Nr. 12/2012, Seite 8: Beschäftigung an Unis – prekär und befristet

Parlamentsreport

Linksfraktion bringt gemeinsam mit GEW parlamentarische Initiative auf den Weg

Die Situation von Beschäftigten an Thüringer Hochschulen ist alles andere als zufrieden stellend: In Thüringen sind knapp 90 Prozent aller wissenschaftlichen Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter befristet beschäftigt. Das zeigt eine Kleine Anfrage der Linksfraktion aus dem Jahr 2010. Nach Angaben der Bildungsgewerkschaft (GEW) haben die Angestellten im Durchschnitt sogar nur Teilzeitstellen.

Den Beschäftigten werden weder verlässliche Berufsperspektiven noch faire Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen geboten. Die Zahl der befristeten Arbeitsverträge steigt weiter an, auch Lehraufträge auf Honorarbasis nehmen zu, so dass mittlerweile von prekären Arbeitsverhältnissen im Wissenschaftsbereich gesprochen werden muss. Obwohl viele studentische Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter noch keinen Abschluss haben und häufig unterbezahlt sind, werden vielen von ihnen Lehraufgaben auferlegt. Nach neuesten Studien ist der Anteil weiblicher Beschäftigter nach wie vor gering bzw. sind Frauen noch häufiger von prekären Arbeitsverhältnissen betroffen.

Offenkundig haben sich die Beschäftigungsbedingungen in den letzten Jahren massiv verschlechtert. Die Anforderungen für Mitarbeiter steigen ständig - Entlastungen fehlen. Nichtsdestotrotz wird von den Beschäftigten eine enorme Leistungsbereitschaft gefordert. Schließlich ist es das Ziel der Hochschulen, die Qualität von Lehre und Forschung zu erhöhen.
Um die Aufgaben der Hochschulen erfüllen zu können, reichen die vom Land und Bund gewährten Haushaltsmittel schon lange nicht mehr aus. Die zusätzlichen so genannten Drittmittel, also Gelder von öffentlichen und privaten Stellen, dienen nicht nur einer Erweiterung der Forschungsbasis. Sie sind mittlerweile notwendig für den Betrieb der Universitäten und Hochschulen. Die Beschreibung der finanziellen und personellen Situation zeigt eindrücklich, dass die Grundlage für gute Lehre und Forschung an den Thüringer Universitäten und Hochschulen droht, entzogen zu werden.

Beschäftigungspolitik entscheidend für Leistungsfähigkeit

Für die Entwicklung der Thüringer Wissenschafts- und Hochschullandschaft, für gute Studienbedingungen, für die Qualität von Forschung und Lehre, aber auch für die Gesundheit der Beschäftigten ist aber die Beschäftigungspolitik ein entscheidender Faktor. Allerdings hat das Landesparlament kaum noch Möglichkeiten, überhaupt zu erfassen, wie Arbeitsverhältnisse ausgestaltet werden. Dies ist aber gerade vor dem Hintergrund der enormen Anforderungen an die wissenschaftlichen Mitarbeiter unbedingt wichtig.

Große Anfrage eingereicht

Gemeinsam mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft hat die Linksfraktion eine Große Anfrage zu den Beschäftigungsverhältnissen erarbeitet. Der gesamte Komplex der Mitarbeiterschaft – vom studentischen Beschäftigten, Promovenden bis hin zum Verwaltungsmitarbeiter – wird nach den realen Beschäftigungsbedingungen abgefragt. Es geht um verbeamtet oder nicht, befristet oder nicht, wie wird die Stelle finanziert, gibt es unterschiedliche Bedingungen für Männer und Frauen und vieles mehr. Wir wollen die Daten schwarz auf weiß, um mit ihnen agieren zu können und weiter für die Einsicht in die Notwendigkeit zu streiten, dass Beschäftigungsverhältnisse an Hochschulen ein wichtiges Thema für die Entwicklung von Wissenschaft sind.
Zusätzlich zur parlamentarischen Initiative im Landtag wird die GEW unter allen etwa 6000 wissenschaftlich Beschäftigten in Thüringen eine Onlinebefragung zu Arbeitsbedingungen und ihren Auswirkungen durchführen. Die Umfrage der Gewerkschaft startet Ende Juli und läuft bis in den Oktober.

Forderungskatalog für Verbesserung der Arbeitssituation

Die Ergebnisse sowohl der Parlamentsanfrage als auch der Onlinebefragung werden Grundlage einer Gesprächsinitiative mit den Hochschulen und Gewerkschaften. Im Anschluss daran wird DIE LINKE einen Forderungskatalog erarbeiten, der sowohl an die Hochschulleitungen als auch an die Landesregierung gerichtet ist. Schließlich muss Qualität von Forschung und Lehre auch in Zukunft gesichert sein. Das ist nur dann möglich, wenn an den Universitäten auch gute Arbeitsbedingungen herrschen.

Susanne Hennig


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