Crash Kurs Krise: Wie die Finanzmärkte funktionieren
Immer wieder ist in den Zeitungen zu lesen, „die Märkte“ würden „verrückt spielen“. Meist sind dann nicht Warenmärkte oder das marktwirtschaftliche System insgesamt gemeint, sondern die Finanzmärkte. Warum zum Beispiel steigen die Börsenwerte von Unternehmen, wenn diese Massenentlassungen vornehmen oder von Pleite bedroht sind? Warum „überhitzt“ die Börse, wenn die ökonomische Lage eher auf Unterkühlung hinweist?
Ein kleines aber außerordentlich informatives Buch bringt Antworten aus der Perspektive kritischer Ökonomie. In kompakter Form beleuchten Antonella Muzzupappa und Stephan Kaufmann die Rolle des Finanzsektors im Kapitalismus und erörtern, warum Entgegensetzung von „produktiver Realwirtschaft“ und „unprodukiver Finanzsphäre“ falsch ist. Was also hat es mit der „Finanzialisierung“ der Wirtschaft und der heutigen „Dominanz des Finanzsektors“ auf sich? Woher kommen die Wirtschaftskrisen eigentlich? Warum beginnen sie heutzutage meistens als Finanzkrisen?
Antworten finden sich in dem hier besprochenen Buch reichlich. Für eine gesellschaftliche Linke, die sich grundlegender Veränderung verschrieben hat, ist solcherart politökonomische Bildung wichtiger denn je. „Der Markt beherrscht das ökonomische und weite Teile des gesellschaftlichen Lebens. Für ihn wird produziert, auf ihm wird konkurriert, er entscheidet über Erfolg oder Pleite. Doch gibt es einen Markt, von dem es heißt, er beherrsche alle anderen Märkte: den Finanzmarkt“, heißt es zu einem Vorabauszug in der linken Wirtschaftszeitung „Oxi“: Denn hier wird ein besonderes Gut gehandelt – Geld, oder genauer: Kapital. „Fast alle Unternehmen brauchen es und holen es sich an ‚den Märkten‘, indem sie Kredit nehmen, Aktien und Anleihen ausgeben. So tritt der Finanzmarkt dem Rest der Wirtschaft als Gesamtgläubiger gegenüber: Die Anleger bestimmen über Finanzierungskosten und damit darüber, welche Geschäfte eine Zukunft haben und welche nicht. Gleichzeitig vollziehen die ‚Produkte‘ des Finanzsektors an der Börse ihre eigenen Bewegungen. Diese Bewegung der Spekulation hat dem Finanzsektor den Ruf eingetragen, er habe sich von der sogenannten Realwirtschaft emanzipiert. Doch das ist nicht ganz korrekt. Realwirtschaft und Finanzmarkt sind sich ähnlicher, als viele denken.“ PR
Antonella Muzzupappa und Stephan Kaufmann: Crash Kurs Krise. Wie die Finanzmärkte funktionieren. Eine kritische Einführung. Bertz & Fischer Berlin 2020, 120 Seiten, 8 Euro.
