Nr. 16/2014, Seite 10: Rocker und rechte Szene

Parlamentsreport

In den letzten Jahren gab es bereits verschiedene Formen der Zusammenarbeit zwischen Rockern aus dem Umfeld der Hells Angels im sogenannten „Alten Labor“ in Unterwellenborn und Neonazis aus Saalfeld. Sie veranstalteten hier mehrfach Konzerte. Erst im Frühjahr 2013 fand eine gemeinsame Veranstaltung mit 130 Personen aus der rechten sowie der Rocker-Szene statt. Wie Katharina König bekannt wurde, haben sich in den letzten Monaten zwei neue Gruppierungen im Landkreis Saalfeld Rudolstadt herausgebildet, die zum Teil Verbindungen zur rechten Szene aufweisen.

„Nachdem es eine Weile nur vermeintlich ruhig war, braut sich erneut eine gefährliche Mischung zusammen. Es sind keine harmlosen Motorradcliquen, sondern zum Teil einschlägige Neonazis sowie Protagonisten aus dem Bereich der Organisierten Kriminalität“, so die Sprecherin der Linksfraktion für Antifaschismus und Landtagsabgeordnete in Saalfeld, die auf einen Motorradclub Namens „C6H6“ verweist, der sich aus mehreren jungen Neonazis zusammensetzt.

Mit einer Kleinen Anfrage hatte sie die Gruppe im 1. Halbjahr im Thüringer Landtag thematisiert. Das Innenministerium teilte jetzt mit, dass man noch keine Erkenntnisse habe, wonach die Gruppe der Rockerkriminalität oder der rechten Szene zuzuordnen sei, auch hätte man erst im 1. Halbjahr 2014 von ihr erfahren. 

Nach Informationen der Abgeordneten soll jedoch der Präsident der hierarchisch aufgebauten Gruppe der Neonaziszene und dem Umfeld der rechten Gruppe „Freies Netz Saalfeld“ angehören und vor einem Jahr als Ordner ein Neonazi-Konzert mit 150 Besuchern in Kahla abgesichert haben. Dabei trug er ein T-Shirt, auf dem er sich mit dem angeklagten mutmaßlichen NSU-Unterstützer Ralf Wohlleben solidarisierte. Katharina König liegen Bilder dazu vor, die Landesregierung selbst bestätigt den Vorgang in der Anfrage.

„Sicherheitsbehörden müssen Annäherung beider Milieus im Blick behalten“

Darüber hinaus gebe es Hinweise, wonach zwei der drei weiteren Gründungsmitglieder in einer Rechtsrock-Band namens „Nordfeuer“ aus dem Landkreis Saalfeld-Rudolstadt mitspielten und in sozialen Netzwerken und mit einschlägigen Tätowierungen sowie Textilien ebenso Verbindungen in die rechte Szene aufweisen.

Ein weiterer Angehöriger des Clubs hatte im Frühjahr indirekt als Administrator der Facebook-Gruppe „Nein zum Asylbewerberheim in Rudolstadt“ in den Raum gestellt, dass es perspektivisch auch zu gewalttätigen Aktionen gegen die neue Unterkunft kommen könnte (Wortlaut: „Wir sind friedlich gegen das Asylheim in Rudolstadt...NOCH!“). Inzwischen hat sich die „C6H6“-Gruppe mit einschlägigen Personen aus dem Bereich der „Hells Angels“ bzw. deren Supporter-Clubs getroffen. Jene Hells-Angels-Unterstützer haben am 19. Juli nach Angaben der offiziellen Webseite einen lokalen Ableger Namens „Blood Red Section PC Saalfeld“ gegründet. Entsprechende Vereins-Devotionalien sind in den Fenstern vom Bahnhof Könitz nahe Unterwellenborn zu sehen, dessen Räume offenbar als Treffpunkt genutzt wurden. Teile jener Rocker-Gruppe waren bereits unter dem Namen „Blood Red Section MC Hof“ und „Hells Angels MC Hof“ im „Alten Labor“ in Unterwellenborn ansässig.

Die Landesregierung bestätigte im Mai 2013, dass die dort wohnhaften Personen Bezüge zur rechten Szene und zur Organisierten Kriminalität aufweisen. Katharina König liegen Fotos vor, die ein Zusammentreffen zwischen den Jungnazi-Rockern aus Königsee und einem Repräsentanten des neuen Saalfelder Hells-Angels-Unterstützerclubs „Blood Red Section“ zeigen. Sie hoffe, „die Sicherheitsbehörden schärfen ihre Wahrnehmung und behalten die Annäherung beider Milieus im Blick, gerade eine zunehmende Verzahnung von Rockern und Neonazis könnte auch gravierende Folgen haben“. Die LINKE hat eine weitere parlamentarische Anfrage vorbereitet.

Dateien