Nr. 10/2015, Seite 8: Schwerwiegende Folgen für das Ökosystem
Studie zur Wirkung von Kaliabwässern auf die Entwicklung der Arten in der Werra
Die vom Kali-Unternehmen K+S in die Werra eingeleiteten Kalilaugen sowie die Austritte aus der Verpressung der Abwässer haben schwerwiegende Folgen auf die Reproduktion der hier noch vorkommenden Fische. Die Widerstandsfähigkeit des gesamten Ökosystems ist herabgesetzt. So das Ergebnis der wissenschaftlichen Arbeit von Marit Wagler vom Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei Berlin-Friedrichshagen (IGB) zur Wirkung aktueller und möglicher künftiger Grenzwerte für Kaliabwässer auf die Entwicklung der Arten.
Bei einem Pressegespräch am 11. Mai mit der Doktorandin hatte Tilo Kummer, Umweltpolitiker der Linksfraktion, betont, dass damit erstmals überhaupt fundierte Daten vorliegen. Laut der Studie führen die in die Werra geleiteten Abwässer bei bis zu 60 Prozent der Fischbrut zu Deformationen. Tilo Kummer hatte daher erneut gefordert, dass die Verpress- und Einleitpraxis von Kali+Salz sofort beendet werden muss.
Reinhard Karol vom Verband für Angeln und Naturschutz Thüringen informierte, darüber, dass der Verband zusammen mit dem BUND Thüringen jetzt Strafanzeige wegen der Verpressung von Kalilauge gegen Vertreter des K+S Konzerns und des Regierungspräsidiums Kassel gestellt hat.
Nach Angaben der Verbände bestehe der Verdacht einer Straftat wegen Gewässerverunreinigung. „Wir befürchten, dass die Laugenverpressung längst zu irreparablen Schäden in Grund- und Trinkwasservorkommen geführt hat“, so Dr. Burkhard Vogel, Landesgeschäftsführer des BUND Thüringen. „Die Fortsetzung der Versenkung ist nicht mehr zu verantworten.“
Nach Angaben des BUND Thüringen bricht an vielen Stellen Salzabwasser und durch die Verpressung verdrängtes salzhaltiges Formationswasser aus dem Untergrund bis in oberflächennahe Grundwasserköper durch.
Die K+S Kali GmbH gebe selbst im Rahmen der Eigenüberwachung der Salzabwasserversenkung 56 Messstellen an, welche eine Beeinträchtigung des Grundwassers durch Salzabwässer zeigten. Im aktuellen Genehmigungszeitraum seien schätzungsweise 11 Millionen Kubikmeter Salzabwasser in den Buntsandstein gelangt.
„Wenn die zuständigen Behörden des Regierungspräsidiums Kassel die Versenkung nicht stoppen, müssen wir eben die Staatsanwaltschaften einschalten“, erklärte Reinhard Karol und verwies darauf, dass die bisherige Versenkerlaubnis an die Auflage gebunden war, die Unbedenklichkeit der Salzabwasserverpressung für Grund- und Trinkwasser nachzuweisen. Obwohl diese bis heute nicht vorliege, habe das Regierungspräsidium Kassel die Versenkerlaubnis nicht widerrufen.
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