Kein Schlusswort - Buch zu NSU-Prozess, Nazi-Terror und fehlender Aufklärung

Der Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder und UnterstützerInnen der Neonazi-Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) geht zu Ende. 2011 flog auf, dass Thüringer Neonazis eine bundesweite Mord- und Anschlagsserie begangen hatten. Die Ermittler schlossen bis dahin ein rechtes Motiv für die Taten aus. Und obwohl die Geheimdienste die Gruppe mit Spitzeln umstellt hatte, behaupten sie, von nichts zu wissen. In einem Mammut-Prozess in München wurden die Taten verhandelt. Das Gericht leistete keine umfassende Aufklärung. Es waren vor allem Nebenkläger und ihre Anwälte, die sich bemühten, die rassistischen und rechten Motive und das Handeln der Behörden zu durchleuchten.

Der Buchtitel „Kein Schlusswort“ verweist auf das uneingelöste Versprechen umfassender Aufklärung. Im Vorwort kritisiert Anwalt Wolfgang Kaleck mangelnden Aufklärungswillen, die lange Verfahrensdauer, einen zu kleinen Kreis an Angeklagten und die unkontrollierbaren Geheimdienste. Im Mittelpunkt des Buches stehen die Plädoyers und Einschätzungen des Prozesses von Vertretern der Nebenklage und von vier vom NSU-Terror betroffenen Menschen. Die Beiträge durchzieht der Blick auf Rassismus als Triebkraft rechten Terrors. Das Buch versteht sich als „Gegenerzählung“ zur Prozessführung von Bundesanwaltschaft und Gericht. In die veröffentlichten Plädoyers flossen eigene Recherchen der Nebenkläger, kritischer Journalisten, der parlamentarischen Untersuchungsausschüsse sowie antifaschistischer Initiativen ein. Das Buch ist ein wertvoller Beitrag zur Auseinandersetzung mit dem NSU-Komplex.

Antonia von der Behrens (Hg.): Kein Schlusswort. Nazi-Terror, Sicherheitsbehörden, Unterstützernetzwerk, Hamburg 2018, VSA Verlag, 19,80 Euro.