Nr. 15/2012, Seite 5: Gute Bildung braucht gute Bedingungen
Die Sommerferien haben begonnen, die Diskussion um die Bildungspolitik geht weiter
In Thüringen begannen am 23. Juli die Sommerferien für insgesamt 235.200 Schüler – vor zehn Jahren waren es noch 100.000 mehr – und 26.600 Pädagogen. 5.128 Jugendliche bestanden nach Angaben des Bildungsministeriums das Abitur, das sind fast 98 Prozent.
Auch in den letzten Plenarsitzungen vor der Sommerpause war die Bildungspolitik mehrfach Thema. Als es beispielsweise um die neue Schulordnung ging, betonte in seiner ersten Rede im Landtag der in der Linksfraktion neu hinzugekommene Landtagsabgeordnete und Sprecher für Schulpolitik, Dirk Möller, dass sich die LINKE dafür stark gemacht hat, „komplett aufs Sitzenbleiben zu verzichten“. Statt solcher „teuren und pädagogisch sinnlosen Maßnahmen“ sei es vielmehr wichtig, auf individuelle Förderung zu setzen und daür auch genügend Pädagogen zur Verfügung zu stellen.
Bereits nachdem der Vorsitzende der GEW Thüringen, Thorsten Wolf, kürzlich die Onlinebefragung „Arbeitsbedingungen und Personalsituation an Thüringer Schulen“ in der Landtagsfraktion der LINKEN vorgestellt hatte, sagte Susanne Hennig, bildungspolitische Sprecherin: „Lehrerinnen und Lehrer sind der Garant für eine gute Bildung. Allerdings finden sie in Thüringen keine guten Arbeitsbedingungen vor.“ Die Ergebnisse der GEW-Onlinebefragung seien „besorgniserregend und bestätigen den Handlungsdruck der Landesregierung“. So fehle es in Thüringen an Unterstützung für Lehrkräfte. „Neue pädagogische Anforderungen, Zusatzaufgaben und zu kurze Pausen erhöhen die Arbeitsbelastung, mit der die Lehrerinnen und Lehrer oft allein gelassen werden. Ein Zwei-Pädagogen-System in Thüringer Klassenzimmern ist momentan meist Wunschvorstellung. Auch Unterstützungen aus anderen Professionen sind eher die Ausnahme, viele Schulen brauchen nach eigenen Aussagen dringend Schulsozialarbeiter.“
Es seien vor allem auch die „kleinen Dinge“ im Lehreralltag, die besonders psychische Belastungen verursachten. „Allein der Fakt, dass Lehrer Klassenfahrten aus der eigenen Tasche bezahlen müssen, ist nicht mehr hinnehmbar“, hält Hennig fest und fordert ein gemeinsames Handeln auf unterschiedlichen Ebenen, damit in Thüringen „gute Bildung gute Bedingungen bekommt“. Dabei gehe es vor allem um Fragen, die „das Land und die Schulträger betreffen: Die Ausstattung von Schule, Neueinstellung von Lehrkräften und Schaffung von Referendarstellen, aber dringend notwendig sind auch mehr Schulsozialarbeiter“, betont die Abgeordnete.
„Es herrscht großer Frust im System, da werden die angekündigten Verbeamtungen auch nicht viel nützen, selbst wenn sie reizvoll erscheinen im Wettbewerb der Bundesländer. Dem Unmut kann natürlich mit Geld allein auch nicht begegnet werden. Jedoch sind Schulentwicklung und die Umsetzung guter Konzepte unter den jetzigen Gegebenheiten nur schwer machbar. Fest steht aber: Wir müssen uns Bildung leisten können!“, so Susanne Hennig abschließend.
Schüler-Forderungen nicht übergehen
„Der Landesschülertag am 13. Juli hat erneut deutlich gemacht, wie viele Problem-Baustellen es im Bereich der Schulpolitik gibt“, hatte Dirk Möller erklärt. Die Landesschülervertretung hatte in die Räume des Ministeriums eingeladen. Im Vorfeld gab es eine Podiumsdiskussion und Diskussionen in Kleingruppen mit Vertretern des Thüringer Landtages und des Thüringer Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur.
„Dass der Minister aus Krankheitsgründen nicht teilnehmen konnte, ist schade. Dass allerdings keine Abgeordneten der Regierungskoalition der Einladung gefolgt sind, finde ich äußerst enttäuschend“, meint der LINKE-Politiker. „Angefangen von Positionen zum CAS-Rechner und zur Lernmittelfreiheit, über den Lehrermangel und dem damit verbundenem Unterrichtsausfall bis hin zu den fehlenden Schulsozialarbeitern wurden viele ungelöste Probleme angesprochen. Das zeigt doch nur zu deutlich, dass die Schüler die Probleme vor Ort genau kennen. Ihre Forderungen dürfen nicht überhört werden“, betonte Dirk Möller.
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