Nr. 16/2013, Seite 8: Reinhardsbrunn – nicht irgendein Schloss

Parlamentsreport

Bedeutendster Schlossbau der Neugotik in Thüringen zerfällt - Anzeige erstattet

Schloss Reinhardsbrunn bei Friedrichroda, „der bedeutendste Schlossbau der Neugotik in Thüringen“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 20.6.2013), zerfällt. Jetzt hat Bodo Ramelow, Vorsitzender der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, Anzeige erstattet.

Er hat den Medien mitgeteilt, dass ihm Unterlagen vorliegen, die den Verdacht aufkommen lassen, die historische Schlossanlage werde als Pseudo-Immobilienwert oder „stille Reserve“ für dubiose Kauf- und Beleihungsaktionen zwischen verschiedenen Firmen benutzt. Der Verantwortliche für den Verfall sitzt laut Ramelow in Thüringen, auch wenn die beteiligten Firmen im mittelamerikanischen Belize oder in Russland ansässig seien, so der Abgeordnete. Bereits in den vergangenen Jahren haben sich Mitglieder der Linksfraktion mehrfach zum Thema Reinhardsbrunn an die Landesregierung gewandt.
Das Gelände um das heutige Schlossensemble kann auf eine fast 1000-jährige Nutzungsgeschichte zurückblicken. In der Region liegen die Wurzeln des später zu Landgrafen von Thüringen erhobenen Geschlechts der Ludowinger. Bis in die Mitte des 12. Jahrhunderts entwickelte sich das Kloster Reinhardsbrunn zum geistigen Zentrum der Landgrafschaft. 1525 im Bauernkrieg zerstört, dienten die Reste als Wirtschaftshof und später als ein Jagdschloss der sächsischen Fürsten. Erst mit dem Ableben der Gotha-Altenburgischen Herzogslinie und dem Erbfall an den Coburger Zweig 1825 änderte sich alles. Zwischen 1827 bis 1835 ließ man eines der ersten frühen neogotischen Schlösser in Thüringen errichten. Parallel dazu entstand auch der noch heute imposante, englischen Vorbildern nachempfundene Landschaftspark. Das Ensemble diente bis 1918 als Jagdschloss und Sommersitz. Nach der Enteignung 1945 kam es zu wechselnder Nutzung als Bildungseinrichtung und lange Zeit als Hotel bis zur Schließung 2001. Reinhardsbrunn gehört damit immer noch zu den herausragenden Denkmalbauten in der Geschichte Thüringens. Die Linksfraktion wird das Thema mit großer Intensität weiter bearbeiten.

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