Nr. 16/2012, Seite 10: „Das fällt zum Teil in die Verharmlosungsstratgie“
MdL Frank Kuschel zum Umgang mit einem NSDAP-Maler in Ilmenau
„Bilder mit Braunschleier“ hat eine regionale Tageszeitung kürzlich mit Bezug auf Ilmenau getitelt. Worum geht es?
Es geht um einen ortsansässigen Künstler aus den 1930er und 40er Jahren, der zeitgleich für die NSDAP damals in der Stadtverordnetenversammlung saß, und eines seiner Bilder hängt seit einigen Jahren im Saal des Rathauses.
Sie hatten sich in dieser Sache schon im Jahr 2006 mit einer parlamentarischen Anfrage an die damalige CDU-Landesregierung gewandt? Mit welchem Ergebnis?
2006 sind Bürgerinnen und Bürger auf mich zugekommen und haben mich auf die Bilder, die dort im öffentlichen Raum gezeigt werden in Ilmenau, hingewiesen. Insofern habe ich mich an die Landesregierung gewandt. Wir sind nicht für Bilderstürmerei, diese Bilder gehören zur Regionalgeschichte von Ilmenau, aber die Bürger als auch ich haben da Bedenken, ob diese Bilder unbedingt im Ratssaal gezeigt werden müssen. Die Landesregierung hat die Zuständigkeit dem Stadtrat und dem dortigen Oberbürgermeister Herrn Seeber von der CDU zugeordnet. Das ist richtig so. Bedauerlicherweise hat es kein Umdenken im Ergebnis der parlamentarischen Befassung gegeben.
Von der örtlichen CDU ist Ihnen damals sogar Populismus vorgeworfen worden. Warum tut sich die CDU mit der Aufarbeitung der Nazivergangenheit so schwer?
Da kann ich nur spekulieren, ich bin ja nicht die Ilmenauer CDU. Man muss wissen, zu DDR-Zeiten hing dieses Gemälde, das jetzt im Stadtratssaal hängt, im Speisesaal des VEB Ilm-Kristall. Also auch die DDR hat diese Kunst nicht versteckt, aber hat sie an einem Ort gezeigt, wo es auch einen Bezug zu den Motiven gab. Dort wird ja eine Szene aus der Glasindustrie dargestellt. Warum die CDU nun unbedingt diesen Künstler an diesem Ort, würdigt, zeugt offenbar davon, dass die Dimension, die das hat, und die auch zum Teil in die Verharmlosungsstrategie des Nationalsozialismus fällt, offenbar nicht erkannt wurde oder nicht so erkannt werden soll. Im Übrigen, die gleiche CDU hat mit Vehemenz sich dafür eingesetzt, dass Kunst aus DDR-Zeiten im Wesentlichen aus den öffentlichen Räumen verbannt wurde.
Der Maler Alfred Wegwerth, um den es geht, war NSDAP-Stadtrat in Ilmenau. Was ist konkret über seine dortige Arbeit bekannt, ist bereits etwas bekannt?
Es ist bekannt, ist im Stadtarchiv auch dokumentiert, er war jetzt keine sogenannte Führungspersönlichkeit, aber klar, als Stadtrat für die NSDAP hat er politische Verantwortung, zumindest im regionalen Raum, getragen, also auf kommunaler Ebene. Ich kann es noch einmal betonen, wir als LINKE, da bin ich mir mit dem Stadtverband in Ilmenau einig, wollen nicht, dass seine Kunst in irgendeiner Art und Weise aus dem öffentlichen Raum verbannt wird, aber wir haben Bedenken, dass seine Kunst nun ausgerechnet im Ratssaal des Rathauses gezeigt wird.
Was muss aus Ihrer Sicht jetzt sofort passieren?
Da nun das Bild schon seit längerem dort hängt, haben wir gesagt, es wäre auch nicht gerade hilfreich, es jetzt vom Ort zu entfernen, sondern wir wollen, dass die Kunstwerke des Herrn Wegwerth durch Erläuterungstafeln für den Betrachter auch in diese historische Dimension der Zeit des Nationalsozialismus gerückt werden.
Das Gespräch führte Stefan Wogawa
Dateien
- PR16 s10
PDF-Datei (125 KB)
