Nr. 07/2012: Das Theater Eisenach in höchster Gefahr

ParlamentsreportKultur

NACHGEFRAGT bei Katja Wolf, im Wahlkreis Eisenach direkt in den Landtag gewählt

 

Im Aktuellen Interview betont Katja Wolf, die 2009 im Wahlkreis Eisenach direkt in den Landtag gewählt wurde, die Notwendigkeit finanzieller Hilfe des Landes für das Theater der Wartburgstadt. Derzeit lasse die Landesregierung die Stadt allerdings „völlig im Regen stehen“. Die LINKE unterstützt die Proteste vor Ort, die Eisenacher Landtagsabgeordnete steht persönlich im Kontakt mit den Akteuren, um eine Lösung für das Theater zu finden.

 

Das traditionsreiche Theater Eisenach ist in Gefahr. Wie sieht die Situation vor Ort aus?

 

Die Aufregung ist natürlich sehr groß, zumal die Situation nicht gänzlich klar ist. Wir haben auf der einen Seite  einen bestehenden Vertrag, der mit dem Theater geschlossen wurde und über das Jahr 2012 hinaus gilt und erst Ende 2013 ausläuft, haben auf der anderen Seite aber nicht die Möglichkeit, die knapp zwei Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, die die Stadt als eigenen Beitrag leisten muss. Das Geld müsste logischerweise vom Land kommen - es gibt einen bestehenden Vertrag. Das tut es aber derzeitig nicht und deshalb steht das große Fragezeichen, wie es nun weitergeht.

 

Sie haben der Landesregierung „parteitaktische Spielchen“ vorgeworfen, inwiefern?

 

Man lässt Eisenach völlig im Regen stehen. Auf der einen Seite scheut man sich vor notwendigen Entscheidungen, um die finanzielle Situation der Stadt zu entspannen oder zumindest wieder halbwegs erträglich zu gestalten. Um es klar zu sagen: die Aufhebung der Kreisfreiheit Eisenachs ist dringend geboten, davor scheut man sich aber auf Landesebene, weil man mit einer Gebietsreform nicht beginnen möchte. Auf der anderen Seite wird das Defizit Eisenachs nicht getilgt, so dass sich da die Katze in den Schwanz beißt. Eisenach ist aus eigener Kraft nicht in der Lage, seinen Haushalt auszugleichen – selbst wenn wir alle freiwilligen Aufgaben streichen würden. Wenn man nicht den Mut hat, die Kreisfreiheit wieder abzuschaffen, um Eisenach in eine handlungsfähige Situation zu bringen, dann muss man in der logischen Konsequenz die Finanzierung auch des Theaters sichern.


Sind parlamentarische Aktivitäten geplant?

 

Wir prüfen gerade, wie wir das Thema in den Fachausschuss des Landtags holen, um dort von der Landesregierung ein Bekenntnis zum Theater Eisenach zu bekommen. Außerdem wird im Moment ein Plenarantrag erarbeitet, um das Ganze auf die Landesebene zu heben.

 

Das Gespräch führte Stefan Wogawa

 

Dr. Birgit Klaubert, Kultur-politikerin der Linksfraktion:

 

„Seit Jahren zeichnet sich in Thüringen ein Zustand ab, der eigentlich nur noch eine Beschreibung verdient: Kulturkannibalismus. Viele Kommunen müssen sich aufgrund wirtschaftlicher Zwänge fragen, wieviel Kultur man sich ‚leisten’ kann und will. Die Leidtragenden sind zuerst die Kunst- und Kulturschaffenden selbst. Mit großem Engagement versuchen sie, ihre wichtige Arbeit aufrecht zu erhalten und gleichzeitig einer wachsenden ‚Kulturverdrossenheit’ entgegen zu wirken. Ohne Zweifel muss eine bessere und vor allem eine gerechtere Basis für den Erhalt aller Theater und Orchester geschaffen werden. Es gilt, gegen Kürzungen und Willkürlichkeiten zu protestieren und deutlich zu machen, dass auch das Land in der Pflicht steht. Die LINKE arbeitet seit Jahren an Vorschlägen und Lösungswegen für eine Kulturfinanzierung, die die Kommunen entlastet und die Kultureinrichtungen stärkt.“

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