Nr. 07/2013, Seite 8: Von Schule bis Betrieb: Bessere Koordination

Parlamentsreport

 

Berufsbildungstag der Linksfraktion erforschte Handlungsbedarf im Ausbildungsbereich

Die LINKE Bundestagsabgeordnete Agnes Alpers (Bremen) und verantwortliche SprecherInnen und MitarbeiterInnen aus den Landtagsfraktionen von Sachsen, Brandenburg, Thüringen und Hamburg trafen sich am 19. März in Erfurt, um sich über Ziele und Handlungsbedarf im Ausbildungsbereich zu verständigen.

Warum, so stand als Grundfrage über dem Treffen, ist es trotz der wesentlich besseren statistischen Relation von Ausbildungsplatzbewerbern und betrieblichen Angeboten und aller staatlichen Programme immer noch so, dass ein hoher Anteil der Jugendlichen nicht den Weg in eine Existenz sichernde berufliche Zukunft findet?

Bei einem Vor-Ort-Termin in der Jugendberufsförderung gGmbH in der Erfurter Storchmühle informierten sich die TeilnehmerInnen über die Strukturen und Probleme der Ausbildung von behinderten und benachteiligten Jugendlichen. Der Leiter der Einrichtung, Hans-Joachim Beder, stellte das Konzept einer wohnortnahen beruflichen Rehabilitation vor, das eine gute Verzahnung mit Betrieben und Bildungseinrichtungen des Territoriums gestattet – zum Vorteil der Jugendlichen: ein besonders hoher Anteil der hier Ausgebildeten kann im Anschluss mit einem der Qualifikation entsprechenden betrieblichen Arbeitsplatz rechnen, der die Begründung eines selbstbestimmten Lebens erlaubt.

Von der Politik wünscht sich die Einrichtung eine stabilere Förderstruktur, einen besser begleiteten Übergang von der Schule in Ausbildung und mehr Flexibilität bei der Anerkennung von Teilberufen, die für jeweils einige der hier ausgebildeten und betreuten Jugendlichen gute Startmöglichkeiten in eine berufliche Zukunft bietet. Der Rückgang der Zahl der Jugendlichen in den letzten Jahren sorgt allerdings dafür, dass nicht alle ausgebildeten Berufe so weitergeführt werden können.

Anders das Bild in der Lehrwerkstatt der Schuler Pressen GmbH, einer der wenigen mittelgroßen metallverarbeitenden Betriebe in Erfurt. Die in der Metallbranche gezahlten Ausbildungsentgelte und die sehr guten Übernahmechancen sicherten dem Betrieb immer die Möglichkeit, aus vielen Bewerbern auswählen zu können. Trotzdem, so wurde betont, bekommen im Betrieb auch Schulabgänger mit nicht so guten Leistungen eine Chance und werden entsprechend unterstützt. Mit einer guten Perspektive gelingt es so manchem eben erst in der Ausbildung, die eigenen Potentiale richtig zu erkennen und zu entwickeln.

Am Nachmittag diskutierte die Runde in einem Fachgespräch mit Vertretern von Institutionen und Akteuren im Ausbildungsbereich. Eingeladen waren die IHK, die Jugendberufshilfe, die Arbeitsagentur, das Thüringer Wirtschaftsministerium und die IG Metall. Nach einer kritischen Einleitung durch Michael Backhaus (Jugendberufshilfe) und einer ausführlichen Diskussion wurde zusammenfassend festgestellt, dass es neben den Grundproblemen am Arbeitsmarkt (fehlende Mindestlöhne, die besonders in einigen Branchen den Nachwuchs regelrecht abschrecken und zu hohen Abbrecherquoten führen) auch „hausgemachte“ Probleme im Ausbildungsbereich gibt, die ebenfalls dringend angefasst werden müssen.

So führt die 2010 vorgenommene Abschaffung der Berufsschulpflicht zugunsten einer Verlängerung der Schulpflicht dazu, dass es Berufsschulen und Ausbildungsträger noch schwerer haben, an diejenigen Jugendlichen heranzukommen, die nach ihrer Schulzeit aufgrund des Mangels an konkreten Vorstellungen gar keine berufliche Perspektive ansteuern.

Hier geht es um eine bessere Koordinierung aller Institutionen und Träger, von der Schule bis zum Betrieb, und um klare Strukturen in der Berufsvorbereitung und an den Übergängen Schule-Ausbildung und Ausbildung-Beruf. Insgesamt, so schätzten alle Teilnehmer der Linksfraktionen ein, hat der Berufsbildungstag viel zum Nachdenken und Tätigwerden für unsere Politik geboten. Ganz sicher wird bereits in den nächsten Wochen das eine oder andere Ergebnis zu sehen sein.

Steffen Kachel

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