Nr. 11/2013, Seite 5: Burschenschaften bieten Neonazis Rückzugsräume

Parlamentsreport

Katharina König: Viele Gründe des Widerstands gegen das elitäre und völkische Treiben

Von Protesten begleitet fand am letzten Mai-Wochenende der Burschentag in Eisenach statt. Am Eröffnungsabend zogen Hunderte stramm rechte Akademiker mit Fackeln und unter Trommelklängen zum Burschenschaftsdenkmal unterhalb der Wartburg, wo sie alle drei Strophen des Deutschland-Liedes sangen, während ebenfalls zahlreiche vor allem junge Leute im Rahmen des Bündnisses „Wider dem deutschen Burgfrieden“ protestierten.

Bereits im Vorfeld hatte Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion, gewarnt, dass „der Akademikerbund ,Deutsche Burschenschaft' wieder intensiv an einer noch völkischeren und rassistischen Ausrichtung strickt“. Spiegel Online hatte Tagungsunterlagen aufgedeckt, wonach erneut über eine Art ,Ariernachweis' in Eisenach verhandelt werden sollte. Vermutlich, um eine Spaltung zu verhindern, nahm die Burschenschaft in Eisenach davon Abstand, einheitliche Regeln mit strengen Abstammungskriterien für die Aufnahme in Studentenverbindungen festzulegen.

Schon vor zwei Jahren war es in der Frage, wer zur Aufnahme in die Burschenschaft „deutsch genug“ sei, zum Eklat gekommen. Jetzt war ein erneuter Vorstoß hinsichtlich der Herkunft von Verbandsmitgliedern geplant, Beleg für den rassistischen Wahn innerhalb Deutschen Burschenschaft (DB). Danach sollten dort Menschen in „deutsche“, „abendländisch-europäische“ und „nicht-abendländisch-europäische“ Abstammung kategorisiert werden. Bewerber letzterer Kategorie sollten zwangsweise durch einen Ausschuss der DB überprüft werden. „Das weckt finstere Erinnerungen an die Nürnberger Rassengesetze“, betonte Katharina König.

Die LINKE Abgeordnete hatte bereits vor einigen Wochen die Landesregierung mit einer Kleinen Anfrage zur Stellungnahme hinsichtlich der rechtslastigen Entwicklung der DB aufgefordert. Erst im letzten Jahr fiel der bis dahin noch aktive Chefredakteur der DB-eigenen Zeitung „Burschenschaftliche Blätter“, Norbert Weidner, damit auf, dass er die Hinrichtung des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer als „juristisch gerechtfertigt“ und ihn als „Landesverräter“ bezeichnet hatte. Weidner war Anfang der 90er Jahre Mitglied später verbotener neonazistischer Organisationen, wie der Wiking Jugend und der FAP.
Kürzlich veröffentlichte eine linke Gruppierung aus Baden-Württemberg, dass Weidner möglicherweise V-Mann des Verfassungsschutzes war oder noch sei. Katharina König will von der Landesregierung u.a. wissen, ob es auch in Thüringen eine nachrichtendienstliche Zusammenarbeit mit ihm gegeben hat und inwiefern der Freistaat die Deutsche Burschenschaft förderte. Die Abgeordnete unterstrich: „Burschenschaften sind nicht nur einfache Studentenverbindungen, sie bieten Neonazis auch Organisations- und Rückzugsräume, wie das Beispiel der Normannia Jena belegt. „Ob mit oder ohne so genannten ‚Arierparagrafen’, es gibt viele gute Gründe, sich dem elitären und völkischen Treiben der Burschenschaften, das auf dem Männerbundprinzip basiert, zu widersetzen.“

Der Burschentag des größten und umstrittensten Dachverbandes der Studentenverbindungen wird seit der Wende jährlich in Eisenach durchgeführt. Oberbürgermeisterin Katja Wolf (DIE LINKE), die auch an der Demonstration teilgenommen hatte, machte ihren Unmut deutlich, dass sie bei Amtsantritt Mietverträge mit der Burschenschaft „geerbt“ hat, die sie zwar gekündigt habe, die aber noch bis 2018 gelten und gegen die sie keine rechtliche Handhabe hat. Polizei und Verfassungsschutz hätten keine hinreichenden Anhaltspunkte, dass „die DB insgesamt gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung arbeite“.
Eisenach mit Bezug auf das Wartburgfest 1817 ist für die Deutsche Burschenschaft wichtiger Bezugspunkt der Traditionspflege. Sie hatten sich damals auf der Wartburg getroffen und einen einheitlichen deutschen Nationalstaat gefordert. In den vergangenen zwei Jahren lieferten sich rechtsextreme und liberalere Gruppierungen einen Machtkampf. Zahlreiche liberalere Bünde haben den Dachverband daraufhin verlassen.           

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