Nr. 03/2013, Seite 9: „Befristungsunwesen“ an den Hochschulen

Parlamentsreport

Susanne Hennig und Torsten Wolf zu Analysen über die Situation der Beschäftigten

Die Ergebnisse einer Online-Befragung der Thüringer Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu den Arbeitsbedingungen und den Umfang der Lehraufgaben von Beschäftigten aus allen Hochschulen sowie einigen Forschungseinrichtungen in Thüringen und die Antworten der Landesregierung auf die Große Anfrage der Linksfraktion zu den Beschäftigungsverhältnissen an Hochschulen standen jetzt im Mittelpunkt eines gemeinsamen Pressegesprächs.

Torsten Wolf, GEW-Landesvorsitzender, und Susanne Hennig, Bildungspolitikerin der Fraktion DIE LINKE, machten anhand der vorliegenden Zahlen und Fakten die untragbare Situation deutlich.
 Besonders die Beschäftigten unter 35 Jahren sind von den schlechten Arbeitsbedingungen betroffen. 94 Prozent von ihnen sind befristet, häufig nur zwei bis drei Semester, eingestellt. Hinzu kommt, dass auch der Anteil an Teilzeit mit Umfängen von weniger als 60 Prozent  fast dreimal so hoch ist wie der Anteil der älteren Beschäftigten.  „Das verhindert eine abgesicherte berufliche Perspektive gerade im Berufseinstieg und hat gravierende Folgen vor allem für Frauen und bei der Familienplanung“, so Torsten Wolf, der unterstrich: „Das Befristungsunwesen an den Thüringer Hochschulen ist ein großes.“ Entsprechend gering fällt nach den Ergebnissen der Befragung die Zufriedenheit mit der Thüringer Hochschulpolitik aus. 74 Prozent gaben an, unzufrieden oder sehr unzufrieden damit zu sein. „Die unzureichende Finanzierung der Hochschulen in Thüringen wird auf dem Rücken der Beschäftigten und damit zulasten von Forschung und Lehre ausgetragen“, betonte Susanne Hennig.

Und der GEW-Chef lenkte den Blick insbesondere auf die Personalstrukturentwicklung unterhalb der Professorenebene: 

„Die Fokussierung auf Junior- und Assistenzprofessuren, wie bei der geplanten Novellierung des Thüringer Hochschulgesetzes, reicht da nicht aus. Das unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis muss an den Hochschulen der Normalfall sein - Dauerstellen für Daueraufgaben“, forderte Torsten Wolf.

Exemplarisch für die Situation der studentischen Beschäftigten verwies Susanne Hennig auf die Friedrich-Schiller-Universität Jena mit 490 Stellen für wissenschaftliche Hilfskräfte und 940 für studentische Hilfskräfte. „Sie erbingen durchschnittlich über ein Viertel aller Arbeitsstunden an der Hochschule - jedoch zu prekären Bedingungen. Hinzu kommt, dass die studentischen Beschäftigten fast ausschließlich befristete Verträge von unter einem Jahr erhalten, und das obwohl sie zum Teil den Wissenschaftsbetrieb aufrecht erhalten.“
Die LINKE Bildungspolitikerin machte beim Pressegespräch darauf aufmerksam, dass die Linksfraktion die Große Anfrage zu den Beschäftigungsverhältnissen an Thüringer Hochschulen im Frühjahr im Landtag beraten lassen wird sowie eine breite Anhörung im Bildungsausschuss  dazu anstrebt. Dies sei auch notwendig vor dem Hintergrund, dass zum Ende des Jahres dem Landtag die Struktur- und Entwicklungspläne der Hochschulen vorgelegt werden sollen.
Torsten Wolf, der gegenüber den Journalisten die Forderung nach Widereinführung der Vermögenssteuer und den vollständigen Einsatz der Einnahmen zugunsten der Ausfinanzierung aller Bildungsbereiche hervorgehoben hatte, kündigte an, dass zur 21.

GEW-Landeshochschulkonferenz, die am 13. April an der Bauhaus-Universität Weimar stattfindet, weitere detaillierte Auswertungen der Online-Befragung vorgestellt werden.        

A. Rudolph   

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