Nr. 01/2012: Durch die Versenkung von Kali-Lauge entstehen enorme weitere Risiken
LINKE Abgeordnete fordern Landesregierung auf, eine Klage des Freistaates gegen die Versenkerlaubnis zu prüfen
Das Interesse der Journalisten an der Pressekonferenz zur Problematik Erdfall Tiefenort und mögliche Zusammenhänge mit der Versenkung von Kaliabwässern, zu der Katja Wolf und Tilo Kummer am 6. Januar in den Landtag nach Erfurt eingeladen hatten, war sehr groß.
Die beiden Abgeordneten der Linksfraktion – sie beschäftigen sich schon seit Jahren mit diesen Themen – berichteten über ihre erst kurz zuvor in Tiefenort geführten Gespräche mit den Bürgern vom Erdfallhilfeverein und dem Bürgermeister.
Schwarzer Peter wird hin- und her geschoben
Die Enttäuschung in Tiefenort - die Gemeinde an der Werra gehört zum Wartburgkreis - ist groß, dass sie über die ersten Ergebnisse der nun endlich abgeschlossenen Tiefenbohrung noch nicht informiert wurden, sagte Katja Wolf, Umweltpolitikerin der Fraktion. Die Tiefenorter hätten das Gefühl in der Luft zu hängen und mit ihren Problemen aus dem Blick geraten zu sein.
Nach einem sogenannten Erdfall, bei dem die Erde um zwei Meter abgesackt war, mussten 13 Menschen aus Sicherheitsgründen aus ihren Häusern ausziehen. Tiefenort liegt in einem ehemaligen Bergbaugebiet, wo vor allem Kalisalz gefördert wurde. Jedoch kam ein im Auftrag der Landesregierung erstelltes Gutachten damals zu dem Ergebnis, dass der Erdfall eine natürliche Ursache habe.
Katja Wolf kritisierte beim Pressegespräch, dass jetzt der Schwarze Peter zwischen dem Land Thüringen, dem Landkreis und dem Unternehmen Kali+Salz hin und her geschoben wird. Daher sei es angebracht und notwendig, dass sich auch der Umweltausschuss des Landtags direkt in Tiefenort ein Bild von der Situation macht. Dafür werde sich jedenfalls die LINKE einsetzen.
Vor dem Hintergrund neuer Erkenntnisse zu den Wirkungen von Kalilauge im Kalk- und Gipsgestein mit der Folge von langfristig wirkenden Veränderungen in der Zusammensetzung des Untergrunds, forderte Tilo Kummer die Thüringer Landesregierung auf, zu prüfen, „ob der Freistaat nicht doch gegen die Versenkerlaubnis klagen kann“. Weitere Risiken für die Bevölkerung dürften nicht in Kauf genommen werden. In einer ersten Reaktion warnte allerdings das Thüringer Umweltministerium vor voreiligen Schlussfolgerungen. Auch wenn die Tiefenbohrungen abgeschlossen seien, lägen die endgültigen Ergebnisse der Wasseruntersuchung noch nicht vor, hieß es. Mit Ergebnissen sei erst in den kommenden Monaten zu rechnen.
Trotz massiven Widerstands von Bürgerinitiativen, von Grünen und LINKEN aus Hessen und Thüringen - selbst das Thüringer Verwaltungsamt hatte Bedenken angemeldet - hatte vor wenigen Wochen das Regierungspräsidium Kassel dem Unternehmen K+S erneut eine Versenkerlaubnis für die bei der Kaliproduktion entstehenden Laugen erteilt – für 18 Millionen Kubikmeter Kalilauge in den nächsten fünf Jahren. Auf thüringischer Seite darf der Konzern kein Laugenabwasser mehr in die unterirdischen Gesteinsschichten versenken.
Gefährdungen, die Hunderte von Jahren bestehen
Das Auftreten der Lauge, deren Zusammensetzung der des Kali-Abwassers aus Hessen ähnele, im Kalk- und Gipsgestein bedeute zwar momentan keine aktuelle Gefahr für die Region. Längerfristig sei aber die Standfestigkeit von Grubengebäuden gefährdet und es müsse mit weiteren Erdfällen gerechnet werden, führten die beiden Abgeordneten der Linksfraktion aus.
Auf Nachfrage der Journalisten betonte Tilo Kummer, er sei sicher, dass in diesem Zusammenhang noch viel zu untersuchen sei, „aber es kann nicht sein, dass zwischenzeitlich weiter Kali-Lauge versenkt wird“ - auch oder gerade weil die Auswirkungen nicht unmittelbar sichtbar sind, „sondern oft erst nach Jahren spürbar werden“.
„Wir sprechen von Gefährdungen, die noch für Hunderte von Jahren bestehen“, unterstrich Katja Wolf.
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