Nr. 09/2012, Seite 6: Kultur braucht mehr als Sonntagsreden

ParlamentsreportKultur

Linksfraktion legt dem Landtag einen Antrag auf Neuordnung der Theaterfinanzierung vor

 

„Was wir momentan mit der teils prekären Situation der Thüringer Theater erleben, ist eindeutig ein gewolltes Sterben auf Raten. Schon vor Jahren haben wir vor dieser Situation gewarnt und einen solidarischen Kulturförderausgleich gefordert. Jetzt ist es eigentlich schon ‘fünf nach zwölf’. Im Theater Altenburg/Gera fehlen trotz eigener Sparanstrengungen 2,1 Millionen Euro im Etat und in Eisenach kann die Aufwendung für das Theater aufgrund der Haushaltslage nicht geleistet werden", so die Kulturpolitikerin der Linksfraktion Dr. Birgit Klaubert.

Aus diesem Grund hat DIE LINKE für die Landtagssitzung einen Antrag eingereicht, in dem Lösungen für die schwierige Situation der Kulturstätten und die teils prekären Beschäftigungsverhältnisse der Kulturschaffenden gefordert werden. Einen ähnlichen Antrag hatte die Fraktion bereits im letzten Sommer unterbreitet, „doch damals wurde die Situation der Theater durch die anderen Fraktionen und die Landesregierung leider unterschätzt",  sagte Birgit Klaubert . Erst durch die vielfältigen Proteste der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, der Kunst- und Kulturschaffenden selbst und aufgrund der Berichterstattung in den Medien  seien die Probleme in Altenburg/Gera und Eisenach in den Fokus geraten.

„Es ist schlimm genug, dass so lange niemand ernsthaft diese Problematik wahrnehmen wollte. Jetzt gilt es, nicht nur in Sonntagsreden den Wert der Kultur zu beschwören. Handeln ist notwendig und dies gilt ressortübergreifend für die gesamte Landesregierung“, forderte die Abgeordnete.

Die LINKE-Politikerin sieht das Land in der Pflicht. „Wir sind ein Kulturland. Thüringen lebt von seinen kulturhistorischen Schätzen. Die Landesregierung hat immer wieder verlautbart, sie wolle die Kultur in Thüringen erhalten.

Wenn dem wirklich so ist, muss das Land auch dafür Sorge tragen, dass die Kommunen nicht an der Leistung ihrer ,freiwilligen Aufgabe' Kultur ersticken.

Im Antrag der LINKEN wird die Landesregierung aufgefordert, „für die Finanzierungsperiode von 2013 bis 2017 die Förderung der Thüringer Theater und Orchester durch Nachverhandlungen bzw. Neuverhandlungen anzupassen, um damit den Erhalt und die Qualität aller Häuser zu sichern“

 

Für einen solidarischen Kulturförderausgleich

 

Außerdem soll die Landesregierung „einen solidarischen Kulturförderausgleich auf den Weg bringen, der sämtliche Thüringer Kommunen in die Förderung einbezieht“.

Dazu heißt es in der Begründung des Antrags, dass sich die kommunalen Träger eine Nachfinanzierung aufgrund der Haushaltslage nicht leisten können. Durch diesen Umstand wird deutlich, dass die Theater- und Orchesterfinanzierung wie auch die Kulturförderung in Gänze neu geordnet werden muss.

Mit einem solidarischen Kulturförderausgleich werden alle Kommunen in die Förderung einbezogen und die Finanzierung würde nicht die Haushalte einzelner Städte und Landkreise belasten. Die Vorstellungen werden stets auch von Besuchern aus dem Umland frequentiert, deshalb sollten auch deren Kommunen die Häuser solidarisch mitfinanzieren.

„Die Landesregierung muss endlich dafür Sorge tragen, dass der Kulturkannibalismus aufhört und alle Thüringer Theater und Orchester in ihrem Bestand und ihrer Qualität erhalten bleiben können“, betonte Birgit Klaubert.

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