Nr. 11/2015, Seite 8: „Voll solidarisch“ mit streikenden Erzieherinnen
Torsten Wolf in der Landtagsdebatte zum Thema: „Frühkindliche Bildung für alle fördern“
Mit der Aktuellen Stunde zum Thema „Moderne Bildungspolitik jetzt: Frühkindliche Bildung für alle fördern“ gehe es der Linksfraktion um die neuen Herausforderungen einer gelingenden frühkindlichen Bildungspolitik, so der bildungspolitische Sprecher der LINKEN, Torsten Wolf, in seiner Rede im Landtag am 27. Mai.
Er verwies dabei auf den Thüringer Bildungsplan für Kinder bis zehn Jahre, der geprägt ist von einem am Kind orientierten, emanzipatorischen und partizipativen Ansatz, ganz im Sinne von Friedrich Fröbel: „Bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein.“
Torsten Wolf sagte mit Blick auf das Thüringer Kindertagesstättengesetz, dass die hier „festgeschriebenen Standards unter Beteiligung der gesellschaftlichen und wissenschaftlichen Akteure nach der kontroversen Auseinandersetzung mit der CDU-Familienpolitik“ festgelegt wurden.
Zuvor habe der frühere CDU-Finanzminister eine Standardabsenkung im Bereich Personal vorangetrieben, „welche zum Ziel hatte, pädagogische Arbeit schrittweise zu entwerten und geringer zu entlohnen“. Der LINKE-Abgeordnete weiter: „Thüringen hat seitdem einen vorderen Platz in der Kita-Finanzierung eingenommen, seit 2009 gut 2.600 zusätzliche Erzieherinnen und Erzieher eingestellt und wir sind alle gehalten, dies auch unter schwierigen Haushaltsbedingungen weiter fortzuschreiben.“
Nur ein Drittel des pädagogischen Personals arbeitet in Vollzeit
Mit Verweis auf die mdr-Sendung „Fakt ist“ zum Thema „Streitpunkt Kita - Was ist Kinderbetreuung wert?“ am 18. Mai und den dort unterbreiteten Vorschlägen seiner Fraktionskollegin Margit Jung, sagte Torsten Wolf, dass es gelte, diese zu diskutieren, „denn nur, wenn das vom Land für die frühkindliche Bildung zur Verfügung gestellte Geld auch in den Kitas und bei den Tagesmüttern und -vätern auch wirklich ankommt und nicht über die Schlüsselmasse in Haushalts- und sonstigen Löchern in den Kommunen verschwindet, werden wir die hohen Thüringer Standards halten und zusätzliche Verbesserungen im System, ob über Gebührenfreiheit und/oder Betreuungsschlüssel, ermöglichen können“.
„Davon bin ich fest überzeugt und genau das sind die überwiegenden Erwartungen der Eltern und Träger an eine gerechte frühkindliche Bildungspolitik.“ Natürlich müssten sich die Kitas, „genau wie die gesamte Gesellschaft und insbesondere der Bildungsbereich, immer wieder Herausforderungen stellen, welche sie meistern werden, wenn sie die entsprechende gesellschaftspolitische Unterstützung erhalten“.
Auf die auch von der Landeselternvertretung Kitas in Thüringen seit Jahren geforderte bessere tarifgerechte Bezahlung der Beschäftigten eingehend, betonte der Abgeordnete, dass die Linksfraktion „voll solidarisch mit den derzeit streikenden Erzieherinnen und Erziehern“ ist.
Dabei gehe es auch um eine deutliche Aufwertung des Berufs als pädagogischer Beruf, der in den letzten 20 Jahren eine deutliche Wandlung erfahren hat. Torsten Wolf unterstrich die hohe Verantwortung und Belastung. „Hier sei darauf verwiesen dass die Burn-out-Erkrankungen bei Erzieherinnen und Lehrern vergleichbar hohe Werte haben, und es ist zu hinterfragen, warum eine Aufwertung über die Entgeltgruppen nicht realisierbar ist und in einer Tarifverhandlung dazu noch kein akzeptables Angebot vorliegt.“
Er hoffe, dass „wir nicht einen zehnwöchigen Streik brauchen, um endlich zu einem Ergebnis zu kommen. Hinzu komme, in Thüringenarbeite lediglich ein Drittel des pädagogischen Personals in Vollzeit, „was die Einkommenssituation noch einmal verschärft“.
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