Nr. 17/2013, Seite 10: Um politische Bildung bemüht

Parlamentsreport

Mödlareuth - ein historischer Ort an der thüringisch-bayerischen Grenze

Seit dem 16. Jahrhundert war Mödlareuth ein Ort zwischen Bayern und Thüringen mit eher ruhiger Geschichte. Einschneidend allerdings erlebte man hier die Zeit der deutschen Zweistaatlichkeit, als nicht mehr nur der Tannbach, sondern zuerst ein Bretterzaun und dann eine Betonmauer nach Berliner Vorbild die beiden Ortshälften trennte.

Mödlareuth ist Ort einer geglückten Flucht mit der Leiter über die Mauer und Ort vieler Geschichten von Einwohnern, die sich mit der Grenze und dem Grenzregime verbinden.
Die LINKEN Landtagsabgeordneten Knut Korschewsky und Ralf Kalich informierten sich am 19. August über die Arbeit des deutsch-deutschen Museums Mödlareuth, das am authentischen Ort Hintergründe und Auswirkungen der machtpolitischen Teilung Deutschlands und Europas im Kalten Krieg beleuchtet.

Immer mal wieder ist das Museum Stätte wichtiger politischer Auftritte: zum 20. Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung sammelte sich hier die bayerische und thüringische Politprominenz, wobei der Ausbau Mödlareuths zu einem europäischen Lernort angekündigt wurde. 2012 weihte der bayerische Ministerpräsident in Anwesenheit des Geehrten einen Gedenkstein für Helmut Kohl ein. Jedes Jahr gibt es ein großes Deutschland-Treffen der CDU. Etwas abseits dieses politischen Rummels zeigt sich das Museum heute um politische Bildung fleißig bemüht, von Aufmerksamkeit aber nicht eben verwöhnt. Über seine Perspektive kann derzeit kaum jemand etwas sagen, Potentiale, wie die reichhaltigen Archivbestände, sind weitgehend ungenutzt. Viel, so schätzt ein pädagogischer Mitarbeiter ein, könnte man bei mehr Unterstützung von hier aus noch leisten.

Es fehlt eine Cafeteria für Schulgruppen, und auch ein weiterer Vortragsraum wäre gut. Lehrerfortbildungen finden nur selten statt. Thematisch könnte man sich um Blicke auf das Leben in der DDR erweitern. Doch für Erfurt ist Mödlareuth sehr weit weg, und auch der Freistaat Bayern hat seinen ehrgeizigen Ankündigungen keine Taten folgen lassen.

Knut Korschewsky und Ralf Kalich wollen nun etwas zur Bewegung beitragen. Denn eins ist klar: mit fortschreitender Entfernung von der Wiedervereinigung werden sowohl Fragen der nachwachsenden Generationen als auch das Interesse ausländischer Besucher an authentischen Orten zunehmen, an denen man etwas über die Zeit der deutschen Zweistaatlichkeit erfahren kann. Und es wäre verheerend, wenn hier die besonderen Eindrücke und Möglichkeiten, die Mödlareuth bietet, nicht zum Tragen kämen.

Dr. Steffen Kachel         

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