Nr. 15/2013, Seite 8: Stromnetz-Ausbau völlig überdimensioniert
Neue Studie von Prof. Dr. Lorenz Jarass warnt: Akzeptanz der Energiewende wird bedroht
Einen Tag vor dem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts in Leipzig, das die Klage gegen die 380kV-Hochspannungstrasse quer durch den Thüringer Wald abgelehnt hatte, wurde am 17. Juli im Landtag in Erfurt bei der Linksfraktion ein brisantes wissenschaftliches Gutachten vorgestellt.
Der Vorsitzende der Linksfraktion, Bodo Ramelow und die Landrätin des Ilm-Kreises, Petra Enders (LINKE), hatten im Rahmen eines Pressegesprächs gemeinsam mit Prof. Dr. Lorenz Jarass und dem Rechtsanwalt Dr. Hans Neumeier das neue wissenschaftliche Gutachten über die 380kV-Trasse erläutert.
Das Gutachten kommt zu dem Fazit, dass der vorgesehene Netzausbau ganz überwiegend nur für die gesicherte Einspeisung von Kohlekraftwerken erforderlich ist. Die geplante 380kV-Stromautobahn ist nicht für die Übertragung von ostdeutschem Windstrom nach Süddeutschland notwendig, sondern vor allem von Braunkohlestrom zeitgleich zu Starkwindeinspeisung. Der geplante völlig überdimensionierte Netzausbau bedroht die Akzeptanz des weiteren Ausbaus der erneuerbaren Energien und damit schließlich auch die Akzeptanz der Energiewende insgesamt.
Auch im Widerspruch zum gesunden Menschenverstand
Im Fazit seiner Studie, schreibt Prof.Dr. Jarass außerdem: „Der geforderte Netzausbau steht im Widerspruch nicht nur zum gesetzlichen Gebot der wirtschaftlichen Zumutbarkeit des Netzausbaus, sondern auch zum gesunden Menschenverstand:
Zu gesicherten Einspeisung auch noch der höchsten der sehr seltenen und sehr kurzen simultanen Spitzen der Erzeugung Erneuerbarer Energien müssten nämlich für die hierfür erforderliche Erhöhung der Übertragungsleistung Hunderte Millionen Euro investiert werden, um einen Mehrertrag an Eneuerbaren Energien im Wert von nur einigen Hunderttausend Euro zu erzielen.“
Und das alles allein auf Kosten der Stromkunden
Und weiter heißt es in dem Gutachten: „Im Gegensatz zu den energiepolitischen Zielen soll das Stromnetz für eine unbeschränkte Einspeisung fossil erzeugten Stroms auch bei Starkwindeinspeisung ausgebaut werden, und zudem für den internationalen Stromhandel, und das alles allein auf Kosten der deutschen Stromkunden.
Heute gegebene technische Alternativen werden unzureichend berücksichtigt, insbesondere Maßnahmen zur Erhöhung der stationären Grenzleistung, zur Verbesserung der Netzstabilität und zur Blindstromerzeugung. Kostengünstige Maßnahmen zur Verbesserung der Netzstabilität werden nur ungenügend berücksichtigt“, so Prof. Jarras abschließend in seinem wissenschaftlichen Gutachten vom 28. Juni 2013.
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