Nr. 08/2012, Seite 6: Ökologisch äußerst bedenkliche Belastung

UmweltParlamentsreport

Wissenschaftliche Untersuchung der Auswirkungen von Kaliabwässern auf die Werra

Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen zur Neufestsetzung der Grenzwerte für die Werra im Bereich der Einleitung von Abwässern der Kali-Industrie betont die LINKE die Notwendigkeit von wissenschaftlichen Untersuchungen. „Wir haben die Landesregierung immer wieder dazu aufgefordert, aber unsere Anträge wurden abgelehnt und wertvolle Zeit ist verstrichen“, sagt die Umweltpolitikerin der Linksfraktion im Thüringer Landtag Katja Wolf. Sie sei daher besonders froh über die Promotion der Diplombiologin Marit Wagler an der Humboldt-Universität Berlin zu den Auswirkungen von Kaliabwässern auf Fische in der Werra, die von der Rosa-Luxemburg-Stiftung unterstützt wird.

Das Exposé der Promotion wurde am 16. April vorgestellt  bei einem Pressegespräch im Erfurter Landtag mit Frau Wagler sowie mit Reinhard Karol, Präsident des Verbandes für Angeln und Naturschutz Thüringen. Dazu eingeladen hatten die LINKEN Abgeordneten Katja Wolf und Tilo Kummer.

„Es hat keine wirklichen Fortschritte gegeben, im Gegenteil, die Lage hat sich aufgrund der extrem hohen Grenzwerte, die noch bis mindestens Ende des Jahres gelten, eher verschärft“, kritisierte die Umweltpolitikerin Katja Wolf. Die LINKE erhoffe sich, über den Weg einer Promotion  „zu deutlich klareren Aussagen zur Umweltbelastung der Werra durch die Einleitung von Kalilauge“ zu kommen.

Frau Wagler wird vor allem sensible Lebensstadien von Fischen in dem betroffenen Teil der Werra – „dem am stärksten industriell versalzten Fluss Europas“ – untersuchen und sich dabei auf den dreistachligen Stichling, die Plötze und den Zebrabärbling konzentrieren.

„Durch die Einleitung der Abwässer aus dem Kalibergbau kommt es zu einer stark verarmten Artenvielfalt. Besonders das ungünstige Kalzium-Magnesium-Verhältnis und die erhöhte Kaliumbelastung sind ökologisch äußerst bedenklich“, so die Diplombiologin, die mit ersten Ergebnissen ihrer Arbeit bis Endes des Jahres rechnet. Es bestehe die dringende Vermutung, dass auch die Reproduktion vieler Fischarten durch die Salzgehalte und die Verschiebungen in der Zusammensetzung der Metallionen erheblich beeinträchtigt sei.

Dass Kali+Salz auf Zeit spiele, aber schnellstens etwas getan werden müsse, um die Werra-Situation zu verbessern, betonte Reinhard Karol. Daher habe der Thüringer Landesverband für Angeln und Naturschutz gemeinsam mit der Linksfraktion nach Möglichkeiten gesucht, um den Druck auch mit Hilfe dieser wissenschaftlichen Arbeit zu erhöhen.

Dabei gehe es den Anglern nicht nur um die Verpressung der Kali-Lauge, „es sind auch die ‚tickenden Zeitbomben’, wie die großen Abraumhalden“, die ihnen erhebliche Sorge machen.

Dass die dringend notwendige Herabsetzung der Grenzwerte, die eigentlich bis Ende des Jahres erfolgen muss, durch die Landesregierungen von Thüringen und Hessen verzögert wird, befürchtet Tilo Kummer. Anderseits aber müsse auch entsprechend der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie dringend gehandelt werden.

A. Rudolph