Nr. 10/2017, Seite 3: Zukunftsfähige Lehrerausbildung
Inklusion, digitale Medien, Demokratiebildung und Diversität sind nur einige Schlagworte, die andeuten, dass die Ansprüche an Lehrerinnen und Lehrer und die zu bewältigenden Aufgaben gewachsen sind. Gebraucht wird eine Ausbildung, die dem gerecht wird, die zukunftsfähig ist.
Was sich ändern muss, haben die Abgeordneten der Linksfraktion, Torsten Wolf, bildungspolitischer Sprecher, und Christian Schaft, wissenschafts- und hochschulpolitischer Sprecher, sowie Bildungsstaatssekretärin Gabi Ohler mit Vertretern aus Schulen, dem Institut für Lehrerfortbildung und Medien, von Schulämtern und Studienseminaren sowie mit Lehramtsstudierenden auf einer Fachtagung im Landtag beraten.
Angesprochen wurde die Frage, wie der Lehrerberuf attraktiver gestaltet werden kann. Leider fällt die Problematik der Qualität der Ausbildung allzu oft hinten runter. Barbara Wrede, Schulleiterin der Lobdeburg Schule in Jena, plädierte nicht für einen Wandel des Berufsbildes, sondern der Schulpolitik. Die Herausforderungen müssen durch die politischen Akteure aufgegriffen werden. Um Lehrern Zeit und Raum für die Arbeit mit den Schülern zu geben, sei eine Reduzierung der Dokumentations- und Verwaltungsaufgaben dringend geboten. Dann könnten die Pädagogen auch ihre Ideen für eine moderne und individuelle Schulstundengestaltung besser umsetzen.
Dr. Ilka Hoffmann vom GEW-Bundesvorstand stellte die Ergebnisse des Zukunftsforums Lehrerbildung vor. Notwendig seien u.a. ein phasenübergreifendes Spiralcurriculum verbunden mit einem lebenslangen Professionalisierungsprozess für Lehrkräfte, die bessere Vermittlung von Kenntnissen für die Umsetzung inklusiven Unterrichts, eine inklusionsorientierte Lehrerbildung und Kooperation mit multiprofessionellen Teams, eine bessere Verflechtung von Theorie und Praxis sowie stabile Beschäftigungsbedingungen und verlässliche Karrierewege.
Einen Einblick in die Problemlagen der Lehramtsausbildung an den Universitäten vermittelten die Vertreter des Referates Lehramt des Studierendenrates der Schiller-Universität Jena. Die 2014 eingeführte Fachkombinationsvorschrift habe ihr Ziel verfehlt, da in den Mangelfächern vor allem im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) und dem Regelschullehramt die Zahlen der Immatrikulierten weiter stagnieren. Es bedürfe einer gezielteren Beratung vor Antritt des Studiums, mehr Mitbestimmung der Lehramtsstudierenden und einer bessern Ausgestaltung der Studieninhalte. Mit Blick auf die didaktischen Kompetenzen bestehe erheblicher Nachholbedarf. Schließlich warf Jana Bonn von der Thüringer GEW noch einen Blick auf die zweite Phase der Lehramtsausbildung, also das Referendariat. Hier werde viel verschenkt, denn die Lehramtsanwärter, so auch das Ergebnis einer Studie aus dem Jahr 2014, gingen meist mit viel Idealismus und Enthusiasmus an die Sache, würden dann aber in kurzer Zeit durch den Leistungs- und Zeitdruck nicht selten demotiviert. Zudem sei es ein großes Problem, dass die Referendare als billige Lehrkräfte eingesetzt werden.
Intensiv wurde in den Workshops diskutiert. Deutlich wurde, dass u.a. das Thüringer Lehrerbildungsgesetz dringend reformiert werden muss, um mehr Flexibilität zur Kompetenzentwicklung in allen Phasen der Lehrerbildung zu ermöglichen. Auch die Vorteile einer schulstufenbezogenen Lehramtsausbildung wurden diskutiert ebenso wie Möglichkeiten für einen leichteren Zugang für Seiten- und Quereinsteiger.
Ergebnisdokumentation: www.die-linke-thl.de
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