Nr. 12/2014, Seite 1: Rege Beteiligung an Onlineplattform-Diskussion
Zu Beginn des Jahres hatte die Linksfraktion auf der Internetseite thueringen-fair-aendern.de einen digitalen Dialogprozess gestartet und die Bürgerinnen und Bürger zur Diskussion von 66 konkreten politischen Vorhaben aufgerufen. So vielfältig wie die dort angebotenen Vorschläge waren auch die Rückmeldungen in den Kommentaren.
Eine Forderung lautete beispielsweise, dass Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitssuchende in Betrieben und nicht überbetrieblich durchgeführt werden sollten. Ein Nutzer wünschte sich weitere Formen der Unterstützung für den ÖPNV, über die Schaffung eines thüringenweiten Verkehrsverbundes hinaus. Kritisiert wurde der Mangel an Angeboten und die teils hohen Eintrittspreise bei Kulturveranstaltungen im ländlichen Raum.
Bildungspolitik im Blickpunkt
Viele der Kommentare beziehen sich auf die Vorschläge zur Bildungspolitik, vor allem der Unterrichtsausfall sowie der Sanierungsstau bei den Schulgebäuden werden als drängendste Probleme beschrieben. Auch die Frage der Inklusion beschäftigt die Menschen. So gibt ein Lehrer aus Eisenach zu bedenken: „Der Weg der Inklusion muss behutsam und personell sowie konzeptionell untersetzt begangen werden.“ Die Linksfraktion sieht sich durch die Rückmeldungen und Kommentare bestätigt, dass eine viel zu hohe Arbeitsbelastung aufgrund zu geringer Neueinstellungen und ein dringend zu lösender Investitionsstau hinsichtlich unserer Schulgebäude (und Sporthallen) als wichtigste Fragen angepackt werden müssen.
Das sind die eigentlichen großen Probleme der Schulen zur ausgehenden Legislatur und nicht überflüssige Streitereien über Schreibschrift, Notengebung und Sitzenbleiben. Allein im Schuljahr 2012/13 hätten schon etwa 520 Neueinstellungen vorgenommen werden müssen – nur etwa die Hälfte wurde realisiert. Faktisch bedeutet dies nur einen Tropfen auf den heißen Stein. Um diese Entwicklung zu korrigieren, ist eine konsequente Schwerpunktsetzung bei der Bildungsfinanzierung im Landeshaushalt notwendig.
Zur Entwicklung des Thüringer Schulsystems gehört es, Bedingungen zu schaffen, damit junge Lehrerinnen und Lehrer sich hier wohl fühlen und sie gern an den Schulen im Freistaat arbeiten. Um den vorherrschenden Herausforderungen im Schulwesen angemessen begegnen zu können, werden neben notwendigen Neueinstellungen auch Maßnahmen der Lehrergesundheit zwingend erforderlich sein. Es müssen Möglichkeiten ausgebaut werden, bei denen Lehrerinnen und Lehrer mit besonderen Aufgaben – wie zum Beispiel Inklusion – Abminderungsstunden geltend machen können.
Besonders für ältere Lehrerinnen und Lehrer muss es eine Entlastung hinsichtlich ihres Arbeitsaufwandes geben, zum Beispiel durch Klassenleiterstunden. Inklusion und inklusive Schule müssen vom Kind aus gedacht werden.
Daher sind Multiprofessionalität und multiprofessionelle Teams der Kern einer inklusiven Schule. Nur mit Hilfe einer engen Zusammenarbeit von Lehrkräften, Fachkräften der Sozial- und Sonderpädagogik, Schulpsychologie sowie anderen Professionen der Schulbegleitung können die pädagogischen Anforderungen auch wirklich dem Kind entsprechend geleistet werden. Hinzu kommen die außerschulischen Partner, wie z.B. Jugendhilfe aber auch Schul- und Kinderärzte.
Thüringen fair ändern – die Bildungspolitik wird ein Schwerpunkt auf diesem Weg sein müssen. Die Linksfraktion bedankt sich bei allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich mit Kommentaren auf der Webseite thueringen-fair-aendern.de beteiligt haben, und freut sich auf weitere Beiträge und Hinweise.
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