Pharma-Tests: Geschädigte ermitteln und schnell helfen
"Die Landesregierung muss schnellst möglich ermitteln, welche Folgen die Tests der westdeutschen Pharmaindustrie an ehemaligen Bürgern der DDR hatten. Schließlich sind auch an Thüringer Kliniken Testreihen durchgeführt worden", fordert der gesundheitspolitische Sprecher der Thüringer Linksfraktion, Jörg Kubitzki. Diese Tests beweisen "die Profitsucht der Pharmaindustrie einerseits, aber andererseits auch die Gewissenlosigkeit der ehemaligen DDR-Regierung, ihre eigene Bevölkerung auf Jagd nach Devisen als Versuchsobjekte zu missbrauchen", so der Abgeordnete weiter.
Durch eine parlamentarische Initiative will die Fraktion DIE LINKE die Landesregierung auffordern, dass an den Thüringer Universitätskliniken und Krankenhäusern ermittelt wird, wie viele Patienten an den Versuchen beteiligt waren, ob gesundheitliche Schäden verursacht wurden - wenn ja, welche - und wie viele Personen an den Folgen der Tests verstorben sind.
"Nur durch lückenlose Aufklärung kann den Opfern geholfen werden. Die Regierung sollte deshalb im Bundesrat Initiative ergreifen, dass auf Grundlage des Opferentschädigungsrechts ein Fonds zur Wiedergutmachung eingerichtet wird, in dem neben den staatlichen Stellen auch die damals beteiligten Pharmaunternehmen zur Verantwortung gezogen werden", unterstreicht der Gesundheitspolitiker der Linksfraktion. Diese schrecklichen Vorfälle müssen auch Anlass sein, die heutige Testpraxis der Pharmaindustrie auf den Prüfstand zu stellen. So sei erst in der jüngsten Vergangenheit durch Fernsehberichte belegt worden, dass vermehrt Hartz-IV-Bezieher an Testreihen teilnehmen, ohne dass eine exakte stationäre Kontrolle dieser Personen erfolgt."
Der LINKE-Abgeordnete weist darauf hin, dass große Pharma-Firmen seit Jahren ihre Testreihen in Entwicklungsländern wie Bangladesch, Indien, China und Afrika betreiben. DIE LINKE im Bundestag hat in einer Kleinen Anfrage kritisiert, dass Pharmakonzerne ihre Arzneimitteltests zunehmend in Entwicklungsländer verlagern. Pro Jahr würden die Unternehmen derzeit etwa 20.000 klinische Studien in Schwellenländern durchführen. Zugleich gehe die Anzahl der beantragten Studien in der Europäischen Union deutlich zurück. "Die Pharmaindustrie versucht, mit der Verlagerung in Entwicklungs- und Schwellenländer vor allem Geld zu sparen", rügt Kubitzki.
