Nr. 12/2016, Seite 8: Mahnung und Gedenken an Rosa-Winkel-Häftlinge

Parlamentsreport

Um der Rosa-Winkel-Häftlinge zu gedenken hatten sich am 19. Juni eine ganze Reihe von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik und Gesellschaft in der KZ-Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald versammelt, unter ihnen der geschäftsführende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh, der Vorstand der AIDS-Hilfe Weimar und Ostthüringen, Michael Richter, und die Landesgleichstellungsbeauftragte, Katrin Christ-Eisenwinder. Für die LINKE-Landtagsfraktion haben MdL Karola Stange, MdL Dr. Gudrun Lukin und Geschäftsführer Dirk Möller am Gedenkstein für die Rosa-Winkel-Häftlinge einen Kranz mit der Aufschrift „Die Opfer mahnen uns!“ niedergelegt.

Der Rosa Winkel steht für die homosexuellen Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft, eine Opfergruppe die jahrzehntelang tabuisiert wurde. Der letzte Überlebende, Rudolf Brazda, starb 2013. „Etwa 10.000 homosexuelle Männer waren in Konzentrationslager verschleppt, mit dem Rosa Winkel gezeichnet, erniedrigt, gefoltert, zu Tode geschunden und ermordet worden, allein 650 waren im KZ Buchenwald inhaftiert“, sagte Michael Richter. Rudolf Brazda wurde am 18. August 1942 nach Buchenwald verschleppt und 32 Monate gequält.

In der Bundesrepublik existierte der Paragraph 175 (Strafgesetzbuch), der sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe stellte, noch bis zum 11. Juni 1994. In der DDR existierte er bis 1968. Eine vollständige Rehabilitierung aller nach diesem Paragraphen verfolgten Menschen steht bisher noch aus. Bundesjustizminister Heiko Maas will noch in dieser Legislatur reagieren, wie er 2014 ankündigte. In einem aktuellen Gutachten der Antidiskriminierungsbeauftragten Christine Lüders heißt es: Der „Gesetzgeber (wird) zur Rehabilitierung der Opfer des § 175 verpflichtet“.

Der Rosa Winkel steht heute für Mut, Solidarisierung und Vielfalt, das Gegenteil der damals zugewiesenen Bedeutung. Er sollte uns Mahnung sein, uns zu erinnern, aber auch zu erkennen, wie homophobes Gedankengut in unserer Gesellschaft verankert ist. Das Massaker in Orlando im US-Bundesstaat Florida ist eines der jüngsten Beispiele homophober Gewalt. Am 12. Juni wurden 49 Menschen getötet und 53 verletzt – in einem Club, in dem sich Schwule, Lesben, Bi-, Trans- und Intersexuelle treffen.

Auf parlamentarischer Ebene erntete die AfD im Oktober 2015 Kopfschütteln, als sie per Anfrage wissen wollte, wie viele homosexuelle Menschen in Thüringen leben. Das erinnert an die Rosa Listen, die, angelehnt an die sogenannte schwarzen Listen, der Sammlung von Daten über (vermeintliche) Homosexuelle seit etwa dem 19. Jahrhundert dienten.

Als LINKE stehen wir für eine bunte Vielfalt, eine Anerkennung aller Lebens- und Liebesformen und für ein gesamtgesellschaftliches Bewusstsein über homophobes Handeln. Wir müssen stetig dafür streiten, Homophobie, direkte oder latente, sichtbar zu machen, zu benennen und klare Konsequenzen daraus ziehen.

Das Gedenken in Buchenwald gehörte zu den Veranstaltungen zum Christopher Street Day in Weimar (CSD).

Michael Bicker                        

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