Nr. 13/2013, Seite 3: Wie und wo wir wohnen wollen - Weimarer Open-Space-Konferenz zur Wohnungspolitik
Auf reges Interesse von Vertretern von Mietervereinen, alternativen Wohnprojekten, Wohnungsunternehmen, Sozialverbänden sowie Landes- und Kommunalpolitikern ist die Wohnungskonferenz der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag und des Kommunalpolitischen Forums Thüringen e.V im Weimarer Jugend- und Kulturzentrum „mon ami“ am 22. Juni gestoßen.
Wohnen muss bezahlbar bleiben. Das betrifft vor allem die städtischen Zentren. Aber auch die ländlichen Regionen mit ihren wieder ganz anderen (vor allem Leerstands-)Problemen dürfen nicht vergessen werden.
Diese beiden grundlegenden Probleme durchzogen eigentlich alle Diskussionsrunden. „Wenngleich das Themenspektrum unserer nunmehr schon 6. Wohnungspolitischen Jahrestagung, diesmal unter der Fragestellung ’Wohnen - Grundrecht oder Ware?’, breit gefächert war und von der Stadtentwicklung bis zu den Kosten der energetischen Gebäudesanierung reichte, wurde immer wieder angesprochen, dass endlich wirklich wirksame soziale Wohnungsbauprogramme aufgelegt werden müssen“, betonte die Vorsitzende des Kommunalpolitischen Forums und wohnungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Heidrun Sedlacik, eine wichtige Forderung aus der Konferenz. Dass besonders in den sogenannten Thüringer Impulsregionen, zu denen zwischen Erfurt und Jena auch Weimar gehört, „ein eklatanter Bedarf an preiswertem Wohnraum“ besteht, wurde mehrfach angesprochen und an Beispielen verdeutlicht. Auch in Thüringen greift der Neubau von hochpreisigem Wohnraum immer mehr um sich. Daher war man sich einig, dass die verantwortliche Bundes- und Landespolitik endlich wach werden muss, dass wirksame Programme und entwicklungspolitische Initiativen dringend gebraucht werden, damit menschenwürdiges Wohnungen in einem lebenswertem Wohnumfeld in den Ballungszentren ebenso wie in den ländlichen Regionen Thüringens möglich ist. Stichworte aus den ausführlichen thematischen Diskussionen dazu: Soziale Durchmischung in den Wohngebieten; gute Erreichbarkeit von Versorgungseinrichtungen; barrierefreie Wohnungen; Gemeinschaftseinrichtungen vor allem auch in Plattenbaugebieten erhalten.
Als sehr spannend erwies sich die besondere Form der Tagung als Open-Space-Konferenz. In Zusammenarbeit mit der TrainerInnen-Kooperative „Bildung in Bewegung“ (www.bildung-in-bewegung.coop) konnten neue methodische Wege ohne die übliche Referentenabfolge ausprobiert werden. So gelang im Sinne des offenen Raumes eine breite Beteiligung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, kam man „anders als sonst“ miteinander ins Gespräch. Das hat (beabsichtigte) nachhaltige Folgen: Neue Netzwerke bilden sich und Verabredungen über mögliche weitere Schritte werden getroffen. Schließlich, die Zeit ist überreif, damit auch über bürgerdemokratisches Engagement soziale Wohnungspolitik wieder stärker in den Mittelpunkt der öffentlichen und politischen Aufmerksamkeit gerückt wird. Denn auch wenn es nicht im Grundgesetz steht: Wohnen muss ein Grundrecht sein.
A. Rudolph
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