Aber wenn man die Geschichte der Kultur in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR betrachtet, kommt man um eines nicht herum, die kulturelle Entwicklung der Nachkriegszeit war ein beispielhaftes Erfolgsprojekt.“
Der LINKE-Politikerin war es auch deshalb eine besondere Freude, diese Wanderausstellung eröffnen zu können, weil sie als Diplom-Kulturwissenschaftlerin fast 20 Jahre ihres Lebens als Jugendklubleiterin und Kulturhausleiterin - sie begann bereits mit 19 Jahren in Werdau -, sowie als Abteilungsleiterin beim Rat des Bezirkes Gera und als jüngstes Kreistagsmitglied für den Kulturbund der DDR diesen Abschnitt der Entwicklung mitgestaltet hat. „Bereits 1945 haben sowjetische Funktionäre verstanden, mit dem Brot, auch die Kultur zu verteilen, mitten in der auch kulturellen Wüste, die der Nationalsozialismus hinterlassen hatte“, sagte Margit Jung. Kulturhäuser seien wie Pilze aus dem Boden geschossen, über 1.000 entstanden bereits in den ersten zehn Jahren nach dem Krieg. „Hier entwickelte sich die Volkskunst mit Chören, Tanzgruppen, Fotozirkeln, mit Film und Kultur. Die Häuser waren meistens bei fast freien Eintritt ausverkauft.“
Auch auf den Bitterfelder Weg kam die Politikerin zu sprechen. Damit sollten 1959 die Symbiose aus Arbeiterklasse und Hochkultur zementiert und die Trennung von Kunst und Leben, die Entfremdung von Künstlern und Volk überwunden werden. „Eine Idee übrigens“, so Margit Jung weiter, „die einige Jahre später, 1979, auch im Westen, etwa vom Frankfurter Kulturdezernenten Hilmar Hoffmann unter dem Slogan ‘Kultur für alle’, formuliert wurde“.
Die Ausstellung spannt den Bogen über die gesamte Republik, fünf Kulturhäuser aus fünf Bundesländern, stellvertretend für über 1.000. Darunter der Kulturpalast Maxhütte Unterwellenborn in Thüringen. „Die meisten sind heute Ruinen, Schandflecke statt Leuchttürme, die nur der Denkmalschutz vor dem Verfall bewahrt – und über die mache Träne der Kulturschaffenden von damals fließt“, sagte Margit Jung und hatte damit sicherlich die Gefühle manches Gastes getroffen, der sich damals kulturpolitisch engagierte. Die LINKE-Abgeordnete verwies auf einen „Nachwendefehler im Einigungsvertrag“, wo die Übernahme der Kulturstätten, die zumeist den volkseigenen Betrieben gehörten, nicht geregelt war. „Die klammen Gemeinden konnten sich den Kulturbetrieb einfach nicht leisten.“
2013 hat sich übrigens der Verein „Kulturpalast Unterwellenborn“ gegründet. Dank verschiedener Enthusiasten kann der Palast wieder vielfältig genutzt werden.
Die Ausstellung entstand bereits im Jahr 2014 und wurde eröffnet im US-amerikanischen Atlanta in Kooperation mit dem Goethe-Institut. Kuratoren waren Pierre Wilhelm, Peter Goedel und Helga Storck. Pierre Wilhelm, dessen Kulturhaus in Plessa in der Niederlausitz einem Supermarkt Platz machen sollte und das mit prominenter Unterstützung gerettet werden konnte, war zur Ausstellungseröffnung in den Thüringer Landtag gekommen und hatte einen Vortrag über seine Studie und seine Erfahrungen bei der Projektentwicklung des Kulturhauses Plessa gehalten.
Am Donnerstag, den 14. September, findet um 17.00 Uhr im Landtag eine Finissage statt mit dem Dokumentarfilm „An der Saale hellem Strande - Ein Kulturhaus erzählt“. Kurator Peter Goedel steht im Anschluss für ein Filmgespräch zur Verfügung. Er hat in seiner Kindheit und Jugend das Klubhaus „Freundschaft“ der BUNA-Werke aktiv miterlebt.
Annette Rudolph
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