„Nutze den Tag“

Lena Saniye Güngör ist die jüngste Abgeordnete im Thüringer Landtag

Güngör? Güngör! Das ist türkisch und heißt übersetzt „siehe den Tag“. Carpe Diem ist (auch) Programm. Lena Saniye Güngör ist die jüngste Abgeordnete im Thüringer Landtag - und sie ist die einzige im Parlament, die einen Namen trägt, der hör- und sichtbar aus dem nichtdeutschen Sprachraum stammt. Und auch Lenas zweiter Vorname Saniye weist auf die türkischen Wurzeln hin.

Ja“, sagt die über die Landesliste DIE LINKE gewählte Abgeordnete, „ich bin 1993 als Kind türkisch-deutscher Eltern in Dortmund geboren. Bildung war bei uns zu Hause immer ein Wert in sich. 2012 machte ich das Abitur. Dann studierte ich Psychologie in Chemnitz und Jena, machte den Bachelor und den Master.“ Parallel schloss sie das Studium in Ethik und Konfliktmanagement ab, ebenfalls mit einem M.A.-Titel.
Lena Güngör hat sich immer gern und viel mit politischen Themen auseinandergesetzt. Außerparlamentarische Arbeit war für sie wichtig. Früh merkte sie, dass das jedoch in sich begrenzt ist - außerparlamentarisch eben. Im Zuge der Bundestagswahl 2017 machte sie ein Praktikum beim wissenschaftlichen Dienst des Deutschen Bundestages. „In einem so hochpolitischen Raum zu einer so hochpolitischen Zeit konnte ich mich der Frage nach meinem Engagement in einer politischen Partei nicht entziehen. Ich bin in DIE LINKE eingetreten und habe tatsächlich noch die letzte Woche im Bundestagswahlkampf mitgemacht.“

#LenaFürJena: Nur wenig später wurde sie Spitzenkandidatin für DIE LINKE in Jena. Gleichzeitig kandidierte zur Ortsteilbürgermeisterin Jena-Zentrum. Ihre Kontrahentin von den GRÜNEN gewann, Lena holte den sehr beachtlichen zweiten Platz. „Ich freue mich, wenn ich auch durch meinen Nachnamen darauf aufmerksam machen kann, dass es in Thüringen zigtausende Menschen migrantischen Ursprungs gibt, die in diesem Land leben und arbeiten. ‚Willkommen in Thüringen‘ buchstabiere ich auch so, dass diese Menschen angemessen und gerecht parlamentarisch vertreten werden. Die Tatsache, dass ich mit den zweitmeisten Stimmen in den Jenaer Stadtrat eingezogen bin, hat mir gezeigt, dass die Wählerinnen und Wähler mich anerkennen - und dass sie von mir als Person für diese Partei mit diesem Programm etwas halten. Übrigens unabhängig davon, ob ich jung bin oder nicht.“

Jena ist eine Stadt, die wächst. „Wohnen“ ist darum dort ein zentrales Thema - die Frage nach bezahlbaren Mieten steht weit oben auf der Agenda der Abgeordneten im Jenaer Stadtrat. Und es beschäftigt sie die Mobilität. „Wenn ich nicht das Privileg habe, in zentraleren Bereichen zu wohnen und trotzdem zur Arbeit, zur Uni, zur Ausbildung pendeln muss“, sagt Lena, „dann steht doch die Frage, wie der ÖPNV kostengünstig und attraktiv gestaltet wird - als tatsächliche Alternative zum individuellen Nahverkehr“.

Lena Saniye Güngör möchte, dass die Gesellschaft einen solidarischen Umgang lebt und pflegt. „Das heißt für mich, dass ich ganz klar Stellung gegen die soziale Spaltung in Thüringen und anderswo beziehe. Konkret bedeutet das für mich auch, gegen die vielen Benachteiligungen, die die Menschen in Ostdeutschland erfahren, zu handeln. Ich fordere eine Treuhand-Enquetekommission und freue mich als Vorsitzende der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen, dass wir eine Ausstellung zum Thema realisieren konnten. Wer gegen soziale Spaltung handelt, handelt auch immer gegen Rechts. Ich möchte in einer offenen, bunten und solidarischen Gesellschaft leben.“

Lena Saniye Güngör wird für die Linksfraktion Sprecherin für Arbeits- und Gewerkschaftspolitik. Sie freut sich auf diese Aufgabe, sucht den Kontakt zu sozialen Bewegungen und will schnell in die großen Fußabdrücke, die Ina Leukefeld hinterlässt, hineinwachsen. 
Die erste Bewährungsprobe hat sie schon hinter sich. Sie war bei der Konstituierung des 7. Thüringer Landtags als jüngste Abgeordnete Schriftführerin im Parlament, saß neben der frischgewählten Landtagspräsidentin Birgit Keller. Auch diese Aufgabe hat sie souverän bewältigt. 
Carpe Diem! Herzlich willkommen im Thüringer Landtag, Lena! Herzlich willkommen in der Fraktion DIE LINKE.
 

Rainer Benecke