Nr. 01/2015, Seite 10: Studierende und Beschäftigte einbeziehen
Mit einem „Investitionsprogramm Lehre“ für bessere Studienbedingungen in Thüringen
Mit der am 6. Januar auf den Weg gebrachten Verwaltungsvereinbarung zur dritten Programmphase des Hochschulpaktes 2020 wurde ein erster Grundstein zur weiteren Finanzierung der Hochschulen gelegt.
„Die von Minister Tiefensee geplante Rückstellung von 20 Millionen Euro als Risikoreserve für mögliche Rückzahlungen an den Bund darf allerdings nicht zu Lasten der Hochschulen gehen“, gab Christian Schaft, Abgeordneter der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag, zu bedenken.
Zu begrüßen ist, dass mit den 36 Millionen Euro für das „Investitionsprogramm Lehre“ und die pauschal fließenden 25 Millionen Euro für die Hochschulen erste Möglichkeiten geschaffen werden, um die Studienbedingungen konkret zu verbessern. „Dazu ist es allerdings notwendig, dass die Studierenden und Beschäftigten mit in die Diskussion um die Mittelverwendung eingebunden werden, da sie am besten wissen, wo der Schuh drückt“.
So hatte die Konferenz Thüringer Studierendenschaften (KTS) Ende Dezember darauf hingewiesen, dass es aufgrund vakanter Stellen, einer Überbelastung der Lehrenden und formalrechtlicher Hindernisse Studierenden oft nicht möglich ist, ihr Studium in Regelstudienzeit abzuschließen. Teilweise können Prüfungsleistungen nicht wie vorgesehen abgelegt oder Lehrveranstaltungen nicht besucht werden. So gebe es erhebliche Probleme an der TU Ilmenau, wo bspw. nur 5,8 Prozent der BA-Studierenden im Sommer 2013 ihr Studium in Regelstudienzeit beenden konnten. An anderen Hochschulen zeichnet sich ein ebenso bedenkliches Bild ab, wenn dort nur zwischen 30 und 70 Prozent der Studierenden in Regelstudienzeit fertig werden. „Hier muss mit den nun bereitgestellten Mitteln eine Verbesserung der Situation erzielt werden“, unterstrich der LINKE-Abgeordnete.
Anstrengungen notwendig, um Profilbildung zu erhöhen
Zudem müsse ernsthaft über das Konzept der Regelstudienzeit diskutiert werden. „Diese sollte - wie ursprünglich gedacht - wieder eine Garantie für die Studierenden sein, ein Studium in einer gewissen Zeit abschließen zu können. Stattdessen wurde sie in den vergangenen Jahren immer mehr zu einem repressiven Instrument, das die Studierenden zunehmend unter Druck setzte und zudem den individuellen Lerntypen und den Lebensumständen nicht gerecht wurde“, konstatierte Christian Schaft.
Auf einer Regierungsmedienkonferenz am 6. Januar hatte Thüringens Wissenschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) angekündigt, mit einem eigenen „Investitionsprogramm Lehre“ die Rahmenbedingungen für die akademische Ausbildung in Thüringen verbessern zu wollen. Die 36 Millionen Euro sollen vor allem zur Sanierung von Lehrgebäuden oder für die Anschaffung von Geräten und Lehrmitteln verwandt werden. Das Programm soll finanziert werden aus Mitteln des „Hochschulpakts 2020“, aus dem Thüringen in den Jahren 2016 bis 2020 zusätzlich rund 210 Millionen Euro zur Verfügung stehen.
Es gehe darum, die vorhandenen Studienplätze zu sichern und die Qualität von Forschung und Lehre weiter zu verbessern, sagte der Minister. Insbesondere müssten die Studienanfängerzahlen in den kommenden Jahren zumindest konstant gehalten werden. Was den Einsatz der Gelder aus dem Hochschulpakt 2020 betrifft, will sich Tiefensee „selbstverständlich eng mit den Hochschulen abstimmen“, er stehe zu den Finanzierungszusagen im Rahmen der Hochschulstrategie 2020 des Landes. Es seien zudem Anstrengungen notwendig, um die Profilbildung der einzelnen Standorte zu erhöhen mit einer klaren Schwerpunktsetzung bei Forschung und Lehre. Ebenfalls auf der Tagesordnung stehe eine stärkere Kooperation bei Bibliotheken, Rechenzentren oder Verwaltung. Ziel des Ministers ist es, dass bis Mitte des Jahres die Eckpunkte der neuen Rahmenvereinbarung stehen.
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