Nr. 17/2013, Seite 6: Mehr Platz für Kultur - Dr. Birgit Klaubert auf ihrer dritten Kultur-TOUR
Auf ihrer nunmehr dritten KulturTOUR war Dr. Birgit Klaubert vom 19. bis 23. August unterwegs. Nach thematischen Rundreisen durch Süd-, West- und Mittelthüringen im vergangenen Jahr führte die Arbeitsreise dieses Mal in die Heimat der Altenburger Politikerin nach Ostthüringen.
Ziel einer jeden KulturTOUR ist es, Kulturakteure vor Ort kennen zu lernen und mit ihnen über ihre Arbeit ins Gespräch zu kommen, sowie eventuelle Problemstellungen im Anschluss auch parlamentarisch begleiten zu können. Die erste Station führte die Kulturpolitikerin in die Dahlienstadt Bad Köstritz. Trotz Museumsschließtages öffnete das engagierte Team um Leiterin Friederike Böcher (s. Foto unten) das „Heinrich-Schütz-Haus“, in dem das Leben und Wirken des berühmten Komponisten liebevoll und kreativ bis in den allerletzten Quadratzentimeter des Hauses aufbereitet wurde.
Schnell wurde klar, dass für die vielen Kooperationen mit Kultureinrichtungen aus ganz Mitteldeutschland und Veranstaltungen rund um die musische Bildung vor allem eines fehlt: Platz. Das Museum platzt förmlich aus allen Nähten und doch gelingt es Friederike Böcher immer wieder, auf sehr originelle Art und Weise Sonderausstellungen zu konzipieren und auch Raum für Gruppen, wie die „Flötenkinder“ und „Spielmannsleute“, zu schaffen, die das „Heinrich-Schütz-Haus“ als ihre musikalische Herberge benutzen können.
Anschließend ging es weiter nach Gera, wo Ute Reinhöfer, die Leiterin des Offenen Kanals Gera, die LINKE Landtagsabgeordnete herzlich empfing. Nach einer kurzen Einführung über die Arbeit des einzigen Bürgerfernsehens in Thüringen und der Besichtigung der Räumlichkeiten wurde auch über die Digitalisierung des Sendeangebots gesprochen. Die Umstellung zum digitalen Empfang gestaltet sich noch schwierig und Frau Reinhöfer äußerte die Hoffnung, dass in einer neuen Mediengesetzgebung eine Lösung verankert werden könne.
Den Dienstag verbrachte Birgit Klaubert gemeinsam mit ihrem Bundestagskollegen Frank Tempel in Greiz. Am Vormittag wurde die Bibliothek in Greiz besucht, die 2006 den Thüringer Bibliothekspreis erhalten hatte. Die Leiterin Corinna Gutmann nahm sich viel Zeit und führte ihre Gäste durch die verschiedenen Etagen der gut frequentierten Einrichtung. Im Gespräch ging es vorwiegend um den Zusammenhang von Bildung und Kultur für das Funktionieren eines demokratischen Gemeinwesens. Das Thema Rechtsextremismus und Gewalt wurden ebenso diskutiert wie die Veränderung des Leseverhaltens hin zur Verwendung von ebooks und anderen digitalen Angeboten.
Danach besichtigten Klaubert und Tempel gemeinsam mit dem Greizer Theaterherbst e.V. die Vogtlandhalle, die nicht nur das Büro des Vereins beherbergt, sondern auch eine der Proben- und Spielstätten für das alljährliche Festival „Greizer Theaterherbst“ ist. Die Vorbereitungen für das diesjährige Festival laufen auf Hochtouren, die einzelnen Werkstätten sind bereits in der Endprobenphase. Der nunmehr 22. Greizer Theaterherbst beginnt am 12. September.
Die Gemeinde Unterwellenborn war die nächste Station der Reise. Die Bürgermeisterin der 6000-Seelen-Gemeinde, Andrea Wende (Foto unten r.), nahm sich zusammen mit einigen Amtsleitern viel Zeit, um über das kulturelle Angebot ihrer Region zu sprechen. Da Unterwellenborn aufgrund der Einnahmen aus dem ansässigen Stahlwerk im Vergleich günstigere Ausgangsmöglichkeiten hat als viele andere Thüringer Kommunen, ist Frau Wende auch bestrebt, ihren Bürgerinnen und Bürgern ein vielfältiges kulturelles Angebot zu ermöglichen. Eines kann aber leider auch die Kommune nicht allein stemmen: die Wiederbelebung des Kulturpalastes. Das überdimensionale Gebäude, welches auch einen Theatersaal mit 900 Plätzen beherbergt, verfällt langsam. Zu groß sind die Kosten für die Instandsetzung. Aber die Gründung eines Fördervereins zur Rettung dieser einmaligen Einrichtung zeugt deutlich von einem beachtenswerten kulturellen Selbstverständnis der kleinen Gemeinde unweit von Saalfeld und Rudolstadt.
Am Donnerstag „fröbelte“ es den ganzen Tag. In Bad Blankenburg hatte Bürgermeister Frank Persicke (LINKE), der leider selbst nicht am Termin teilnehmen konnte, ein beachtliches Programm für seine Kollegin aus dem Landtag zusammengestellt. So besuchte Dr. Klaubert das Rathaus als Gründungsort des ersten Kindergartens, das Fröbelmuseum, Ort des ersten Fröbelschen Kindergartens, und auch den heutigen Fröbelkindergarten. Sie erfuhr viel Wissenswertes über die Ursprünge und die Philosophie Fröbels, zog Erkundigungen ein über den Stand der Bewerbung als immaterielles Weltkulturerbe und lernte die Fröbel-Dekade kennen, die in diesem Jahr in Bad Blankenburg begonnen hat und noch bis 2022 eine Reihe thematischer Jahre anbieten wird.
Die letzte Station der Ostthüringen-KulturTOUR führte nach Ranis, genauer gesagt auf die dortige Burg. Der Lese-Zeichen e.V. hat dort ein zweites Zuhause gefunden und die Burg, eine Liegenschaft der Thüringer Stiftung Schlösser und Gärten, als Kultur- und Literaturburg etabliert. In regelmäßigen Abständen finden interessante Veranstaltungen statt, die Aufmerksamkeit weit über die Kreis-Grenzen schaffen. Auch hat der Verein viele Ideen, um den Saale-Orla-Kreis in Sachen Kultur und Tourismus zukunftsfähig zu machen. So strebt den Engagierten um Anke Scheller und Andreas Berner eine Art „Kulturintendanz“ für die Region vor. Auch ist die Hoffnung groß, dass der Saale-Orla-Kreis Teil einer der beiden Modellregionen wird, die die Landesregierung unlängst für die Erstellung regionaler Kulturentwicklungskonzeptionen ausgeschrieben hat.
Die Nordthüringen-KulturTOUR und auch ein KulturTAG in Weimar gemeinsam mit den LINKE Landtagsabgeordneten Karola Stange und Dirk Möller sind bereits in Planung.
Nähere Informationen im ausführlichen Online-Tagebuch unter:
http://kulturtour.blogspot.com.
Katinka Mitteldorf
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