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30 Jahre „Rosa“ in Thüringen

Im Mai 1992 trat eine überschaubare Zahl von Enthusiast:innen mit der Gründung des Jenaer Forums für Bildung und Wissenschaft e. V. an, sich auch nach der Abwicklung als Wissenschaftler:innen weiter zu engagieren. 2022 hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen - so der heutige Name des Jenaer Forums nach diversen Entwicklungsschritten - fast 120 Mitglieder, ist fester Teil des Stiftungsverbunds der Rosa-Luxemburg-Stiftung, kooperiert mit einer Vielzahl verschiedener Partner:innen und ist breit im Freistaat präsent.
Diese 30 Jahre Geschichte und das 30-jähriges Engagement ihrer Mitglieder und Partner:innen feierte die Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen im Paradiescafé im Gründungsort Jena. 70 Gäste folgten der Einladung. Im Vordergrund standen nach den Jahren der Pandemie das Wiedersehen und der Austausch. Im gemütlichen Setting des Paradiescafé Jena fand sich dazu bei wundervollem Wetter viel Gelegenheit, bevor (und nach) dem Programm des Nachmittags, durch welches die Vorsitzende Lena Saniye Güngör führte.
Nach der offiziellen Begrüßung und der Erinnerung an die Mitglieder, die in den letzten Jahren verstorben sind, wurden Video-Grußworte der Geschäftsführerin der Bundesstiftung, Daniela Trochowski, und des Ministerpräsidenten und Mitglieds Bodo Ramelow gezeigt. Lena Saniye Güngör und Regionalbüroleiter Volker Hinck führten anschließend durch die Geschichte der Stiftung. Zu ihren Entwicklungsphasen wurden die langjährige Geschäftsführerin Vera Haney sowie das ehemalige Vorstandsmitglied Steffen Kachel befragt. Ebenso kamen politische Partner:innen und Kooperationspartner:innen wie Ina Leukefeld, Matthias Weiß und Bernd Löffler zu Aspekten der Stiftung zu Wort.
Thema war unter anderem die Ressourcenknappheit zu Beginn der Stiftungsgeschichte und die generell schwierigen Anfänge wie z. B. die Klage gegen das Land Thüringen. Es wurde über die Entwicklung zum Stiftungsverbund der RLS und über die Erweiterung des Wirkungskreises jenseits der ehemaligen Professor:innen berichtet. Aus dem Publikum kamen dazu verschiedene Ergänzungen. Natürlich wurde dabei auch die eine oder andere Anekdote erzählt. Halt machten die Erzählungen schließlich bei 2014 und der rot-rot-grünen Koalition. Diesen Zeitabschnitt diskutierten am Abend Partner:innen aus Regierung und Landtagsfraktion der LINKEN mit außerparlamentarischen Kooperationspartner:innen der RLS Thüringen unter dem Titel „Acht Jahre rot-rot-grüne Landesregierung und wie weiter? Perspektiven unser Wegbegleiter:innen.“ Exemplarisch wurden die Felder Innenpolitik, sozial-ökologische Transformation der Industrie und Politische Bildung betrachtet.
Durch die Gespräche führte der Journalist Stephan Hebel (Frankfurter Rundschau). In den unterschiedlichen Feldern setzten die Gesprächspartner:innen sehr unterschiedliche Akzente: Während Liv Dizinger vom DGB Hessen-Thüringen und der Landtagsabgeordnete Andreas Schubert sich sehr einig waren bei den Herausforderungen, vor denen der Freistaat beim sozial-ökologischen Umbau in den Industriestrukturen steht und sich eher als gemeinsame Streiter:innen in der Transformation sahen, kritisierte Melanie Pohner vom Bildungswerk des DGB Thüringen die weiterhin zu hohe Projektorientierung des Thüringer Bildungsministeriums in der Erwachsenenbildung. Sie forderte eine höhere Grundabsicherung, was Minister Helmut Holter wiederum nicht ganz teilte. Überraschend einig waren sich Dr. Daniel Stahl vom Thüringer Flüchtlingsrat und Steffen Dittes, Vorsitzender der Linksfraktion im Thüringer Landtag, bei ihrer Kritik an der Flüchtlingspolitik in Thüringen. Auch Enttäuschungen aus den letzten acht Jahren wurden klar benannt.
Dittes benannte aber ebenso die realpolitischen Grenzen für DIE LINKE in der Koalition. Er hob die Rolle der RLS und ihrer Partner:innen hervor, als er betonte, dass es darauf ankomme, außerparlamentarisch immer wieder den Finger in die Wunde zu legen und auch einer rot-rot-grünen Regierung keine Atempause zu geben, sondern gemeinsam an der emanzipatorischen Gesellschaftsveränderung zu arbeiten. Mit dieser Skizze einer gemeinsamen Strategie endete der Abend und gab einen Ausblick auf die Aufgabe der Stiftung in den kommenden Jahren.