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Eine der Ersten im Thüringer Landtag - Käte Dunckers Enkelin spricht im Sitzungssaal der Linksfraktion

Im Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten Mal zur deutschen Nationalversammlung wählen. Vor allem waren es zuvor Personen aus der bür­ger­li­chen Frau­en­be­we­gung, die das ein­ge­schränk­te Wahl­recht für Rei­che und Ge­bil­de­te und das volle Wahlrecht für Frauen for­der­ten. Auf der ersten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz 1907 in Stuttgart legten Sozialistinnen eine einheitliche Richtung für den Frauenwahlrechtskampf fest. Die Parteien aller Länder verpflichteten sich daraufhin engagiert für das uneingeschränkte allgemeine Frauenwahlrechts einzustehen. Bei der zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 26. und 27. August 1910 in Kopenhagen brachte Clara Zetkin gemeinsam mit Käte Duncker und der Leiterin des Frauensekretariats der Gewerkschaften Deutschlands, Gertrud Hanna, die Durchführung eines Frauentags zur Abstimmung. Dieser sollte zunächst der »Agitation für das Frauenwahlrecht« dienen. Der Antrag wurde einstimmig angenommen und der erste internationale Frauentag sollte ein voller Erfolg werden (Quelle: Bernd Hüttner/Axel Weipert (Hrsg.) Emanzipation und Enttäuschung Rosa-Luxemburg-Stiftung, 2018). Der Weg zum Frauenwahlrecht wurde damit maßgeblich bereitet.
Als „Startschuss“ für die erste deutsche Demokratie trat nach der Einführung der Republik am 30. November 1918 das Reichswahlgesetz in Kraft. Es sah das allgemeine, gleiche und geheime aktive und passive Wahlrecht für Männer und Frauen vor. Im Januar 1919 kam es dann endlich zu den ersten demokratischen Wahlen auf deutschem Boden und Frauen sowie Männer  konnten gewählt werden und wählen. Als erste Frau überhaupt ergriff Marianne Weber (DDP), Ehefrau des Soziologen Max Weber, in einem deutschen Parlament am 15. Januar 1919 das Wort (Quelle: Landeszentrale für politische Bildung).


Eine der ersten Frauen im Thüringer Parlament war Käte Duncker (1871-1953). 1920 wurde sie in den Thüringer Landtag gewählt. Sie setzte sich sowohl für die berufliche und politische Besserstellung von Frauen als auch für den sozialen und kulturellen Fortschritt ein. Duncker schrieb in der sozialistischen Frauenzeitschrift „Gleichheit“ und trat bei zahlreichen Frauenkonferenzen als Rednerin auf. Trotz Repressionen ließ sie sich nicht von ihren politischen Vorstellungen und Überzeugungen abbringen. Im Zuge ihres Engagements musste sie mit Repressionen leben. So erhielt sie bereits im Mai 1916 Redeverbot, ließ sich aber nicht von ihren politischen Vorstellungen und Überzeugungen abbringen. Nachdem ihr Mann Herrmann Duncker verhaftet worden war, suchte sie 1936 für zwei Jahre Schutz im thüringischen Friedrichroda, wo sie in den 1880er Jahren die Schule besucht hatte. Von dort emigrierte sie 1938 nach Amerika, um nach dem Krieg nach Bernau in Brandenburg zurückzukehren. Seit dem 15. Oktober 2013 trägt der Sitzungssaal der Linksfraktion im Thüringer Landtag den Namen der Sozialistin, Pädagogin, Publizistin und früheren Landtagsabgeordneten Käte Duncker. „Es wurde sich damals bewusst für eine Frau entscheiden. Denn es gab sehr viele Frauen in der Geschichte die sich engagiert haben, die aber wenig in Erinnerung blieben. Als Fraktion war es uns auch wichtig, uns für eine Frau der sozial-demokratischen Arbeiter:innen-Bewegung zu entscheiden. In einer Zeit in der die Demokratie verteidigt werden musste“, so Fraktionsvorsitzender Steffen Dittes.
Am ersten Septemberwochenende besuchte Monika Köhler, eine der Enkelinnen Dunckers, den Thüringer Landtag. Köhler und die ehemalige LINKE-Abgeordnete Heide Wildauer waren auf dem Weg nach Friedrichroda, wo eine Skulptur Dunckers im Kurpark wiedereingeweiht werden sollte. Die Linksfraktion nutzte den Besuch und lud die Enkelin der berühmten Namensgeberin des Fraktionssitzungssaals zum Gespräch ein.
Ihr politisches Engagement könne man in ihren Publikationen nachlesen, erklärte die Enkelin im Gespräch mit Wildauer und den Abgeordneten Sascha Bilay und Steffen Dittes. Unter anderem in von ihr veröffentlichten Texten wie »Die Kinderarbeit und ihre Bekämpfung«, »Über die Betheiligung des weiblichen Geschlechts an der Erwerbsthätigkeit« oder »Das Schicksal wollte es, dass ich dabei war«. Die liebevolle Beziehung zu ihrem Mann Herrmann Duncker wird in der Briefsammlung „Ein Tagebuch in Briefen“, rausgegeben von Heinz Deutschland, deutlich.
Ihre Persönlichkeit beschreibend seien jedoch Erinnerungen aus dem Familienleben. So hätte etwa Köhlers jüngere Schwester einen Unfall gehabt, in dessen Folge sie sechs Wochen auf dem Bauch liegen musste. „Oma setzte sich neben sie und las ihr jeden Tag vor.  Bald ermunterte sie meine Schwester ,selbst zu lesen. Nach sechs Wochen war meine jüngere Schwester soweit wie ich im ersten Schuljahr nicht gewesen bin! Daraufhin kam meine jüngere Schwester mit mir in die zweite Klasse.“