Nr. 10/2016, Seite 7: Blick in das Lager und in die Gesellschaft

Parlamentsreport

Fraktion DIE LINKE besichtigte neue Dauerausstellung in KZ-Gedenkstätte Buchenwald

Im Rahmen einer außerordentlichen Sitzung hat die Fraktion DIE LINKE am 11. Mai die neu eröffnete Dauerausstellung „Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945.“ in der Gedenkstätte Buchenwald besichtigt.

Fraktionsvorsitzende Susanne Hennig-Wellsow dankte im Namen aller Abgeordneten und Mitarbeiterinnen insbesondere Rikola-Gunnar Lüttgenau, stellvertretender Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, der den Besuch begleitet hatte, für die Gelegenheit, nach der Eröffnung am 17. April die Ausstellung noch einmal ausführlich sehen zu können. Sie zeigt die Geschichte des Konzentrationslagers auf dem neuesten Forschungsstand und bettet sie in die der NS-Gesellschaft ein.

„Buchenwald. Ausgrenzung und Gewalt 1937 bis 1945“ ist die letzte große Ausstellung, die in der Bundesrepublik gemeinsam von Überlebenden, Historikern, Museologen und Geschichtsdidaktikern auf den Weg gebracht worden ist. Hier wird der Blick in das Lager mit dem Blick in die deutsche Gesellschaft verbunden; eine Gesellschaft, die Lager und Ausgrenzung überwiegend akzeptierte, für gerechtfertigt und notwendig hielt, die kaum Anstoß nahm, die sich der Lager vielfältig bediente und die schließlich mit dem „totalen Krieg“ von Lagern flächendeckend durchsetzt war.

„Die reibungslose Nachbarschaft von Weimar und Buchenwald ist hierfür ein eindrückliches Beispiel: Das KZ wird problemlos zum Bestandteil der Stadt. Krankenhaus und Krematorium stehen der SS für ihre Zwecke zur Verfügung. Weimarer Handwerker, Spediteure und Händler machen Geschäfte mit ihr. Sie bieten Waren oder Dienste an, beliefern das Konzentrationslager oder profitieren von Häftlingen als Zwangsarbeiter“, so beschreibt es die Gedenkstätte. Nach den neuesten Forschungsergebnissen hatte Buchenwald 139 Außenlager, 277.800 Menschen - darunter 28.230 Frauen und 30.000 Minderjährige - waren inhaftiert. Es war zuletzt das größte KZ Deutschlands, das mehr als 56.000 Menschen das Leben kostete.

Die Fraktionsvorsitzende unterstrich den sehr beeindruckenden Aspekt der neuen Dauerausstellung, die Verbindung zwischen den unfassbaren Verbrechen im Konzentrationslager mit den gesellschaftlichen Prozessen. Und sie versicherte:  „Es ist und bleibt für uns ein wichtiges Anliegen, dass wir die Arbeit der Gedenkstätten und Erinnerungsorte an die NS-Verbrechen in Thüringen aufmerksam begleiten und unterstützen. Die historisch authentischen Orte bilden einen wichtigen und unverzichtbaren Beitrag für eine erfolgreiche und nachhaltige Bildungs- und Geschichtsarbeit in Thüringen.“

Die neue Dauerausstellung wendet sich mit ihren Inhalten und der Gestaltung vor allem an jetzt nachfolgende Generationen, die in nationaler Herkunft, erinnerungskultureller Prägung und medialer Erfahrung sehr unterschiedlich sind. „Diese vorwiegend auch jungen Menschen erwarten von Erinnerungsorten wie Buchenwald verschiedene Antworten sowohl zur Geschichte unseres Landes als auch auf aktuelle gesellschaftliche Fragen.“

Die 2.000 Quadratmeter große Ausstellung wurde komplementär aus Mitteln der Gedenkstättenförderung des Bundes sowie vom Freistaat Thüringen mit insgesamt 3,7 Millionen Euro finanziert.    

 

A. Rudolph    

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