Nr. 02/2015, Seite 6: 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz

Parlamentsreport

AfD-Provokation/Abgeordnete zollen Stiftungsdirektor Volkhard Knigge Respekt

Nachdem öffentlich geworden war, dass die Alternative für Deutschland (AfD) am 27. Januar, dem Gedenktag für die NS-Opfer, in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald einen Kranz niederlegen wollte mit einer Inschrift, die sich an alle „Opfer des Konzentrations- und Speziallagers Buchenwald“ richtete, hatte Stiftungsdirektor Volkhard Knigge der Partei eine entschiedene Absage erteilt.

Damit wären nicht nur Häftlinge der Nazis, sondern auch nach dem Krieg internierte NS-Verbrecher eingeschlossen. „Wir werden nicht zulassen, dass an diesem Tag in dieser relativistischen Manier den Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers ins Gesicht geschlagen wird“, wurde Volkhard Knigge am 21. Januar bei der Nachrichtenagentur dpa zitiert. „Es geht nicht darum, zwischen Opfern erster und zweiter Klasse zu unterscheiden - sondern es geht darum, ernst zu nehmen, dass die sowjetischen Speziallager Kriegsfolge waren. Es geht darum, ernst zu nehmen, dass es hier auch NS-belastete Internierte gegeben hat neben den vielen nicht belasteten“, so Volkhard Knigge im MDR-Thüringenjournal.

Die Abgeordneten Katharina König (DIE LINKE), Diana Lehmann (SPD) und Madeleine Henfling (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) bedankten sich für die konsequente und eindeutige Haltung des Stiftungsdirektors der Buchenwald-Gedenkstätte, da die von der AfD ursprünglich geplante Kranzinschrift, den Holocaust relativiere und die Opfer der Shoah und des Stalinismus gleichsetze. Der Versuch der AfD, die in ihrer Schrecklichkeit singulären Verbrechen zu relativieren, stellt eine Verhöhnung der Millionen Opfer des Nationalsozialismus dar.

Auch die erfolgte Änderung lässt nicht im Ansatz erkennen, dass der AfD ein Gedenken der NS-Opfer wichtig wäre

„Am 27. Januar 1945 wurde Auschwitz befreit, seit 1996 ist der 27. Januar bundesweiter Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, seit 2005 internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust. 70 Jahre nach der Befreiung von Auschwitz-Birkenau ist angesichts der Millionen Opfer das Auftreten der AfD als purer Zynismus zu bewerten“, betonten die Abgeordneten.

Höcke reagierte verärgert auf die Öffentlichkeitsarbeit der KZ-Gedenkstätte. Es sei unerträglich, wie eine „von Steuergeld finanzierte Institution die Kommunikation mit seiner Fraktion" verweigere. Der Reflex und die Hysterie hätten bei Knigge über den gesunden Menschenverstand gesiegt, warf der AfD-Politiker - und, dies sei ausdrücklich hinzugefügt, Gymnasiallehrer für Geschichte - dem Gedenkstättenleiter vor.

Schließlich hieß es am 23. Januar, dass die AfD nun doch einen Kranz in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald niederlegen könne. Auf der Schleife für den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar solle einfach «In stillem Gedenken» stehen, sagte eine Sprecherin der AfD-Fraktion. Stiftungsdirektor Volkhard Knigge sagte der dpa: „Der Text ist eine absolute Leerformel“, er erfülle ihn mit „leisem Entsetzen“. Er beziehe keine eindeutige Stellung zur NS-Zeit und den Konzentrationslagern. Knigge warf der AfD „eine Flucht vor der Verantwortung“ vor. Er müsse aber diesen dritten Text akzeptieren. Auch die aufgrund der deutlichen Ablehnung durch die Gedenkstätte Buchenwald erfolgte Änderung des Kranzspruches lässt nicht erkennen, dass der AfD ein Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus auch nur im Ansatz wichtig wäre.

„Die Teilnahme der AfD an der Gedenkveranstaltung in der Gedenkstätte ist allein schon deshalb eine unerträgliche Provokation“, so Katharina König, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag.

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