Nr. 1/2017, Seite 9: Wärmeenergie - schlafender Riese
Von der 2. Meininger Energiekonferenz der Linksfraktion
Als Motto der 2. Meininger Energiekonferenz auf Einladung des energiepolitischen Sprechers der Linksfraktion, Steffen Harzer, wurde diesmal „Wärmeenergie – der schlafende Riese bei erneuerbaren Energien“ gewählt. „Wenn dieses Thema angesprochen wird, meint man im Allgemeinen Elektroenergie, aber die Einsparpotenziale im Wärmesektor sind enorm“, betonte Steffen Harzer in seinen Begrüßungsworten und erhielt mehrfach Zustimmung in den darauffolgenden Vorträgen.
Den Anfang des Vortragsreigens der Veranstaltung, die am 10. Dezember in den Räumen des Berufsbildungs- und Technologiezentrums (BTZ) in Rohr stattgefunden hatte, machte die u.a. für Energiefragen zuständige Ministerin Anja Siegesmund, die auf die hohe Bedeutung der kommunalen und regionalen Ebenen bei der Umsetzung von Wärmeenergieprojekten einging. Die Bereitschaft bei Akteuren sei sehr lobenswert, andererseits würde ein häufiges Ringen um die Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen mit der Bundesebene erforderlich sein. Beispiele seien das Erneuerbare-Energiengesetz, das Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz oder die ungleiche Belastung durch Netzentgelte. Nach der Kurzdarstellung Thüringer Förderprogramme, wie „SolarInvest“ oder „GreenInvest“, lud sie schon mal in den Klima-Pavillon als „Symbol für Dialog, Transparenz, Nachhaltigkeit und Klima- und Umweltschutz“ im Rahmen der 4. Landesgartenschau vom 29. April bis 24. September 2017 in Apolda ein.
„Azubis als Energie-Scouts“ in Unternehmen
Der Geschäftsführer der SWE Energie GmbH Erfurt, Karel Schweng, erläuterte die Beiträge der Stadtwerke zur Umsetzung des Erfurter Klimaschutzkonzeptes, wobei maßgeblich auf den Fortbestand der Kraft-Wärme-Kopplung gesetzt werde. Positiv wertete er das für den Ausbau von Fernwärmenetzen unterstützend wirkende Landesprogramm „Energieeffizienz auf Quartierebene“. Mit dem „Erfurter Modell“, basierend auf vier konzeptionellen Säulen, sei die notwendige CO2-Reduzierung am wirtschaftlichsten und effektivsten erreichbar. Erwähnung fand ebenso das Projekt Erfurt-Marbach zur Kopplung von Solarthermie-Komponenten und Speichern. Nach der gegenwärtigen Planungsphase sei die Errichtung von Demonstrationsanlagen ab 2018 und nach Auswertung die Prüfung auf Verwertbarkeit für weitere Quartiere vorgesehen.
Weiter in die Zukunft blickte Prof. Dr. Ing. Viktor Wesselak vom Institut für regenerative Energietechnik an der Hochschule Nordhausen. Er verwies auf eine Studie des Fraunhofer Institutes „Energiesystem Deutschland 2050“, in der verschiedene Szenarien zur Vernetzung von Sektoren und von Anteilen unterschiedlicher Energiequellen unter dem Aspekt, die volkswirtschaftlichen Kosten sehr gering zu halten und den Strombedarf bundesweit um 25 Prozent zu senken, betrachtet wurden. Als Optimum habe sich ein Energiesystem aus 77 Prozent erneuerbaren Quellen, sechs Prozent konventionellen Kraftwerken und 17 Prozent Kraft-Wärmekopplung ergeben.
Der Abteilungsleiter Innovation, Umwelt, International der IHK Südthüringen, Hartmuth Röser, gab einen Einblick in Projekte zur Nutzung von Industriewärme, insbesondere von Abwärme aus verschiedenen Prozessen, wobei jedoch die Vermeidung von Abwärme Priorität habe. „Azubis als Energie-Scouts“ z.B. betätigten sich als „Spürnasen“ in Unternehmen, indem sie Energieeffizienzpotenziale ausfindig machten. Zusammen mit der Universität Kassel sei ein Leitfaden zur solaren Prozesswärme entwickelt worden. Kernbotschaft des Vortrages: Der Wärmemarkt spielt eine Schlüsselrolle bei der Umsetzung der Energiewende.
Aktivitäten des Handwerks zeichnete Michael Bickel als Beauftragter für Innovation und Technologie der Handwerkskammer Südthüringen nach. „Handwerker sind Leistungserbringer, u.a. auch für Energieeffizienzmaßnahmen im Baubereich entsprechend der Energieeinsparverordnung (ENEV)“. Problematisch in diesem Zusammenhang sei jedoch, dass für die Auftraggeber keine verpflichtenden Auflagen bestünden. Ebenso würde das Landesförderprogramm „GreenInvest“ für Handwerker kaum anwendbar sein. Umso wichtiger seien handwerkliche Kooperationen, wie z. B. die Südthüringer Fachwerk- und Altbausanierungsgenossenschaft e. G.
Im Nachgang reagierte Steffen Harzer auf die kritischen Äußerungen, indem er ankündigte, den Versuch einer Klärung der Probleme auf Landesebene starten zu wollen.
Den letzten Fachvortrag hielt der Bundestagsabgeordnete der LINKEN, Ralph Lenkert, der mit Nachdruck verlässlichere Rahmenbedingungen für die Energiewende einforderte. Darüber hinaus sollten alle erdenklichen Potenziale an erneuerbaren Energiequellen ausgeschöpft werden, auch, um einen weiteren Netzausbau weitgehend zu vermeiden.
Im Nachgang der Veranstaltung, die wiederum von hoher Fachlichkeit geprägt und maßgeblich durch Steffen Harzers Wahlkreismitarbeiter, Holger Auerswald, vorbereitet wurde, sollte die leider äußerst geringe Beteiligung nicht unerwähnt bleiben. Auch deshalb schon jetzt die Ankündigung der nächsten Energiekonferenz am 18. November 2017. Die Fraktion wünscht sich hierfür ein größeres Interesse.
Dr. Barbara Glaß
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