Nr. 03/2014, Seite 10: „Mit Behinderungen zu rechnen“ - Neue Ausstellung in der Fraktionsgalerie der LINKEN mit Cartoons von Philipp Hubbe

Parlamentsreport

Lachen ist hier nicht nur erlaubt, bei Philipp Hubbes Cartoons kann man gar nicht anders – und hält doch inne, denn die Bilder seiner Ausstellung „Mit Behinderungen ist zu rechnen“ zeigen die z.T. enormen Alltagsprobleme von Menschen mit Behinderungen.
Zur Eröffnung der Schau  in der Fraktionsgalerie der LINKEN konnte Bodo Ramelow den Künstler persönlich begrüßen. Phil Hubbe ist Cartoonist, Illustrator, Pressezeichner und hat seit zwanzig Jahren Multiple Sklerose. „Seine politischen Cartoons sind bundesweit gefragt, seine Cartoons zu Behinderungen eher weniger“, sagte Maik Nothnagel, inklusionspolitischer Sprecher der Linksfraktion. Doch die „Behinderten-Cartoons“, wie sie Phil Hubbe  selbst bezeichnet, stoßen zunehmend auf Resonanz, dafür stehen die erfolgreichen Ausstellungen (auch bereits im Thüringer Landtag) und Buchveröffentlichungen.

Maik Nothnagel hatte bei der Ausstellungseröffnung Philipp Hubbe gewürdigt und über sein Leben berichtet:
„Erste Veröffentlichungen waren im Magazin Handicap erschienen. Obwohl politische Themen das eigentliche Zuhause des 47-jährigen Cartoonisten sind (2002 erhielt er den Deutschen Preis für politische Karikatur), liegen ihm Behinderten-Cartoons besonders am Herzen. Phil Hubbe wurde 1966 in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) geboren.  Die Diagnose MS erhielt er 1988. Der behandelnde Arzt riet ihm, mit dem Zeichnen aufzuhören. ‘Vom logischen Standpunkt her war das sicher ein guter Rat’, sagt Phil Hubbe. ‘Da es mir nach der Kortisontherapie relativ gut ging, zeichnete ich aber weiter.’ Er versuchte sich nach abgebrochenem Mathematikstudium u.a. als Schichtarbeiter in einer Keramikfabrik und als Wirtschaftskaufmann. Zeichnen blieb seine Leidenschaft. 1992 gelang ihm der Durchbruch, er bekam Aufträge von Tageszeitungen, Werbeagenturen und gelegentlich sogar von Ministerien.

Phil Hubbe sieht man seine Krankheit nicht an. Trotzdem schränkt ihn die Behinderung ein. Seine ersten Behinderten-Cartoons schickte er an eine Behindertengruppe, weckte ihr Interesse und bekam weitere Anregungen. Der Cartoonist bezeichnet sich als ein Freund des schwarzen britischen Humor und versucht, dies in seinen Karikaturen umzusetzen. Betroffene gehen mit Behinderten-Cartoons völlig selbstverständlich um. Andere reagieren oft verhalten, wissen nicht, ob sie lachen sollen. So ist es auch bei der Presse.

„Das Leben des Rainer“ oder „Die Lizenz zum Parken“

‘Die Schranke im Kopf ist fatal’, betont Phil. ‘Behinderte wollen wie Nicht-Behinderte behandelt werden, man darf also auch über sie lachen.’ 2004 erschien das erste Buch mit Behinderten-Karikaturen unter dem Titel ‚Der Stuhl des Manitou‘. Den mühsamen Weg zu diesem Buch beschreibt Phil Hubbe sehr anschaulich: ‘Ich habe beim Lappan-Verlag zwei Jahre lang angeklopft. Die Zeichnungen lagen über ein Jahr dort, ehe sich etwas tat. Und dann dauerte es noch mal gut ein Jahr bis zur Veröffentlichung.’ Das Buch war ein Erfolg, 2006 wurde das zweite Buch mit dem Titel ‘Der letzte Mohikaner’ veröffentlicht. Im gleichen Jahr wurde Hubbe mit dem Hertie-Preis für Engagement und Selbsthilfe ausgezeichnet.
2009 erschien ‘Das Leben des Rainer’ und 2011 ‘Der Stein des Sisyphos’. Seine bisher letzte Buchveröffentlichung in der Reihe ‘Behinderten Cartoons’ ist der Band ‘Die Lizenz zum Parken’. Nicht unerwähnt sollen die Handicaps-Kalender sein, die seit 2007 von ihm herausgegeben werden.
Phil Hubbe hat es geschafft. Er geht seiner Lieblingsbeschäftigung nach. Er zeichnet zu aktuellen Themen aus Politik, Umwelt, Wirtschaft, Sozialem und zum Thema Behinderung. Er hat offensichtlich Spaß am Leben. Und er macht anderen Mut.“

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