Nr. 04/2013, Seite 5: Neonazis und Rassisten die rote Karte zeigen
Katharina König: Neonazis in Thüringen wollen im Sportbereich Anhänger gewinnen
Katharina König begrüßt die Absage mehrerer Thüringer Fanclubs und Fußballvereine an die NPD, welche in den letzten Wochen durch Schreiben mit vermeintlichen Solidaritätsbekundungen auf Stimmenfang in der Fanszene gegangen war. „Allerdings mangelt es noch in vielen Bereichen an der notwendigen Sensibilisierung“, so die Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion im Landtag.
Neonazis versuchen in Thüringen seit Jahren, im Sportbereich neue Anhänger zu gewinnen: „Als Teil der Normalisierungsstrategie sind NPD und Neonazis bemüht, gerade auch in Fußballclubs und Fanvereinen durch Mitbeteiligung und den Aufbau von Vertrauenspositionen ihre rassistische und menschenverachtende Ideologie als ganz normale Meinung darzustellen“, so die Abgeordnete weiter.
So versuchten sie erst kürzlich, an einem Hallenturnier mit acht Freizeitfußball-Mannschaften in Sonneberg teilzunehmen Sie traten ungeniert als Team „Unbeliebte Jungs“ mit dem Namen einer regionalen Rechtsrock-Band auf. Der Sänger der Band war mit von der Partie, er besitzt seit Jahren eine Schiedsrichterlizenz und bemüht sich gerade um eine Verlängerung. Zwei Tage vor dem Turnier wurde die Gruppe dann doch noch ausgeladen.
Am gleichen Wochenende kam es am nördlichen Ende Thüringens zum Spiel zwischen RSV Göttingen 05 und FSV Wacker 90 Nordhausen, bei dem die Göttinger Fans die Teilnahme am Spiel boykottierten, da sich unter den Wacker-Anhängern eine nicht unerhebliche Anzahl von gewaltbereiten Neonazis befand. Bereits vor fünf Jahren gründeten Südthüringer NPD-Funktionäre einen eigenen Sportverein unter dem Namen „SV Germania Hildburghausen“. Gegenwärtig gibt es noch weitere Verbindungen von Neonazis in Thüringer Fangruppen bis hin zum Hooliganmilieu.
„Es wird verharmlost, geschwiegen und ignoriert“
Beispielsweise über den Altenburger Neonazi Thomas Gerlach, bei dem die Frankfurter Rundschau erst vor kurzem illegale Waffengeschäfte für ausländische militante Nazi-Organisationen aufdeckte. Er betreut die Internetseite der Fangruppe „Lucka Supportes“ vom Ostthüringer FSV Lucka. Auch im Bereich Erfurt-Weimar gibt es Überschneidungen zwischen Fußball- & Hooligangruppierungen und organisierter Neonazi-Szene.
Der Veranstalter und Neonazi Michael Fischer, der eine Vielzahl von Neonazi-Demonstrationen in den letzten Monaten durchgeführt hat, gehört auch dem Umfeld der rechten Hooligangruppe „Kategorie Erfurt“ an. Personen aus diesem Kreis unterstützten Fischer bei dessen Neonazi-Aufmarsch in Weimar vor ein paar Wochen. Der Neonazi ist führender Kopf der Freien Kameradschaftsszene im Weimarer Land und scheiterte Anfang September letzten Jahres bei dem Versuch, mit zwei Busladungen voller Neonazis bei einem Spiel im Erfurter Steigerwaldstadion aufzumarschieren, um dort Neonazi-Propaganda zu verbreiten.
Katharina König warnt davor, den Blickwinkel nur auf den Fußball zu richten: „Rassistisches und nationalistisches Gedankengut ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch im übrigen Sportbereich zu finden ist. Organisierte Neonazis sind auch im Kampf- und Kraftsport oder beim Turnen aktiv, nicht selten, um sich kommunal zu verankern.“ Die Abgeordnete verweist auf zwei NPD-Funktionäre in Sonneberg und Rudolstadt. Der erste sitzt für die NPD im Kreistag und profiliert sich im Hundesportverein, der zweite war im letzten Jahr NPD-Bürgermeisterkandidat und Redakteur einer NPD-Zeitung, er ist Sportler in einem Saalfelder Turnverein und erhielt sogar das Ehrenzeichen des Thüringer Turnverbandes.
„Sport, egal in welcher Art und Altersklasse, gehört genauso zur rechten Erlebniswelt, wie Rechtsrock-Konzerte und Neonaziaufmärsche. Zwar ist die Aufmerksamkeit bereits gewachsen, doch in zahlreichen Verbänden und Clubs fehlt weiterhin die Sensibilisierung. Es wird verharmlost, geschwiegen und ignoriert. Dagegen gilt es anzukämpfen und Neonazis aus dem Sport zurückzudrängen“, betont die Abgeordnete der LINKEN.
Dateien
- PR04 s05
PDF-Datei (211 KB)
