Nr. 12/2013, Seite 6: Sozialzentren und Landambulatorien - Diskussion von Vorschlägen zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum
Erneut hat DIE LINKE eine Fachdebatte ihrer Fraktionssitzung per Livestream ins Internet übertragen (eingebettet in die Startseite der Homepage unter www.die-linke-thl.de). Am 5. Juni stellte Jörg Kubitzki, gesundheitspolitischer Sprecher, Thesen zur „Medizinischen und ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum“ zur Diskussion. Erstmals konnten sich an der Debatte Nutzer des Livestreams direkt per Chat beteiligen, wovon auch einige Gebrauch machten.
Zunächst zur Ausgangssituation, die Jörg Kubitzki anhand von Fakten darstellte: In den Thüringer Krankenhäusern stieg die Zahl der Ärzte im Zeitraum von 2000 bis 2012 um 38 Prozent auf 4.827 Ärzte, die Zahl der Hausärzte sank hingegen im gleichen Zeitraum um 12 Prozent auf 1.466. Derzeit (Stand 31.12.2012) sind im ambulanten Bereich 3.385 Ärzte tätig, davon 1.054 Allgemeinmediziner und 2.331 als Fachärzte, allerdings ist aufgrund Altersstruktur mit einer rapiden Abnahme zu rechnen, denn bereits Ende 2010 waren 590 Hausärzte und 606 Fachärzte über 50 Jahre alt. Gegenwärtig sind in Thüringen 218 Hausarztsitze, 28 Facharztsitze und 43 Psychotherapeutensitze offen, wenngleich in keinem Planungsbereich eine Unterversorgung besteht.
Der Landtagsabgeordnete verwies auf die neue Bedarfsplanungsrichtlinie in der hausärztlichen Versorgung. Kamen bisher auf einen Hausarzt 1659 Einwohner, so sind es jetzt mehr, nämlich 1671 Einwohner – und dies bei immer mehr älteren Menschen und entsprechend höherem Bedarf in der medizinischen Betreuung. Aber nach der neuen Bedarfsplanungsrichtlinie fehlen nun statt bisher 218 Hausärzte nur noch 77...
Als Ausgangsüberlegung seiner Thesen zur „Medizinischen und ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum“ betonte Jörg Kubitzki, dass die gesamte soziale Infrastruktur betrachtet werden müsse, einschließlich öffentlichem Personennahverkehr, Schulnetzplanung, Kita-Struktur und weiteren weiche Standortfaktoren, denn „warum soll ein junger Arzt mit seiner Familie aufs Land ziehen, wenn gerade die Kita oder die Schule geschlossen wurde?“ Notwendig sei die Schaffung von Sozialzentren in einem Ort der Landgemeinde bzw. Verwaltungsgemeinschaft. Alle sozialen Dienstleistungen könnten hier angeboten werden, wie Beratungen durch Vereine und Verbände. Und natürlich sollte hier auch das Landambulatorium angesiedelt sein. Nach Vorstellung der LINKEN arbeitet in einem solchen Sozialzentrum ein Koordinator für soziale Dienste. Dieser vernetzt die sozialen Angebote der Region. Er ist Ansprechpartner für die Menschen mit ihren sozialen Anliegen, koordiniert die Beratung durch Behörden und Verbände und plant die Durchführung von Veranstaltungen. „Mit dieser Planstelle, die bei der Gemeinde oder einem sozialen Träger angesiedelt wäre, könnte auch das Problem von Pflegestützpunkten im ländlichen Raum geklärt werden“, so Jörg Kubitzki. „Zur Finanzierung sollten wir unsere Idee einer Sozialpauschale wieder aufgreifen.“ Dabei würde der Koordinator eng zusammenarbeiten mit Ehrenamtlichen oder Personen, die durch ÖBS-Projekte beschäftigt werden.
Im Mittelpunkt der Vorschläge der Linksfraktion zur medizinischen Versorgung im ländlichen Raum steht die Schaffung von Landambulatorien in jeder Verwaltungsgemeinschaft oder Landgemeinde. Dort arbeiten niedergelassene oder angestellte Ärzte, mindestens ein Allgemeinmediziner, es werden zusätzliche Praxisräume für Fachärzte vorgehalten. Wenn sich kein Facharzt niederlässt, werden an bestimmten Tagen Sprechstunden durch Fachärzte abgehalten. Zwischen den einzelnen Orten wird ein Zubringerdienst zum Landambulatorium oder zu Fachärzten in größere Orte organisiert. Im Landambulatorium sollten auch andere Dienstleistungen, wie z.B. Apotheken, Pflegedienst oder Physiotherapie, vorgehalten werden.
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