Nr. 08/2012, Seite 9: Netzumbau vor Netzneubau

ParlamentsreportEnergiepolitik

Alternative Technologien würden nur ein Viertel kosten

Auch in diesem Jahr haben beim nunmehr sechsten Protestmarsch am Ostermontag gegen den Bau der 380-kV-Trasse durch Thüringen diesmal in Großbreitenbach einige hundert Menschen demonstriert. Damit habe man erneut ein „kraftvolles Zeichen gegen die fortschreitende Zerstörung des Thüringer Waldes und für eine nachhaltige Energiewende gesetzt. Regenerative Energie muss dort erzeugt werden, wo sie auch verbraucht wird“, sagte Petra Enders, Abgeordnete der LINKEN und Bürgermeisterin von Großbreitenbach.

„Der Widerstand gegen diese Leitung ist ungebrochen. Der Kampf gegen die Monstertrasse geht weiter.“ Seit Anfang März befasst sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig mit der geplanten Höchstspannungstrasse. Das Gericht hat das Bauvorhaben gestoppt und eine umfangreiche Prüfung eingeleitet. So liegen gegenwärtig auch vorbereitende Arbeiten des Netzbetreibers 50 Hertz Transmission auf Eis. Der Baustopp „ist ein ermutigendes Zeichen für alle, die sich aus guten Gründen gegen das Großprojekt engagieren. Das bestärkt unsere Hoffnung, diese unsinnige Trasse doch noch verhindern zu können“, sagte Petra Enders.

Sie verwies erneut darauf, dass die Starkstromtrasse für die Durchleitung von Windstrom nicht notwendig ist: „Erstens wird so viel Windstrom im Süden gar nicht gebraucht, weil gerade dort, in Bayern und Baden-Württemberg, die Anstrengungen zur Erzeugung alternativer Energien spürbare Ergebnisse zeigen. Zum zweiten können eventuell im Höchstspannungsnetz auftretende Engpässe mit der Aufrüstung vorhandener Leitungen mit Hochtemperaturseilen und Freileitungsmonitoring behoben werden. Das ist nicht nur umwelt- und naturschonend, sondern auch billiger." Immerhin gebe es jetzt schon mehr als 37.000 Kilometer Höchstspannungsnetze und 1,8 Millionen Verteilernetze. „Die geplante Höchstspannungsleitung wird den Stromkunden nur eine weitere Preisrallye aufdrücken. Es darf kein zusätzliches Geld in eine antiquierte Netzarchitektur gesteckt werden“, forderte die Abgeordnete. Eine zusätzliche Belastung für Stromkunden müsse vermieden werden: Deutlich höhere Netzentgelte könnten verhindert werden, indem man das bestehende Stromnetz umbaut. Immerhin würden schon jetzt Netznutzungsentgelte mehr als 20 Prozent des Strompreises ausmachen. „Durch das Modernisieren bestehender Netze können sie für die Durchleitung regenerativer Energien fit gemacht werden. Wir brauchen einen Netzumbau und keinen Netzneubau!“, so Petra Enders.

Im Übrigen würde der Einsatz neuer Technologien für bestehende Leitungen, wie Hochtemperaturseile, Freileitungsmonitoring und regelbare Netze, nur ein Viertel des Neubaus der Trasse kosten. „Für eine Sache, die nicht nötig ist und nicht gebraucht ist, sollte kein Geld aus dem Fenster geworfen werden. Letztlich bezahlen diese Rechnung alle Stromkunden durch einen steigenden Energiepreis.“ Die Landtagsabgeordnete verwies darauf, dass auf dem Energiemarkt gegenwärtig eine massive Umverteilung bevorsteht. „Eine dezentrale Energieerzeugung und -verteilung widerspricht Konzerninteressen. Wir erleben derzeit ein Ringen um die Machtposition der Energieriesen und das mit allen Mitteln.“