Nr. 13/2014, Seite 7: Pflichtaufgabe Kultur - wäre Fluch oder Segen?
Kulturkonferenz mit klaren Anforderungen an ein Thüringer Kulturfördergesetz
Kulturschaffende, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Politikerinnen und Politiker aus ganz Deutschland hatten sich am 19. und 20. Juni auf Einladung der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag in Apfelstädt im Landkreis Gotha zur Konferenz „KULTUR [mit Plan] FÖRDERN“ versammelt.
Die gemeinsame Veranstaltung mit dem Kommunalpolitischen Forum Thüringen e.V. hatte sich zur Aufgabe gesetzt, klare Anforderungen an ein Thüringer Kulturfördergesetz zu erarbeiten. Seit Jahren fordert die Landtagsfraktion unter Federführung der kulturpolitischen Sprecherin Dr. Birgit Klaubert ein solches Gesetz, welches Kultur aus dem Joch der Freiwilligkeit hebt und zur Pflichtaufgabe macht. Laut Birgit Klaubert sei dies auch ein erster Schritt, die mitunter prekär entlohnten Kulturschaffenden endlich aus einem Rechtfertigungszwang zu befreien und ihnen mehr Freiraum und Planungssicherheit für den kreativen Prozess zu ermöglichen.
Um soziale und kulturelle Teilhabe ging es vor allem am ersten Tag der Zusammenkunft, an dem es neben Einschätzungen aus den Bundesländern Sachsen-Anhalt und Brandenburg auch um die Idee der Kulturloge e.V. ging. Die Begründerin und 1. Vorsitzende des Bundesverbandes Hilde Rektorscheck war extra aus Marburg angereist, um den interessierten Gästen ihre Idee zu erläutern. Die Kulturloge hat es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen als Kulturgäste einzuladen und ihnen kostenfreie Karten für Theater, Museen, Konzerte und auch für Kinovorstellungen zu vermitteln, ohne dass sie aufgrund ihrer wirtschaftlichen Situation stigmatisiert werden. Dieses Teilhabemodell hat mittlerweile auch in Thüringen Einzug gehalten.
Doch dass es solcher Initiativen überhaupt bedarf, ist auch Zeugnis der verqueren Situation der bundesdeutschen Kulturlandschaft, wo der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und Publikumsbedürfnissen gelingen muss. In Thüringen gibt es viel kulturelles Erbe und immense kreative Impulse, die alle ihre Berechtigung haben und für den „Kitt“ in unserer Gesellschaft sorgen.
Dieser Meinung war auch der Hauptreferent des zweiten Konferenztages, Prof. Max Welch Guerra von der Bauhaus-Universität Weimar, der sich als Raumplaner mit dem Begriff der Kulturlandschaft auseinandersetzte und unter anderem resümierte: „Wer die Kulturlandschaft Thüringens nicht vom ländlichen Raum her denkt, macht etwas grundlegend falsch, denn die Stärke des Landes ist das gesamte Land und nicht nur die Städte.“
Im Anschluss an eine angeregte Diskussion begaben sich die über 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer für über zwei Stunden in eine intensive Workshop-Phase. Das Kommunalpolitische Forum Thüringen e.V. diskutierte die Frage, ob eine Pflichtaufgabe Kultur eher Fluch oder Segen für die Kommunen wäre. Der Rudolstädter Theaterintendant Steffen Mensching diskutierte gemeinsam mit Dr. Birgit Klaubert die Frage nach Konkurrenz oder Synergien zwischen öffentlich geförderten Kultureinrichtungen und der freien Szene Thüringens und Hendrik Neukirchner von Provinzkultur e.V. aus Suhl beriet gemeinsam mit der Kulturwissenschaftlerin Katja Mitteldorf die Frage nach der besonderen Situation des ländlichen Raumes.
Am Ende entstand ein beachtlicher Anforderungskatalog, der die Grundlage eines Gesetzentwurfes werden kann. Die genauen Eckdaten will die Fraktion in einer Pressekonferenz Ende Juli vorstellen.
Katja Mitteldorf
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