Nr. 14/2012, Seite 7: Genossenschaften sind das Zukunftsmodell

Parlamentsreport

Forum der LINKEN würdigte Genossenschaften, denen mehr Aufmerksamkeit gebühre

Am 7. Juli, dem Internationalen Tag der Genossenschaften, deren Bedeutung von der UNO durch die Ausrufung des diesjährigen Internationalen Jahrs der Genossenschaften gewürdigt wird, hatte die LINKE-Fraktion auf einem Forum im Erfurter Landtag über die Genossenschaften als wichtiges Zukunftsmodell solidarischer Ökonomie diskutiert.

Mit etwa 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, unter ihnen Engagierte aus landwirtschaftlichen und insbesondere auch Energiegenossenschaften, wurden Erfahrungen ausgetauscht und vor allem Impulse für die weitere Entwicklung des Genossenschaftsgedankens gesetzt.

Leider war der angekündigte Bremer Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Rudolf Hickel schwer erkrankt. Auf dessen neues Buch „Zerschlagt die Banken: Zivilisiert die Finanzmärkte“ ging auch Bodo Ramelow ein, der zu Beginn des Forums die grundsätzlichen Einführungen übernommen hatte. Der Fraktionsvorsitzende der LINKEN betonte vor dem Hintergrund der ungezügelten globalen Finanzspekulationen die Notwendigkeit eines „regionalen, dezentralen und regenerativen Umsteuerns“ mit Blick vor allem auch auf den Umbau der Energiewirtschaft.

Viernauer Bürger gründeten eine Energiegenossenschaft

Hier könnten Bürgergenossenschaften im Zusammenwirken mit den Stadtwerken in Thüringen hinsichtlich der regionalen Stromversorgung und -produktion künftig eine wichtige Rolle spielen. Nicht zuletzt sind „Genossenschaften ein entscheidendes Element zur Demokratisierung gesellschaftlicher Prozesse“, sagte Bodo Ramelow.

Um ein Mindestmaß an Grundversorgung im ländlichen Raum auch perspektivisch zu gewährleisten, seien beispielsweise von Genossenschaften getragene Bürgerläden eine Alternative, hatte der langjährige Präsident des Mitteldeutschen Genossenschaftsverbandes, Dietmar Berger, hervorgehoben. Die Fördermöglichkeiten durch die Länder müssten verbessert werden, wobei Thüringen hierzu bereits gute Signale gebe, so auch hinsichtlich der Unterstützung von Gruppengründungen durch ehemalige Schlecker-Beschäftigte. Die LINKE Landtagsabgeordnete Ina Leukefeld verwies auf den Antrag ihrer Fraktion für die nächste Landtagssitzung zur Anschubfinanzierung für ein Dorfladenprogramm in Thüringen. Nach ihren Angaben gibt es derzeit im Freistaat etwa 400 Genossenschaften mit rund 34.000 Mitgliedern, dabei seien Energiegenossenschaften – bisher 13 in Thüringen – stark im Kommen.

Die Landtagsfraktion hat sogar mit Manfred Hellmann, ihrem energiepolitischen Sprecher und ehrenamtlichen Bürgermeister von Viernau, seit neuestem ein Energiegenossenschaftsmitglied in ihren eigenen Reihen. Die Gemeinde im Landkreis Schmakalden-Meiningen, die bereits den Ehrentitel Solar-Kommune trägt,  gründete im März unter maßgeblichem Einsatz ihres Bürgermeisters sowie mit Unterstützung der Volksbank-Raiffeisenbank eine Energiegenossenschaft. Einen weiteren Erfahrungsbericht gab es von Christian Prechtl, Vorstandsmitglied der Ersten Erfurter Energiegenossenschaft, die ebenfalls unter Nutzung der Photovoltaik Solaranlagen in der Landershauptstadft bewirtschaftet. Wie Energiegenossenschaften zu Klimaschutz, nachhaltigen Arbeitsplätzen und Regionalentwicklung beitragen, dazu sprach Dr. Burghard Flieger, INNOVA e.G. Seit 30 Jahren bereits ist er beratend, lehrend und publizierend im Genossenschaftssektor tätig. Er kündigte eine Weiterbildungsveranstaltung für Projektentwickler für Energiegenossenschaften ab September in Thüringen an.

Gründerinnen und Gründer der Genossenschaft TLG FAIRWOHNEN – unter ihnen die LINKE Bundestagsabgeordnete Barbara Höll, aber auch Thüringer Landtagsabgeordnete, wie Bodo Ramelow und Heidrun Sedlacik, – berichteten, wie sie damit dem drohenden Verkauf von TLG-Wohnungen an große Privatinvestoren begegnen wollen.                   

A. Rudolph

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