Nr. 05/2014, Seite 6: Doppelte Benachteiligung von Frauen beenden

Parlamentsreport

Frauen, die eine starke Interessenvertretung wollen, „müssen bei den diesjährigen Wahlen in den Kommunen, für Europa und für den Landtag DIE LINKE wählen“, sagte Karola Stange, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Landtag, anlässlich des diesjährigen Internationalen Frauentags und betonte namens der Linksfraktion: „Wir kämpfen mit Frauen für Frauen.“

„DIE LINKE sei Sprachrohr für alle Frauen und ihre z.T. existenziellen Probleme, die sich z.B. daraus ergeben, dass sie im Alter benachteiligt sind, weil sie in der DDR geschieden wurden, oder dass sie als Führungskräfte an die gläserne Decke stoßen, vor einem prügelnden Partner ins Frauenhaus fliehen müssen oder als Frauen im Gesundheitssystem richtig behandelt werden wollen.

„Die Hälfte unserer Listenplätze ist für Frauen reserviert“, sagte Karola Stange. „Das führt dazu, dass wir nicht nur Sozialpolitikerinnen haben, sondern z.B. auch Frauen, die für Innen-, Justiz- oder Landwirtschaftspolitik zuständig sind oder sich um den NSU-Untersuchungsausschuss kümmern.“ Wählerinnen könnten sich also sicher sein, dass ihre Interessen umfassend vertreten werden.

Die arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Ina Leukefeld sagte: „Vor 20 Jahren hörte sich die Losung ,Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd' fast wie ein Schlachtruf an. Die Herren aus dem Westen machten sich lustig über die ungebrochene Erwerbsneigung der ostdeutschen Frauen. Heute haben wir in Thüringen zwar eine hohe Frauen-Erwerbsquote, aber unter den Vollzeitbeschäftigten sieht es mau aus.“ Bei der Frauenbeschäftigung, also dem Prozentsatz aller sozialversicherten weiblichen Erwerbspersonen zwischen 15 und 65 Jahren, liegen nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit die neuen Bundesländer deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 49,4 Prozent. Thüringen nimmt nach Sachsen (56,5 Prozent), den zweiten Platz mit 55,9 Prozent ein und liegt noch vor Brandenburg (55,7), Sachsen-Anhalt (54,9) und Mecklenburg-Vorpommern (54,1).

„Jubel kommt dennoch nicht auf, denn Frauenerwerbstätigkeit ist meist prekär und schlecht bezahlt“, so Ina Leukefeld. Wie jetzt die Regionaldirektion für Arbeit vermeldete, sind unter den rund 475.000 Vollzeitbeschäftigten im Freistaat etwa 165.000 Frauen. Sie sind vor allem in den unteren Einkommensgruppen vertreten. Dabei dominieren ungewollte Teilzeit und  Minijobs in geringfügiger Beschäftigung. Die Zahl derjenigen Menschen, die neben einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung noch einen Minijob ausüben müssen, hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

„Die Einkommenssituation von Frauen ist deutlich schlechter als die der Männer. Die Lohndifferenz beträgt noch immer im Durchschnitt mehr als 20 Prozent“, kritisierte die LINKE-Abgeordnete. Das hängt auch damit zusammen, dass ein Großteil der Frauen in Branchen arbeitet, die relativ geringe Löhne zahlen. Dazu gehören Pflegeberufe, das Hotel- und Gaststättengewerbe und der Dienstleistungsbereich. Frauen erhalten zudem seltener Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder eine Gewinnbeteiligung. Während Männern häufiger Weiterbildungen angeboten werden, machen Frauen Weiterbildungen verstärkt auf eigene Kosten.

Die LINKE Politikerin stellte fest, dass Frauen laut jüngster Studie über die Verteilung des Vermögens lediglich über 72 Prozent des Durchschnittsvermögens der Männer verfügen. In Ostdeutschland ist der Durchschnitt zudem mit 8000 Euro weitaus niedriger als im Westen mit 21000 Euro. „Dieser Unterschied bleibt also auch nach über zwei Jahrzehnten deutscher Einheit immens. Auch daran wollen wir anlässlich des Frauentages erinnern, denn eine doppelte Benachteiligung der ostdeutschen Frauen können und wollen wir nicht länger hinnehmen.“      

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